KDFB

Christa Reiterer: Stimme der Landfrauen

Von Jugend an ist Christa Reiterer im Ehrenamt aktiv. Die Bäuerin steht an der Spitze der Bayerischen Landfrauenvereinigung des KDFB.

 

Zum Frauenbund kam Christa Reiterer schon 1981. Als sie mit ihrem Verlobten im Pfarrhof das Aufgebot bestellte, nahm sie der Pfarrer kurzerhand in den Verband auf. Das sei so üblich, wenn eine Frau in die Pfarrei einheirate, eröffnete ihr der Geistliche. Christa Reiterer willigte ein, ohne zu ahnen, wohin sie das führen würde.

Kaum eineinhalb Jahre später war sie schon Zweigvereinsvorsitzende. Und wieder hatte ein Pfarrer die Hand im Spiel. „Es standen Neuwahlen an“, erinnert sich die 63-Jährige. „Aber die verliefen zäh. Und nach einer Weile hat sich der Pfarrer vor den ganzen Menschen im Saal fast vor mich hingekniet, damit ich den Vorsitz übernehme. Da hatte ich nimmer den Mut, Nein zu sagen.“

 

Klares Ja zum Ehrenamt

 

Christa Reiterer sollte noch oft Ja zum Ehrenamt sagen. Sie ist Pfarrgemeinderätin und Lektorin in der Pfarrei, war Elternbeirätin in Kindergarten und Schule, dazu Marktgemeinderätin und Stellvertretende Diözesanvorsitzende im Frauenbund. Seit zwölf Jahren steht sie an der Spitze der Bayerischen Landfrauenvereinigung des KDFB, seit elf Jahren ist sie Stellvertretende Bundesvorsitzende.

Wie sie es geschafft hat, diese Aufgaben jahrzehntelang zu meistern und gleichzeitig den Hof im niederbayerischen Wurmannsquick zu führen, drei Kinder großzuziehen und als Bedienung zu arbeiten, das weiß nur sie allein. 18-Stunden-Tage waren keine Seltenheit. „Als wir heirateten, betrieb mein Mann den Hof im Nebenerwerb. Es blieb mir nichts anderes übrig, als blitzschnell zu lernen, wie man einen Traktor fährt und die Melkmaschine bedient.“ Weil das Ehepaar zwei Familienmitgliedern den Austrag zahlen musste, arbeitete Christa Reiterer zusätzlich als Bedienung, meist in Festzelten. „Manchmal ging das bis zwei, drei Uhr in der Nacht, und am nächsten Morgen um halb sechs stand ich wieder im Stall.“

Bei allen Belastungen war ihr der Frauenbund eine verlässliche Stütze. „Ich habe durch ihn gesehen, dass viele Frauen in einer ähnlichen Situation sind wie ich“, sagt sie. „Die Gemeinschaft stärkt. Für mich war der Frauenbund immer wie ein Baum, an dem ich mich festhalten konnte.“

 

Erfahrbar machen, woher die Lebensmittel kommen

 

Heute ist es ihr als Vorsitzende der Landfrauenvereinigung ein Herzensanliegen, das Verständnis für die bäuerliche Landwirtschaft zu vertiefen. „Es geht darum, möglichst vielen Menschen zu zeigen, wie Lebensmittel erzeugt werden. Denn die Stadtbevölkerung und die Zugezogenen in den Dörfern haben dazu keinen Bezug.“ Damit auch Kinder erfahren, dass die Semmel nicht allein vom Bäcker kommt, sondern dass dazu Getreide angebaut werden muss, hat die Landfrauenvereinigung schon vor Jahren ein Projekt für Zweigvereine entwickelt. Es heißt „Frühstück der kurzen Wege“, und KDFB-Frauen wenden sich damit an Kindergärten, Grundschulen und Elterngruppen.

Nachhaltiges Wirtschaften, politische Bildung für Frauen, politisches Handeln und Regionalvermarktung – für Christa Reiterer sind das die Kernanliegen der Landfrauenvereinigung. Sie selbst sieht sich als überparteiliche Impulsgeberin. „Ich bin nicht grün, nicht schwarz, nicht rot. Aber ich bin eine Landfrau, die sich verantwortlich fühlt – nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für ländliche Strukturen.“ Immer wieder meldet sie sich politisch zu Wort, beispielsweise wenn über die Köpfe der Dorfbevölkerung entschieden wird, Poststellen zu schließen.

 

Bürgerinnenversammlungen ins Leben gerufen

 

Richtungsweisend hat sie schon in den 1990er-Jahren eine Bürgerversammlung ausschließlich für Frauen angestoßen. Entgegen aller Erwartungen konnte Reiterer zur ersten Bürgerinnenversammlung in Wurmannsquick 120 Frauen begrüßen. „Und diese Idee hat sich gehalten“, freut sie sich. „Bis heute gibt es bei uns alle zwei Jahre eine solche Versammlung für Frauen. Außerdem haben wir in der Landfrauenvereinigung eine Arbeitshilfe erarbeitet, damit andere Frauen auch den Mut aufbringen können, solche Veranstaltungen zu starten.“

Voller Freude erzählt sie, dass ihre drei Kinder ebenfalls Ja zum Ehrenamt sagen: Die beiden Söhne bekleiden verantwortliche Posten in der Freiwilligen Feuerwehr, die Tochter engagiert sich im Elternbeirat. „Es ist mir wichtig, dass das, was man vorgelebt hat, weitergetragen wird“, bekennt Christa Reiterer.

 

Autorin: Eva-Maria Gras
aus: KDFB engagiert 11/2020

Foto: Karin Schott