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Titelbild 12/2017

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Die Krippen-Botschafterin

Annette Krauß ist zweite Vorsitzende der Münchner Krippenfreunde. Foto: privat

Herbergssuche mit Flüchtling, Foto: Krauß

Annette Krauß aus München gestaltet das ganze Jahr über biblische Szenen und Heiligengeschichten in zwei Kirchen.

Es war ein regelrechtes Lazarett von Krippenfiguren, das ihr der Mesner der Münchner Ursula-Kirche vor zehn Jahren zeigte. Abgebröckelte Figuren aus Gipsmasse und eine große Schublade mit geschnitzten Armen, Beinen und Köpfen. Annette Krauß war bei den Gipsfiguren schnell klar, dass es sich um Kunst handelte. Die von Sebastian Osterrieder stammenden Figuren sind mittlerweile durch die Unterstützung vieler Gemeindemitglieder restauriert und schmücken in der Weihnachtszeit die Kirche. Aus den anderen Figuren wurde eine Art Zweitberuf für die evangelische Kunsthistorikerin und Kulturjournalistin: Krippenbauerin. „Ich sah, dass man mit diesen Figuren sehr gut biblische Geschichten darstellen kann. So wurde unsere Jahreskrippe geboren.“

Geschichten aus der Bibel lebendig werden lassen

Jahreskrippen, die das ganze Jahr über den Gläubigen die Texte der Bibel und Heiligenlegenden näherbringen, sind eine Münchner Spezialität. 30 Jahreskrippen gibt es in der Stadt. Die Bekannteste steht in der Bürgersaalkirche, auch sie wird von Annette Krauß in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Maximilian Gumpp bestückt. 

Für die detailgetreuen Szenen, die sie als „gefrorenes Theater“ beschreibt, ist Krauß ständig auf der Suche: ein kleines geschliffenes Glasfläschchen für die Frau, die Jesus salbt. Winzige Metallhelme für die Köpfe der römischen Soldaten. 

Winzige Metallhelme und ein Miniatur-Garten für Hildegard von Bingen

In einem Raum der Pfarrgemeinde sind Regale mit den unterschiedlichsten Utensilien und Hintergründen gefüllt. Einen winzigen Garten aus getrockneten Blumen hat die Krippenbauerin für die Darstellung der Hildegard von Bingen gestaltet. „Ich habe Blumen getrocknet, in Beeten angeordnet und bunt bemalt“, erklärt Annette Krauß, die auch zweite Vorsitzende der Münchner Krippenfreunde ist. Wochenlang überlegt sie, wie sie das kommende Thema umsetzen wird. Der eigentliche Aufbau dauert mehrere Stunden. „Das ist meine Art von Meditation. Ich bin dann voll in der Szene, habe vorher nachgelesen, welche Tageszeit und Stimmung herrscht, wie viele Personen vorkommen. An Himmelfahrt beispielsweise fehlt Judas, da kann ich nicht zwölf Apostel darstellen.“ 

Zum Patrozinium der Kirche stellt sie die heilige Ursula dar. Der Legende nach reiste diese mit ihren Gefährtinnen in einem Boot auf dem Rhein von einer Pilgerfahrt nach Köln zurück und starb dort den Märtyrertod. „Das übervolle kleine Boot mit den Frauen in Not ist auch ein Bild unserer Gegenwart“, sagt Annette Krauß.

Krippen mit politischen Botschaften

Wenn sie über Krippen spricht, dann wird es auch politisch. Sie greift die Themen der Zeit auf, schafft in kleinen Querbezügen den Verweis auf die Jetztzeit. Wie der Flüchtling mit der Plastiktüte, der bei der Herbergssuche durch die Szene läuft. So wird deutlich, das sind keine idyllischen Darstellungen. „Das hat etwas mit unserem Leben zu tun.“ 

Wenn die Glasscheibe vor der Krippe viele kleine Nasen- und Handabdrücke trägt, dann weiß sie: Die Krippendarstellungen kommen auch bei den jüngsten Kirchenbesuchern gut an. Bei ihr selbst war es ein Pfarrer, der im Kindergottesdienst die Bibelgeschichten so spannend erzählte, dass sie jeden Sonntag wiederkam. „Er hat das Fundament für mein Leben gelegt.“

Autorin: Claudia Klement-Rückel
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 12/2017


Eingestellt: 30.11.17

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