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Geklaute Kindheit: Es geht nur noch um Schule

Montags will Leonie* nie. "Wie soll ich das schaffen? Der Tag ist so lang", klagt sie schon am Sonntagabend. Der Start in die Schulwoche beginnt häufig mit Tränen, der Bauch schmerzt, manchmal auch der Kopf. Leonie ist zwölf und keine schlechte Schülerin. Sie besucht die siebte Klasse eines Münchner Gymnasiums. Montags ist ihr längster Schultag. Erst um 15.45 Uhr endet der Unterricht für sie. Danach ist sie zwar fix und fertig, aber ein Ende noch nicht in Sicht: Hausaufgaben und Lernen für den nächsten Tag stehen auf dem Programm. "Während der Woche ist sie normalerweise von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends, mit kurzen Unterbrechungen, mit Schule beschäftigt", sagt Daniela Fuchs*, Leonies Mutter. Doch damit ist es nicht getan. Dazu kommen die Wochenenden. Sie werden gebraucht, um Vokabeln zu pauken, für Prüfungen zu lernen und Referate vorzubereiten. "Ich kämpfe wie eine Löwin dafür, einen Tag frei von der Schule zu halten, aber das gelingt uns nicht immer. Das Gymnasium belastet unsere Familie extrem", ist das Fazit von Leonies Mutter. "Freundinnen treffen ist ein Fremdwort. Das geht höchstens mal an einem Freitag oder am Wochenende." Auch die Ferien verdienen nur eingeschränkt diesen Namen, weil häufig gleich in der Woche danach Klassenarbeiten auf dem Programm stehen. Richtig frei, das gibt es bei Familie Fuchs deshalb nur noch im Sommer. "Wir haben es aufgegeben, Pfingsten in den Urlaub zu fahren. Ich habe keine Lust, bei 35 Grad am Strand zu sitzen und mit meiner Tochter Vokabeln zu lernen, so wie das andere Eltern tun. Das ist für mich kein Urlaub", sagt Daniela Fuchs.

 

Unkonzentriert, nervös und überdreht

 

Über die Hälfte der Eltern findet, wie eine Studie des Forsa-Instituts zeigt, dass Schüler heute in hohem Maße durch die Schule gesundheitsschädigendem Stress ausgesetzt sind. So gaben Eltern an, dass ihr Kind infolge von Schulstress unkonzentriert, nervös und überdreht ist. Fast die Hälfte berichtet von Kopf- und Bauchschmerzen. 45 Prozent beobachten, dass das Kind aggressiv wird und 37 Prozent, dass Sohn oder Tochter traurig ist und sich zurückzieht. Ein Viertel der Eltern gibt an, dass die Kinder nicht mehr zur Schule gehen wollen. Ursula Stolberg-Neumann kennt diese Entwicklungen aus ihrer täglichen Arbeit. Die Diplom-Psychologin und Familientherapeutin berät seit vierzehn Jahren SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen bei der Pädagogisch-psychologischen Informations- und Beratungsstelle, kurz pib, in der Erzdiözese München-Freising. "Für viele Gymnasiasten bleibt der Acht-Stunden-Tag ein Traum. Der Schulstress hat deutlich zugenommen. Dazu hat das achtjährige Gymnasium (G8) erheblich beigetragen. Kinder, die am G9 noch eine Chance hatten - vielleicht mit einer Wiederholung in den schwierigen Jahren - fallen im G8 durchs Raster. Schon in der Grundschule hat sich der Stress verschärft, noch bevor überhaupt Übertrittsfragen anstehen", ist ihre Beobachtung. Wenn Schüler in Deutschland Abitur machen, sind ihre Altersgenossen in den meisten anderen Ländern längst Studenten oder in der Berufsausbildung. Damit deutsche Schüler international wettbewerbsfähiger werden, wurde in den vergangenen Jahren beinahe bundesweit das neunjährige Gymnasium auf acht Jahre verkürzt. Schleswig-Holstein strebt die Verkürzung der Schulzeit ab nächstem Schuljahr an. Rheinland-Pfalz will das G8 in Verbindung mit einer Ganztagesschule zunächst nur an ausgewählten Gymnasien umsetzen.

 

Gleicher Stoff, weniger Zeit

 

Proteste als Reaktion auf das G8 und seine in den Augen vieler unausgereifte Umsetzung blieben nicht aus. Eltern und Schüler klagen über zu hohe Arbeitsbelastung und enormen Leistungsdruck. Kritikpunkt ist vor allem, dass hauptsächlich der Stoff verdichtet wurde. Das heißt, das Lernpensum ist das gleiche, nur die Zeit ist knapper. "Faktisch ist ein Ganztagesbetrieb eingeführt worden, ohne dass dafür die nötigen Voraussetzungen geschaffen wurden", beklagt Isabell Zacharias, Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes. "Ich kann nicht verstehen, dass die Zeit für Wiederholungen im Unterricht fehlt. Dass der Stoff oft nicht so erklärt werden kann, dass ihn die Schüler wirklich verstehen. Es bleiben häufig noch Fragen offen, wenn die Kinder nach Hause kommen", sagt Sonja Kugler*, Mutter von Hanna, Sechstklässlerin an einem städtischen Münchner Gymnasium.Dabei haben Hanna und Leonie noch Glück. Ihre Eltern können helfen, kennen den lateinischen Ablativ, den englischen If-Satz, wissen, wie man Brüche kürzt und können sich am Nachmittag die Zeit nehmen, stundenlang Hilfestellung zu geben. "Uns wurde beim ersten Elternabend am Gymnasium gleich gesagt: Ohne Ihre Hilfe schafft Ihr Kind das nicht", erinnert sich Daniela Fuchs. In welchem Ausmaß dies nötig würde, hätte sie sich allerdings nicht träumen lassen. Ob ein Länderkundereferat über Tunesien oder der rechtzeitige Lernstart für die anstehende Mathearbeit, sie ist gefragt. "Bei mir läuft am Nachmittag nichts außer Schule", ist ihr Fazit. "Da ist eine Grenze überschritten. Es ist sicher normal, das Kind beim Schulwechsel zu begleiten, zu helfen, den neuen Schulalltag zu bewältigen, zu zeigen, wie lerne und organisiere ich. Das ist eine unterstützende Funktion der Eltern, die ich für normal halte. Aber es ist viel mehr, was man leisten muss." Wie sehr Schule Eltern mit einplant, geht auch der Vorsitzenden des Bayerischen Elternverbandes zu weit. Isabell Zacharias sieht vor allem darin ein Problem, dass Kinder, deren Eltern diese Unterstützung nicht leisten können, schlechtere Bildungschancen haben. "Wie reagieren Eltern auf die Lücken, die der Unterricht lässt? Sie schicken ihre Kinder in teure Nachhilfe-Institute. Da gehen Millionen drauf im Jahr, und das ist ein Skandal, denn damit versucht man auszugleichen, was der Staat nicht schafft. Das lehne ich ab, weil das ein Privileg von Menschen ist, die Geld haben. Bildung muss für jedermann zugänglich sein und zwar im gleichen Maß", fordert sie. Mehr Schulstress und höherer Leistungsdruck sind Reaktionen auf die Entwicklung der Gesellschaft. Stellen sind rar, Qualifikationen gefragt. Mit der Folge, dass der Druck, einen guten Abschluss zu erhalten, an allen Schularten gewachsen ist. Über 75.000 SchülerInnen sind im letzten Jahr auf der Strecke geblieben. Sie haben die Schule ohne Abschluss verlassen. Zahlen, die Eltern Angst machen. "Die Eltern erfinden den Druck nicht, sie reagieren auf den Arbeitsmarkt. Aber sie geben den Druck häufig an ihre Kinder weiter", sagt Diplom-Psychologin Ursula Stolberg-Neumann. Und zwar nicht erst in den weiterführenden Schulen, sondern auch schon in Klasse eins bis vier.

 

Tränen nach einer Drei

 

Grundschullehrerin Evi Würfl aus Germering im Landkreis Fürstenfeldbruck unterrichtet einen vierten Jahrgang. Das Jahr der Entscheidung: Gymnasium, Realschule oder Hauptschule? Sie erlebt gerade, was alle ihre KollegInnen beobachten. Spätestens ab Weihnachten beginnt für die ViertklässlerInnen der Ernst des Lebens. Der Druck steigt spürbar an. Es beginnt die heiße Phase bis zum Übertrittszeugnis im Mai. "Es ist wirklich so, dass Kinder bei einer Drei in Tränen ausbrechen und denken, jetzt haben sie den Übertritt nicht geschafft", erklärt sie. "Was können wir noch üben?", wollen die Eltern wissen. "Haben Sie noch zusätzliche Arbeitsblätter?", fragen ihre SchülerInnen. "Es kommt in Proben immer wieder vor, dass Kinder unter ihren Möglichkeiten bleiben, weil sie sich zu großen Druck machen. Oft lesen sie die Aufgabenstellung nicht genau." Deshalb rät die Pädagogin: "Langsam lesen, sich klar machen, was man tun muss und das Wichtige unterstreichen. Besser ist es, mit dem zu beginnen, was man gut kann, das gibt Sicherheit." Nicht wenige Kinder bekommen schon in der dritten und vierten Klasse regelmäßig Nachhilfe. Um den Stoff für die Hauptfächer voranzutreiben, muss die Grundschulpädagogin so manche Musik- oder Kunststunde kürzen. Die Kriterien für den Übertritt ins Gymnasium sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Während in Nordrhein-Westfalen letztlich der Elternwille den Ausschlag gibt, muss in Bayern für den problemlosen Übertritt ein Schnitt von 2,33 aus den Fächern Mathematik, Deutsch sowie Heimat- und Sachkunde her.

 

"Länger gemeinsam lernen"

 

Mathematiker oder Maurer, Biologin oder Bürokauffrau, Akademikerin oder arbeitslos? Mit zehn Jahren wird in den meisten deutschen Bundesländern sortiert. Eine Tatsache, die nicht nur im Ausland auf ungläubiges Staunen stößt, sondern auch hierzulande immer mehr Protest hervorruft. "Es ist ein Unding, dass wir bei Zehnjährigen entscheiden, welches Jahreseinkommen sie später einmal haben werden", sagt die Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes, Isabell Zacharias, und plädiert für eine Verlängerung der gemeinsamen Grundschulzeit. Zu viel kann sich noch entwickeln in den folgenden Jahren, so mancher Knoten kann noch platzen. Deutschlandweit gibt es mittlerweile einige Initiativen, die ein längeres gemeinsames Lernen aller Kinder nach skandinavischem Vorbild vorantreiben wollen, so zum Beispiel die Hamburger Initiative "Eine Schule für alle" oder die länderübergreifende Initiative "Länger gemeinsam lernen". Im Kampf um die passenden Noten gerät die Frage der Eignung leicht in den Hintergrund. "Ich würde es sehr ernst nehmen, wenn eine Grundschullehrerin in gutem Kontakt mit den Kindern steht und vom Besuch des Gymnasiums abrät. Sie kennt das Lernverhalten des Kindes in der Regel gut", ist die Erfahrung von Ursula Stolberg-Neumann. Denn wer den Sprung an das Gymnasium wagt, der muss nicht nur die entsprechenden kognitiven Fähigkeiten mitbringen, sondern auch in der Lage sein, strukturiert und ausdauernd zu arbeiten. Eltern sollten mit ihrem Kind im Gespräch bleiben, so dass sie die Neigungen und Begabungen, aber auch das, was Sohn oder Tochter noch nicht so gut kann, möglichst gut kennen. Denn nur dann kann man gemeinsam entscheiden, welcher Weg der richtige ist. "Eltern sollten sich ehrlich fragen: ,Inwieweit muss das Kind so werden, wie ich mir das vorstelle, und inwieweit darf es so werden, wie es ihm entspricht?’ Und das kann dann heißen, dass es vielleicht nach der vierten Klasse nicht ins Gymnasium geht. Wer weiß, was später ist. Natürlich sind Umwege zeitintensiv und kosten Kraft, aber das Ergebnis hat dann auch Hand und Fuß", so die Diplom-Psychologin. Es gibt später immer noch Möglichkeiten, einen höheren Bildungsabschluss zu machen, zum Beispiel an der Berufsoberschule oder an der Fachoberschule. Wer darüber Bescheid weiß, kann Druck von sich nehmen.

 

"Kinder müssen sich über sich selbst freuen können"

 

Auch wenn Schule in vielen Familien zum Hauptthema geworden ist, sollten Eltern darüber eines nicht vergessen, rät Ursula Stolberg-Neumann: "Mein Kind ist nicht nur ein Mensch, der Rechnen, Schreiben und Sachkunde lernt, sondern ein Wesen, in dem ganz viel steckt. Also nicht sagen, du darfst nicht in den Fußballverein, so lange du deine Dreier schreibst, sondern schauen, wo hat mein Kind Erfolg und freut sich über sich selbst. Kinder und Jugendliche müssen sich über sich selbst freuen können." So wie Benedikt. Der 14-Jährige besucht die neunte Klasse des Gymnasiums im oberbayerischen Dorfen. Wenn er auf der Theaterbühne steht und in eine Rolle schlüpft, gibt er alles. Dann vergisst er, dass er 34 Wochenstunden Unterricht zu bewältigen hat, dass Französisch ihm zu schaffen macht, dass in der nächsten Woche zwei Klassenarbeiten anstehen und dass er auch in diesem Schuljahr wieder kämpfen muss, damit es mit der Versetzung klappt. Dann gibt es nur noch seine Rolle und ihn. "Es ist enorm, was er da zu leisten bereit ist", stellt seine Mutter Katharina Dötsch fest. "Da sieht man, was möglich wäre, wenn Schule es anders anpacken würde." In der Theatergruppe an seiner Schule aktiv zu sein, ist ihm wichtig und wiegt so manchen stressigen Schultag auf. Genauso wie das Singen im Schulchor. Viele Sozialkontakte bringen ihm seine Aktivitäten obendrein. "Schüler haben nicht nur immer mehr Stress, sie haben auch immer weniger Ausgleichsmöglichkeiten", ist die Erfahrung von Diplom-Psychologin Ursula Stolberg-Neumann. Denn bei Hobbies wird meist zuerst gestrichen, wenn die Zeit knapp wird. "Dann lassen sie eben die Freizeitaktivitäten weg", war auch der Rat, den Daniela Fuchs bei der Elternsprechstunde erhielt, als sie die hohe zeitliche Belastung ihrer Tochter beklagte. "Dann geht mein Kind unter", war ihre Antwort. Leonie spielt Querflöte und tanzt einmal die Woche Ballett. "Da bringe ich ein kreideweißes Schulkind hin und bekomme ein rotbäckiges Mädchen zurück", sagt ihre Mutter. Dass sie für Leonie damit genau das Richtige tut, davon ist Familientherapeutin Ursula Stolberg-Neumann überzeugt. "Freizeitbeschäftigungen, bei denen sich die Kinder positive Bestätigung holen, sind extrem wichtig für die Entwicklung. Dabei können sie ihren Neigungen, Interessen und Begabungen viel mehr Rechnung tragen als in der Schule." Etwas Neues ausprobieren, herausfinden, was einem liegt - das gehört wesentlich zur Jugend. "Ich erlebe immer wieder, dass eine Freizeitbeschäftigung, bei der sie Erfolge erleben, bei der sie Freude haben auch zusammen mit anderen, bei der ihr ganzes Leben gefragt ist, ganz viel ausgleichen kann von dem, was in der Schule gerade an Frust erlebt wird."

 

Den Problemen auf den Grund gehen

 

Bei Schwierigkeiten in der Schule rät sie Eltern, vorsichtig zu sein mit Vorwürfen und stattdessen sensibel hinzuschauen, was eigentlich los ist. "Häufig ist die Reaktion bei schlechten Noten eine vorwurfsvolle, enttäuschte. Ich behaupte, es gibt kein Kind, auch keinen Jugendlichen, dem schlechte Noten völlig egal sind. In der Regel sind die selbst am meisten enttäuscht und brauchen Trost." Danach könne man gemeinsam überlegen, was man tun kann, wie man helfen kann. Dazu gehört, Ansprechpartner für sein Kind zu bleiben, so dass Veränderungen auch wahrgenommen werden. So kann hinter einer Konzentrationsschwäche ein ganz anderes Problem stecken. "Eine Ursache dafür kann sein, dass man einfach abschaltet, weil man nicht mehr kann. Weil man nicht mehr mitkommt, weil man sowieso schon zweimal nachgefragt hat und es immer noch nicht versteht, weil man langsam resigniert." Dosiert sollte man nach Meinung der Beraterin mit Nachhilfe umgehen. Sie sei dazu da, punktuell Lücken zu schließen, nicht als Dauereinrichtung das ganze Schuljahr durch.

 

Schulstress ist Familienstress

 

Schulstress bedeutet immer Familienstress. Er wirkt sich negativ auf die Beziehungen in der Familie aus. Gemeinsame Zeiten, die man mit etwas Positivem verbringt, können einen Ausgleich bringen. Bei nachhaltigen Problemen sollte man sich aber keinesfalls scheuen, sich an eine Beratungsstelle oder an den Schulpsychologen zu wenden. "Manchmal ist es leichter, von außen draufzuschauen und zu sehen, was passiert eigentlich. Manchmal sehen die Kinder nicht die Möglichkeit, sich zuhause offen zu äußern, was ihnen Stress macht. Zumal, wenn es die Eltern sind, die Druck ausüben. Da braucht es dann Hilfe von außen, damit die Eltern erkennen, dass sie ihre eigenen Wünsche und Erwartungen an ihr Kind - und deren Auswirkungen - hinterfragen sollten", so Stolberg-Neumann.Mütter und Väter sollten bereits das Bemühen ihrer Kinder anerkennen. "Denn viele Kinder bemühen sich sehr und es klappt eben doch nicht so, wie es alle gerne hätten." Das Allerwichtigste, was Eltern tun können, ist für die Psychologin aber: "Dem Kind vermitteln, ,Wir haben dich lieb, so wie du bist, egal wie es in der Schule läuft'. "Das passiert leider manchmal nicht in dieser Form. Die Kinder müssen spüren, die Mama hilft mir, der Papa hilft mir, die lassen mich nicht im Stich. Dann gehen wir eben einen anderen Weg, aber das hat nichts mit mir als Person zu tun." Das gelingt dann, so Stolberg-Neumann, wenn Eltern ihrem Kind das Vertrauen entgegenbringen, dass es seinen Weg machen wird - auch wenn dafür vielleicht Umwege nötig sind. "Auf den Punkt gebracht hat das neulich ein Fünfzehnjähriger in der Beratung, als er sagte: ,Mama, glaub' mir, aus mir wird was.'"

 

Claudia Klement-Rückel

* Namen von der Redaktion geändert

 

Tipps fürs Gespräch zwischen Eltern und Lehrern

Elternabend, Sprechstunde oder ein persönlicher Termin: Damit der Austausch zwischen Eltern und Lehrern konstruktiv wird, sollte man einige Punkte beachten.

- "Entscheidend ist, miteinander ins Gespräch zu kommen, wenn alles gut ist", sagt Isabell Zacharias, Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes, "und zwar regelmäßig und von Anfang an. Wenn man sich erst in einer unguten Situation kennen lernt, macht es das Gespräch deutlich schwieriger."

- Unter Druck sind Eltern oft angriffslustig, das wird dem Lehrer aber nicht gerecht, ist die Erfahrung von Diplom-Psychologin Ursula Stolberg-Neumann. Ihr Rat: "Lassen Sie Lehrer oder Lehrerin erst mal seine oder ihre Sicht der Dinge schildern." Dann können Eltern erklären: "Ich erlebe es so...".

- Erster Ansprechpartner bei Problemen sollte immer der Lehrer oder die Lehrerin selbst sein. Erst danach kann der Gang - falls nötig - noch zum Rektor führen.

- Eltern sollten nicht die ganze Person kritisieren, sondern gezielt das Verhalten, das sie für falsch halten, zum Beispiel: "Ich finde, Sie geben zu viele Hausaufgaben auf." Hilfreich ist es, sich auf das Gespräch vorzubereiten.

- Auf Augenhöhe bleiben: Eltern und Lehrer sind beide Experten, wenn es um ein Kind geht. Die Eltern können schildern, wie sie es zuhause erleben, die Lehrer kennen das Verhalten in der Schule. Der Austausch kann für beide Seiten ganz neue Einsichten bringen und so vielleicht zur Lösung eines Problems beitragen.

- Jugendliche kann man durchaus ermuntern, zunächst selbst mit dem Lehrer und dann gegebenenfalls mit dem Fachbetreuer zu sprechen. Auch gemeinsam mit dem Kind ein Gespräch mit dem Lehrer oder der Lehrerin zu führen, kann weiterbringen.

- Eltern dürfen ihre Kritik an die LehrerIn bringen. Genauso wenig ist es aber verboten, Anerkennung zu äußern, zum Beispiel, wenn dem Kind der Unterricht Spaß macht.

 

ckr

KDFB Engagiert-Die Christliche Frau, Ausgabe 3/2008 


Eingestellt: 13.05.08