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Scheidungskinder: Trotzdem glücklich aufwachsen

Manchmal brauchen Mütter sehr gute Nerven. Als Claudia ihren vierjährigen Sohn Lukas am Montagnachmittag vom Kindergarten abholt, rennt er ihr nicht wie sonst mit ausgebreiteten Armen entgegen, sondern schreit: "Blöde Mama, warum willst du eigentlich immer dem Papa sein Geld wegnehmen?" Claudia seufzt. Sie weiß, woher das kommt. Am Wochenende, das Lukas bei seinem Vater verbrachte, bekam sie mehrere SMS von ihrem Ex-Mann. Der Inhalt: Beschimpfungen. Der Grund: Der Spruch des Nürnberger Familienrichters, der den Ex verpflichtete, endlich die Unterhaltzahlungen für seinen Sohn regelmäßig zu leisten. In einer SMS stand: "Ich habe es Lukas erzählt, dass du mir noch das letzte Hemd ausziehst."An diesem Montagabend braucht Claudia wieder einmal viel Geduld, um ihrem Söhnchen zu erklären, dass der Papa genügend Geld verdient, um seinen Beitrag zu Lukas’ Lebensunterhalt zu leisten. Dass ein Kind Kleidung braucht, Essen und Spielzeug, dass der Kindergarten Geld und die Wohnung Miete kostet. Dass Kinderkosten von Mama und Papa gemeinsam aufgebracht werden, weil Mama und Papa gemeinsam für ihre Kinder verantwortlich sind. Und dass der Papa trotzdem nicht hungern muss. Claudias Ex verdient als angestellter Informatiker rund 3000 Euro netto im Monat - die Unterhaltszahlung, auf die Lukas Anspruch hat, reißt kein großes Loch in seinen Geldbeutel. Das versteht Lukas, das klingt auch für einen Vierjährigen logisch. Aber warum schimpft dann der Papa so auf die Mama? Wie soll man einem Kind beibringen, dass es bei diesem Streit gar nicht ums Geld geht, sondern dass der Vater aus ganz anderen Gründen wütend ist? Dass er der Mutter nicht verzeihen kann, dass sie ihn verlassen hat. Dass er verletzt und gekränkt ist. Dass er sie allein für das Scheitern der Ehe verantwortlich macht. Und dass er deshalb jede Gelegenheit nützt, die Mutter vor ihrem kleinen Sohn abzuwerten und schlecht zu machen. "Er will mich verletzen, er will sich an mir rächen ", sagt Claudia. "Aber er trifft Lukas. Der ist dann immer ganz durcheinander. Er möchte seinen Papa toll finden und seine Mama auch. Aber das ist schwer für ihn, wenn der Papa gegen die Mama hetzt."

 

Kinder als Waffen im Scheidungskampf

 

Scheidung und kein Ende. Konfliktbeladene Elternbeziehungen sind nach Trennungen sehr häufig. Die Streitereien setzen sich fort - oft genug auf dem Rücken der Kinder. Wenn Ehen auseinander gehen, kehrt oft noch lange kein Friede in der Familie ein. Der Schweizer Kinderarzt und Entwicklungsspezialist Remo H. Largo schreibt in seinem mit der Pädagogin Monika Czernin veröffentlichten Buch "Glückliche Scheidungskinder": "Die Beziehung wird unter negativen Vorzeichen fortgesetzt. Nicht selten eskaliert der Streit, und die Kinder laufen Gefahr, als Waffen im Kampf eingesetzt und dabei psychisch beschädigt zu werden."Immer mehr Kinder sind von einer Scheidung betroffen, etwa 150.000 sind es pro Jahr in Deutschland. Nach Schätzungen wird mindestens jedes fünfte Kind in den alten und jedes dritte in den neuen Bundesländern nicht mit beiden leiblichen Eltern aufwachsen, sondern andere Familienkonstellationen erleben: meist mit der Mutter allein, seltener auch mit dem Vater, mit dem neuen Partner der Mutter, vielleicht mit Stief- und Halbgeschwistern. Über drei Millionen Kinder leben nach Zahlen des Verbandes allein erziehender Mütter und Väter (vamv) in Einelternfamilien, über 80 Prozent davon bei ihren Müttern. Für ein Kind ist die Scheidung seiner Eltern ein Ereignis, das die Welt ins Wanken bringt. Entwicklungsspezialist Remo H. Largo: "Ein Kind erlebt sich und seine Eltern als eine Einheit, die drei gehören ganz einfach zusammen. Es ist unvorstellbar, dass Mama irgendwann mal ohne den Papa war, vielleicht einen anderen Partner hatte oder in einer anderen Stadt lebte. Das ist nicht Teil der kindlichen Logik, und eine Scheidung zu den am stärksten belastenden Lebensereignissen für Kinder gezählt werden muss und zum Teil massive Auswirkungen hat. Vor allem während der ersten ein bis zwei Jahre danach zeigen viele Scheidungskinder Verhaltensauffälligkeiten. Ihre schulischen Leistungen lassen nach, ihr Selbstbewusstsein leidet. Manche Folgen reichen bis ins Erwachsenenalter: Mehrere Studien zeigten übereinstimmend, dass die Scheidung der Eltern bei den Kindern das Risiko erhöht, selbst keine stabile Ehe zu erleben. Scheidungskinder werden als Erwachsene häufiger selbst geschieden. Trübe Zukunftperspektiven.

 

Streit verunsichert Kinder

 

Doch muss es wirklich so sein, dass Kinder Schaden nehmen und unter Umständen lebenslang davon beeinträchtigt sind? Experte Remo H. Largo, selbst Scheidungsvater von inzwischen erwachsenen Töchtern, meint: "Für das Kind muss eine Trennung keine unvermeidliche Katastrophe sein. Es erlebt die Trennung nur dann als negativ, wenn es nicht mehr ausreichend betreut wird, seine Grundbedürfnisse nicht mehr wie bisher befriedigt werden oder das Kind unter den negativen Gefühlen zwischen den Eltern leidet. Streit und Aggression zwischen den Eltern erlebt das Kind als Ablehnung und Verunsicherung." Auch der Familienbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2006 stellt fest: Es ist nicht die Scheidung als solche, die Kinder beeinträchtigt, sondern die Umstände, von denen die Trennung der Eltern begleitet wird: Konflikte und Streitereien ohne Lösungen, ein verletzender Umgangston, gerichtliche Auseinandersetzungen der Eltern. Ein wesentlicher Risikofaktor für Kinder ist auch die wirtschaftliche Lebenssituation des betreuenden Elternteils: Wenn das Geld nie reicht, leiden auch die Kinder unter dem fortgesetzten Stress. Insbesondere haben WissenschaftlerInnen einen kontinuierlichen Zusammenhang zwischen väterlichen Unterhaltszahlungen und dem Wohlergehen der Kinder festgestellt."Mein Ex hat von Anfang an gar nicht oder nur unregelmäßig für Lukas bezahlt. Jeden Monat war es wieder die Frage, ob das Geld auf dem Konto einging oder nicht. Ich konnte mich nie darauf verlassen", erzählt die Nürnbergerin Claudia. "Für mich muss mein Ex nicht bezahlen, ich kann für mich selbst aufkommen. Aber auf den Kindesunterhalt kann ich gar nicht verzichten, selbst wenn ich wollte: Denn der steht rechtlich Lukas zu, nicht mir." Die Gesetzeslage gibt Claudia Recht: Nach Paragraph 1614 im bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) kann ein betreuendes Elternteil nicht im Namen des von ihm betreuten Kindes auf Kindesunterhalt verzichten.Trotzdem gibt es bei den Unterhaltszahlungen wie bei Claudia und Lukas sehr häufig Probleme. Bei einer Untersuchung des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2002 berichtete ein Drittel der Betroffenen - in den allermeisten Fällen sind das Mütter -, dass der Kindesunterhalt unregelmäßig oder gar nicht bezahlt wurde. Interessant dabei: Je häufiger und regelmäßiger getrennt lebende Väter ihre Kinder sehen, umso seltener entziehen sie sich ihren finanziellen Verpflichtungen. Der Streit um den Unterhalt ist nur einer der Konfliktherde zwischen Claudia und ihrem früheren Mann. "Eigentlich gibt es nichts, worüber wir uns einfach friedlich einigen. In welchen Kindergarten Lukas gehen sollte war ein monatelanger Streit. Er hetzt gegen mich und meinen neuen Lebensgefährten. Er weigert sich, unsere Wohnung zu betreten, wenn er Lukas abholt, weil er meinen Freund nicht sehen will. Ich muss Lukas hinaus auf die Straße bringen und auf ihn warten. Er hat mich schon angeschrieen und sogar bedroht, als ich Lukas bei ihm abholte - vor dem Kind. Wir hatten Schlichtungstermine, aber es hat alles nichts gebracht. Inzwischen verkehren wir nur noch über unsere Anwälte."

 

Eltern bleibt man lebenslang

 

Für Claudia ist die Situation sehr belastend - erst recht, weil sie täglich sieht, dass es auch anders geht. Auch ihr neuer Lebensgefährte Christian lebt seit sechs Jahren von seiner Frau getrennt. Er hat eine zehnjährige Tochter, Johanna. Bei ihr gibt es diese Probleme nicht. Johannas Eltern praktizieren das so genannte Wechselmodell: Das Mädchen verbringt eine Woche bei der Mutter, eine Woche beim Vater. "Ich habe ein Zimmer bei meinem Vater und eines bei meiner Mutter. Ich bin bei beiden daheim", erzählt sie. "Mir ist das am liebsten so. Wäre ich nur bei der Mama, würde ich den Papa vermissen und umgekehrt. Ich habe schließlich zwei Eltern, und ich habe sie beide lieb." Johanna wechselt jeweils freitags nach der Schule. "Da freue ich mich dann schon, wenn ich zum anderen komme. Klar ist der Abschied auch immer ein bisschen schwer, aber die Freude ist wichtiger. Und man kann ja telefonieren." Johannas Eltern haben einen Weg gefunden, wie sie miteinander für ihre Tochter sorgen können. Sie telefonieren regelmäßig, informieren sich gegenseitig, sprechen sich ab. Überlegen gemeinsam, wie sich zum Beispiel Schulprobleme lösen lassen. Sogar Feste wie Weihnachten, Ostern oder die Geburtstage von Johanna und Lukas werden den Kindern zuliebe zusammen in der großen Patchwork-Familie gefeiert, zusammen mit den neuen Lebensgefährten der beiden Ex-Partner. Johannas Mutter Renate erzählt: "Christian ist sehr gut darin, unsere alten Konflikte ruhen zu lassen. Ich bin da reizbarer und spreche eher mal was an. Ich habe ihn sicher sehr verletzt, als ich ihn verlassen habe, aber er hat das nie über Johanna ausgetragen. Ich war mir immer sicher, dass er mich nicht vor ihr schlecht macht. Genauso ist das andersherum, auch wenn ich mich mal ärgere. Der Papa ist bei uns eine wichtige Instanz, ohne ihn werden keine wesentlichen Entscheidungen getroffen. Ich denke, dass Johanna auch deshalb nie versucht hat, uns Eltern gegeneinander auszuspielen." Wenn beide Eltern eine gute Beziehung zu ihren Kindern pflegen, dann verkraften diese die Trennung leichter. Doch auch Johanna hatte Phasen, in denen sie sehr traurig über die Trennung ihrer Eltern war. "Als sie kleiner war, hat sie manchmal herzzerreißend geweint und sich so sehr gewünscht, dass wir Eltern wieder zusammen kämen", erzählt ihre Mutter. "Untröstlich war sie." In solchen Momenten blieb Renate nichts anderes übrig, als ihre Kleine in den Arm zu nehmen und deren Trauer mit auszuhalten. Schwere Momente. "Ich hatte ein schrecklich schlechtes Gewissen, weil ich ihr die Trennung angetan hatte."Experten schätzen, dass etwa ein Drittel der getrennten Paare wie Johannas Eltern eine gute Zusammenarbeit auf der Elternebene findet. Remo H. Largo: "Und ein weiteres Drittel könnte es schaffen, wenn sie die nötige Unterstützung durch Therapeuten oder Mediatoren bekämen. Ich sage nicht, dass das leicht ist. Im Gegenteil: Es ist ein hartes Stück Arbeit. Aber es ist möglich." Hilfe finden Eltern zum Beispiel in den Erziehungsberatungsstellen. Leider zeigen Studien, dass in vielen Fällen schon einige Jahre nach der Scheidung gar kein Kontakt mehr zum Vater besteht. Familienforscher betonen deshalb den Wert einer guten Beziehung zwischen beiden Eltern und ihrem Kind.

 

Mütter haben eine Schlüsselfunktion

 

Ganz entscheidend ist dabei die Rolle der Mütter. Ihnen kommt, so der Familienbericht der Bundesregierung, schon während der Ehe, aber auch danach eine "Wächterfunktion" zu, was das Engagement der Väter für die Kinder betrifft. In extremen Fällen verweigern die Mütter den Vätern den Kontakt zu den Kindern. Beim so genannten Parental-Alienation-Syndrom (PAS), zu deutsch: Elterliches Entfremdungssyndrom lehnen die betroffenen Kinder unter dem Einfluss des einen Elternteils den anderen komplett ab und verweigern jeden Kontakt. Das Kind wird Opfer einer Manipulation, zum Beispiel der "guten" Mutter gegen den "bösen" Vater. In Deutschland bezeichnen vor allem die Väterverbände das PAS als eine Sonderform des Kindesmissbrauchs. Gerade wenn Scheidungen sehr konfliktbelastet verlaufen sind, würden viele den Expartner am liebsten gar nicht mehr sehen. Doch wenn gemeinsame Kinder da sind, ist das nicht möglich. Das deutsche Familienrecht legt fest, dass Kinder ein Recht auf beide Eltern haben, sieht die gemeinsame Sorge als Regelfall nach einer Trennung und ein umfassendes Umgangsrecht vor und erkennt damit an: Es gibt ein Band zwischen Mutter und Vater, das - anders als eine Ehe - nicht geschieden werden kann. Elternschaft besteht lebenslang - bis zum Tod. Von einem Kind kann man sich nicht scheiden lassen. Eltern sollten sich deshalb bewusst sein, dass es, wie Psychologen sagen, eine Paarebene und eine Elternebene zwischen ihnen gibt. Der Paartherapeut Hans Jellouschek sagt: "Mann und Frau sind kraft ihrer Entscheidung ein Paar, und - sofern sie gemeinsame Kinder haben - sind sie darüber hinaus für diese gemeinsam Eltern. Beide Ebenen stehen in Beziehung und Wechselwirkung zueinander. Der wichtigste Unterschied ist, dass die Paarebene aufgelöst werden kann (und oft auch aufgelöst wird), die Eltern-Ebene aber immer bestehen bleibt: Die Partner bleiben immer Eltern dieser Kinder." Natürlich ist das schwer, sinnvoll zusammenzuarbeiten, wenn man den Expartner am liebsten zum Teufel jagen würde. Und natürlich ist es verständlich, wenn Väter und Mütter aus Enttäuschung und Trauer über die gescheiterte Ehe wütend aufeinander sind. Aber: "Wer Kinder in die Welt setzt, hat die Verantwortung, dass es ihnen gut geht. Und dass es ihnen nach einer Scheidung nicht schlechter geht als vorher", sagt der Entwicklungsspezialist Remo H. Largo. "Die Voraussetzung dafür ist, dass sich Mutter und Vater während und nach der Trennung zusammenreißen und nicht in erster Linie sich und ihr Leid sehen, sondern das Wohlbefinden ihrer Kinder."

 

Susanne Zehetbauer

 

Das hilft Kindern, die Trennung zu verarbeiten

 

Die Sozialpädagogin Gisela Appelt arbeitet im evangelischen Beratungszentrum München (ebz) in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Sie gibt Tipps, was Eltern tun können, damit Kinder eine Trennung möglichst gut verarbeiten:

- Sorgen Sie dafür, dass das Kind die Beziehung zu beiden Eltern aufrecht erhalten kann. Appelt: "Selbst wenn der Vater beruflich weit weg ziehen muss, ist das heute mit Internet, Fax und Mail kein Problem mehr."

- Sagen Sie dem Kind, was sich verändert und was bleibt. Lassen Sie möglichst viel beim Alten: Der Kontakt zu Oma und Opa, zu Freunden, der Kindergarten, die Schule, die Wohnung sollten erhalten bleiben.

- Aus Liebe zum Kind sollten Mütter auch nach einer Trennung die Aufgabe übernehmen, Beziehungsarbeit zu leisten und dem Kind zu helfen, den Kontakt zum Papa nicht zu verlieren, sagt Gisela Appelt. "Die Mutter kann das Kind ermuntern: 'Ruf den Papa an und erzählt ihm von dem Einser!' Oder sie kann abends beim Zu-Bett-Gehen sagen: 'Schick doch dem Papa auch einen Gute-Nacht-Kuss!'" Auch durch ein Foto im Kinderzimmer bleibt der Vater präsent und hat weiter einen selbstverständlichen Platz im Leben des Kindes.

- Werten Sie nicht den Expartner vor dem Kind ab. Schuldzuweisungen bringen Kinder in einen Loyalitätskonflikt: Sie müssen sich dann innerlich für Mama oder für Papa entscheiden - und das zerreißt sie fast. Sie wollen beide Eltern lieben. Appelt: "Natürlich passieren Schuldzuweisungen gelegentlich. Aber dann muss ich mich entschuldigen und sagen: 'Ich war gerade sauer, es tut mir Leid, dass ich so auf den Papa geschimpft habe.'"

- Wenn der andere Elternteil gegen Sie hetzt: Bleiben Sie gelassen. Sagen Sie: "Ach, ich merke, der Papa hat seinem Ärger Luft gemacht. Mach dir keine Sorgen, wir regeln das schon." Bitten Sie aber bei Gelegenheit Ihren Ex-Partner, dass er seine Konflikte mit Ihnen austrägt, statt das Kind damit zu belasten. Versuchen Sie aber nicht, sich vor dem Kind zu rechtfertigen und es auf Ihre Seite zu ziehen. Appelt: "Es ist eine Herausforderung, nicht in diese Falle zu tappen, aber es erspart dem Kind viel Kummer."

- Wenn die Wut so groß ist, dass man den anderen gar nicht mehr akzeptieren kann, dann hilft vielleicht dieser Gedanke: "Ich habe diesen Menschen einmal geliebt. Das Beste, was ich von ihm bekommen habe, ist dieses Kind." Reicht auch das nicht, sollten sich Mütter und Väter professionelle Hilfe suchen - dem Kind zuliebe.

- Schimpfen Sie nicht auf den neuen Partner des oder der Ex: Je besser das Kind mit dem "Neuen" umgehen kann, umso wohler fühlt es sich.

- Wenn besonders in der ersten Zeit jedes Zusammentreffen mit dem Ex eskaliert, vereinbaren Sie strikte Regeln, an die sich beide halten sollten. Wenn Eltern während der Übergabe streiten, dann verletzen sie das Kind. Besser ist es dann, der Vater holt das Kind am Freitag aus dem Kindergarten oder der Schule und bringt es am Montagmorgen wieder hin - so brauchen sich die beiden geschiedenen Partner nicht zu begegnen und das Kind wird der Spannung zwischen den Eltern nicht ausgesetzt. Oft läuft es besser, wenn Zeit vergangen ist - dann sind wieder neue Regelungen möglich.

- Wenn Sie merken, dass Ihr Kind traurig ist, dann trösten Sie es. Fragen Sie. "Bist du traurig? Fehlt dir der Papa gerade? Komm, ich nehme dich in den Arm." Denken Sie daran, dass Ihr Kind auf seine Art und Weise reagiert.

- Traurigkeit, Wut, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme sind häufige Reaktionen des Kindes. Lassen Sie die Gefühle zu und gehen Sie liebevoll damit um. Wenn es traurig ist, trösten Sie es, wenn es wütend ist, lassen Sie die Wut zu.

- Auch wenn der Vater den Kontakt abbricht: Schimpfen Sie nicht über ihn. Sagen Sie: "Der Papa schafft das jetzt nicht." Stellen Sie klar, dass es das Unvermögen des Vaters ist, wenn er sich nicht kümmert und nicht die Schuld des Kindes: "Schade, dass der Papa nicht mitbekommt, was für ein tolles Kind er hat." Manchmal möchten Kinder nach Jahren, zum Beispiel in der Pubertät, wieder versuchen, Kontakt zu ihrem Vater aufzunehmen: Unterstützen Sie es dabei.

- Zeigen Sie Ihrem Kind Verständnis, aber packen Sie es nicht in Watte. Gisela Appelt: "Die gewohnte Elternposition soll erhalten bleiben. Ein besonderer Schonraum oder besondere Verwöhnung tun dem Kind nicht gut."

- "Beim Papa darf ich das auch!" Ein Kind versteht gut, dass bei Mama andere Regeln gelten als bei Papa. Lassen Sie sich trotzdem nicht gegeneinander ausspielen. Bleiben Sie ruhig und antworten Sie einfach: "Stimmt! Hier ist es aber anders, und das weißt du."

 

Susanne Zehetbauer

KDFB Engagiert-Die Christliche Frau, Ausgabe 7/08

 


Eingestellt: 10.09.08