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Titelbild 5/2017

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Mentoring-Projekt: Kirche fördert Frauen

Eva-Maria Dech (links) mit ihrer Mentorin Angela Thelen

Mehr Frauen in Leitungspositionen der katholischen Kirche – das haben die deutschen Bischöfe beschlossen. Zusammen mit dem Hildegardis-Verein qualifizieren sie weibliche Nachwuchskräfte. Der erste Kurs steht kurz vor dem Abschluss.

 

 Der Anstoß zu dem Förderprogramm kam von der Deutschen Bischofskonferenz und vom Hildegardis-Verein. Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung 2013 in Trier verpflichteten sich die Bischöfe nach einem Studientag mit dem Thema „Das Zusammenwirken von Frauen und Männern im Dienst und Leben der Kirche“, den Anteil der Frauen in kirchlichen Leitungspositionen deutlich zu erhöhen. „Wir erwarten positive Folgen für Leben und Dienst der Kirche, wenn vermehrt Führungspositionen und Leitungsaufgaben von Frauen wahrgenommen werden“, heißt es in der Abschlusserklärung. „Die Kirche kann es sich nicht leisten, auf die Kompetenzen und Charismen von Frauen zu verzichten.“ Ob die Absichtserklärung Früchte trägt, das soll im nächsten Jahr erneut überprüft werden.

 

Erfahrene Führungskräfte geben ihr Wissen weiter

 

Um dieser Selbstverpflichtung konkrete Taten folgen zu lassen, hat der Hildegardis-Verein, der schon seit 1907 studierende Katholikinnen fördert, zusammen mit den Bistümern ein Programm entwickelt, das Frauen für Führungsaufgaben qualifizieren, sie vernetzen und sichtbar machen soll. „Wir haben als Instrument das Mentoring ausgewählt, weil das einerseits eine individuelle Förderung möglich macht, gleichzeitig aber auch in die Organisation hinein wirkt und dort die Arbeitskultur verändert“, berichtet Geschäftsführerin Birgit Mock. Mentoring – das bedeutet, dass eine erfahrene Führungskraft (Mentorin oder Mentor) in der individuellen Begleitung ihr Erfahrungswissen an eine jüngere Nachwuchskraft (Mentee) weitergibt. Ziel ist es, die Mentees bei ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu unterstützen. Die Paare nennt man „Tandems“. 

 

Vierzehn Bistümer machen mit

 

Im vergangenen Sommer ist das Projekt „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ angelaufen. Die vierzehn beteiligten Bistümer haben die 40 Mentees selbst ausgewählt und dabei auf Kriterien des Hildegardis-Vereins zurückgegriffen. „Die Ausgangslagen in den Bistümern sind sehr unterschiedlich“, stellt Manuela Weinhardt-Franz fest. Die Gleichstellungsbeauftragte im Generalvikariat des Bistums Hildesheim vertritt das Bistum in der Projektsteuerungsgruppe. „In einigen Bistümern gibt es jahrelange Erfahrung in der Personalentwicklung oder im Bereich Gleichstellung, wohingegen andere Bistümer erst durch das Programm den Einstieg in konkrete Fragen der Frauenförderung erhalten haben. Unabhängig von der jeweiligen Ausgangslage brachte und bringt das Mentoring-Programm vielfältige neue Impulse und Lernerfahrungen in die Bistümer, wofür die Beteiligten sehr dankbar sind.“

Ein Jahr lang arbeiten in zwei Gruppen jeweils zwanzig Tandems zusammen. Herzstück des Programms sind regelmäßige Gesprächs- und Austauschtreffen im Tandem. Darüber hinaus gibt es drei Seminare für die gesamte Gruppe. Jede Mentee muss zudem ein Praxis-Projekt entwickeln, in dem sie ihre Leitungskompetenz einbringen und weiterentwickeln kann.

 

Die eigenen Fragen an der richtigen Adresse loswerden

 

Eine der Mentees ist Eva-Maria Dech, Gemeindereferentin und seit zwanzig Jahren im Bistum Trier tätig. Schon der Titel „Frauen steigen auf“ weckte bei ihr die Lust auf das Projekt, hatte sie doch schon einige Erfahrungen in der Gemeindeleitung sammeln können. „Dieses Mentoring-Programm bot mir die Chance, meine Erfahrungen zu überprüfen, weiterzuentwickeln und damit zu schauen, inwieweit das ‚Leitungsgeschäft‘ wirklich meins ist oder werden kann“, erzählt sie. Sie weiß jedoch auch, wie schwierig es ist, als Frau in der Kirche überhaupt in eine Leitungsposition hineinzukommen. „Ich sehe da einen Unterschied zwischen der Bischöflichen Behörde und deren Dienststellen gegenüber der Pastoral. In der Pastoral ist die Leitungsfunktion (meist) mit der Weihe verbunden. Und da Frauen in der katholischen Kirche davon ausgeschlossen sind, bleiben an einer bestimmten Stelle die Türen dann auch für die Leitungsfunktion zu“, so die Erfahrung der Pastoralreferentin. Anders sehe es im Bischöflichen Generalvikariat oder beim Caritasverband aus. „Da ist der Frauenanteil in Leitungsstellen im Aufwind. Wir im Bistum Trier haben immerhin nun drei Direktionsämter, die ja zur engeren Bistumsleitung gehören, mit Frauen besetzt. Das ist schon klasse – und in der Pastoral wünsche ich mir das auch.“

Begleitet wird Eva-Maria Dech von Angela Thelen, Leiterin der Abteilung Kindertageseinrichtungen im Diözesan-Caritasverband. Die gemeinsamen Treffen bringen der Mentee viel. „Vor allem die Gespräche mit meiner Mentorin. Wir treffen uns alle sechs Wochen, und ich habe damit die Chance, einer erfahrenen Leitungsfrau sämtliche Fragen zu stellen, die mir in Bezug auf Leitung in den Sinn kommen. Es ermöglicht mir eine Reflexion, die ich vermutlich sonst nicht mehr so erhalten werde.“

 

Beide Seiten profitieren

 

Nicht nur die Mentees bringt das Projekt persönlich weiter, sondern auch die MentorInnen. „Beim Mentoring profitieren beide Seiten: Als Mentorin kann ich jemanden unterstützen, aber im Austausch lerne ich auch die Perspektiven der Mentee kennen, ihre Erfahrungen, ihre Sichtweise auf die Dinge. Das ist sehr bereichernd und interessant“, betont Sandra Krump, seit 2011 Ordinariatsdirektorin für den Bereich Bildung im Erzbistum München. „Das Mentoring hat für mich auch etwas mit Solidarität zu tun: Dass man sich nicht in sich selbst abschließt, keinen Tunnelblick entwickelt, sondern offen für andere ist.“

 

Deshalb unterstützt sie auch als Mentorin das Projekt. Um mehr Frauen in Leitungspositionen zu bringen, müssen diese erst mal zur Verfügung stehen. „Zuerst muss man sicher schauen, in welchen Bereichen der Kirche es überhaupt Frauen in einer nennenswerten Anzahl als Mitarbeiterinnen gibt und in welchen Bereichen wir verstärkt Frauen als Mitarbeiterinnen gewinnen können“, sagt Sandra Krump. „Ob diese Frauen dann Führungspositionen erreichen, hängt davon ab, ob sie gefördert werden und ob beide Seiten – die Vorgesetzten und die Frauen – den Weg in die Führungsposition wirklich wollen.“ 

 

Sich über die eigene Rolle klar werden

 

Ihrer Mentee möchte sie vermitteln, was es bedeutet, Führungsqualität zu entwickeln. „Gut ist es, wenn man die Balance zwischen den großen Zielen, dem großen Auftrag auf der einen Seite und realistischen, ganz konkreten Zielen und Vorhaben auf der anderen Seite halten kann. Sehr hilfreich ist es auch, wenn man eine Klarheit über die eigene Rolle besitzt. Fast am wichtigsten finde ich aber, dass man die Menschen wirklich mag, dass man ihnen mit Zuneigung begegnet und zugleich auch mit großer Klarheit, das schließt Konfliktfähigkeit mit ein.“ 

„Kirche im Mentoring“ kommt bei den Beteiligten gut an, das zeigen die Rückmeldungen. Auch die Bistümer sind überzeugt, dass es ein guter Weg ist. „Besonders schätzen sie den guten Support, den das Team des Hildegardis-Vereins bietet, sowie die Möglichkeit, das Projekt an die Gegebenheiten des jeweiligen Bistums anpassen zu können“, so Manuela Weinhardt-Franz. „Mitsprache und Mitentscheidung stehen beim Programm an oberster Stelle, sodass keine vorgefertigten Lösungen übergestülpt werden.“

Für Eva-Maria Dech ist das Förderprogramm jetzt schon ein persönlicher Gewinn – egal, wie es für sie weitergeht. „Die Form des Mentorings ist ein richtig gutes Instrument. Lernen mit einer erfahrenen Mentorin an der Seite – besser gehts nicht. Ich hoffe sehr, dass es noch mehrere Auflagen dieses Programmes geben wird und dass die Bistümer viele Frauen in ihren Reihen motivieren können, sich darauf zu bewerben. Es lohnt sich!“

Weitere Informationen zum Programm unter www.kirche-im-mentoring.de.

Gabriele Klöckner


Eingestellt: 1.06.17

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