Inhaltsverzeichnis

Aktuelles

5.02.15
Nachricht:

Spiel mit offenen Karten: Was verdienen Frauen und Männer?


Veranstaltung im Bayerisches Sozialministerium zum Equal Pay Day

MÜNCHEN. Anlässlich des Equal Pay Day (EPD) am 20. März 2015 lud die bayerische  Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, Emilia Müller, gemeinsam mit dem BPW Club München und dem Bayerischen Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) ins Bayerische Ar­beitsministerium ein. Unter dem Motto "Spiel mit offenen Karten – Was verdienen Frauen und Männer?" stand das Schwerpunktthema "Transparenz" der diesjährigen EPD-Kampagne im Mittelpunkt.

Die Lohnlücke: 22 Prozent

Um die seit Jahren im Wesentlichen unveränderte Lohnlücke von 22 Prozent zwischen den Geschlechtern zu schließen, sind transparente Bewer­tungsverfahren und Vergütungsstrukturen in Unternehmen eine zentrale Voraussetzung. Nur wenn Frauen und Männer gleichermaßen wissen, was Kollegen und Kolleginnen in vergleichbarer Position verdienen, können sie die eigenen Gehaltsforderungen überzeugend vertreten. Der Equal Pay Day am 20. März 2015 soll deshalb das große Tabu der Gehaltstransparenz aufbrechen. „Unsere Forderung nach einem Spiel mit offenen Karten und das von der Bundesregierung geplante Entgeltgleich­heitsgesetz werden wieder kontroverse Debatten auslösen. Das wird nicht anders sein als beim gesetzlichen Mindestlohn oder der Genderquote“, so Henrike von Platen, Präsidentin Business and Professional Women (BPW) Germany. „Doch gerade dies sind wichtige Meilensteine für mehr Chan­cengleichheit im Beruf. Transparenz sorgt beim Gehaltspoker für Fairness. Unser Ziel muss sein, die geltenden Spielregeln so zu verändern, dass Frauen gewinnen können. Denn das nutzt schließlich der ganzen Gesellschaft.“

Ministerin Emilia Müller: Die Lohnlücke nicht bagatellisieren!

Für Bayerns Arbeitsministerin Emilia Müller ist die Schließung der Lohnlücke ein wichtiges Anliegen: „Wir können die noch immer bestehende Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen nicht akzeptieren. Teile der Lohnlücke lassen sich sicher strukturell erklären, beispielsweise durch unterschiedliche Berufswahl oder Karrierebrüche durch familienbedingte Auszeiten. Dies darf aber nicht zu einer Bagatellisierung führen. Denn ge­nau diese strukturellen Gründe zeigen auch die nach wie vor bestehende Benachteiligung der Frauen im Erwerbsleben auf. Jetzt ist der Bund gefordert, das Thema anzugehen.“

KDFB-Landesvorsitzende Elfriede Schießleder: Eine Frage der Gerechtigkeit

„Es ist eine ganz offensichtliche Frage der Gerechtigkeit, dass Frauenar­beit nicht schlechter bezahlt werden darf als Männerarbeit“, so Elfriede Schießleder, die Vorsitzende des KDFB-Landesverbandes. „Allerdings sind die gläsernen Decken unverändert feststellbar“, betonte sie, „und so ist Transparenz zur Lohnfindung der nächste Schritt auf dem Weg zu ge­rechteren Löhnen. Gerade in Bayern mit seiner früher sehr agrarischen Struktur wurde Familie hoch bewertet, nun zahlt die Generation der Älte­ren den Preis dafür, dass sie auf eine eigene Berufstätigkeit verzichtet ha­ben. Deshalb sind wir sehr sensibel dafür, dass solche Ungerechtigkeit in Zukunft vermieden wird.“

Faire Bezahlung ist Prinzip der Wirtschaftsethik

Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck, Vorsitzender des Kuratoriums der Fairness-Stiftung, machte deutlich: „Faire Bezahlung derer, die den Unternehmenserfolg erarbeiten, ist ein grundlegendes Prinzip der Wirtschaftsethik. Wer seine Mitarbeiter nach ihrem Verhandlungsgeschick statt nach ihrer Leis­tung am Arbeitsplatz bezahlt, handelt unfair.“

Prof. Dr. Carsten Becker, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der Gesellschaft für Innovationsforschung und Beratung in Berlin, bestätigt: „Spätestens im aktuell zunehmenden Fachkräftemangel sind die Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, angehalten, ihr Personalmanagement und ihre Arbeitgeberattraktivität grundlegend weiterzuentwickeln. Der Karriereförderung von Frauen und – damit zusammenhängend – der Entgeltgerechtigkeit sind dabei besondere Bedeutung beizumessen. Allerdings benötigt der diesbezügliche Bewusstseins- und Veränderungsprozess in den Unternehmen Zeit und bedarf vielfach der Überzeugung auf allen Ebenen. Die Beratung und Kompetenzentwicklung im Personalmanagement erweisen sich als der richtige Weg“.

Transparenz und Fairness in einem beispielhaften Unternehmen

Über die Transparenzkultur des eigenen Unternehmens sprach Dr. Antje von Dewitz, Geschäftsführerin von VAUDE: „VAUDE setzt sich auf allen Unternehmensebenen ein für Nachhaltigkeit, Transparenz und Fairness. Das fängt bei den Produktionsbedingungen unserer Lieferanten an und hört natürlich bei der eigenen Vergütungsstruktur nicht auf. Wir wollen schließlich qualifizierte Fachkräfte gewinnen und ein produktives Arbeitsklima schaffen – das geht nur auf Augenhöhe“.

Redaktion: Ulrike Müller-Münch , Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
www.frauenbund-bayern.de