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Titelbild 11/2017

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Töne, die zur Stille führen

Jutta Weber, Foto: privat

Meditation mit Klangschalen

Es geht nur noch selten ohne sie – Klangschalen ertönen bei Besinnungstagen, Exerzitien oder im Kindergottesdienst der Pfarrgemeinde. Immer, wenn eine Gruppe still wird und zu meditieren beginnt, geben sie das Zeichen.

Langsam entsteht in der Runde der Meditierenden eine konzentrierte Stille. Die Pastoralreferentin von St. Franziskus in Neufahrn bei München, Christina Brandl-Bommer, bittet die TeilnehmerInnen, ihren Atem wahrzunehmen, und leitet sie an, aufmerksam in alle Teile ihres Körpers zu spüren. Einmal im Monat trifft sich der offene Kreis, um unter dem Motto „Zeit für Gott – Zeit für mich“ zur Stille zu kommen. Damit das gelingt, holt sich Christina Brandl-Bommer immer wieder die Unterstützung der Klangschalenspielerin Jutta Weber. „Bei der Verwendung von Klangschalen gibt es wenige, einfache Grundregeln“, erläutert die begeisterte Laienmusikerin, die sich für den Einsatz von Klangschalen ausbilden ließ. „Je tiefer der Ton, desto mehr erdet der Klang. Mittlere Töne wirken befreiend auf Herz und Brust und hohe öffnen den Geist. Die Klangfolge von tief nach hoch wirkt aufbauend.“ An diese Regeln hält sich Jutta Weber, wenn sie die Meditationstexte des Abends begleitet. Immer nur kurze Abschnitte werden vorgelesen, dann spielt sie die Klangschalen an. „Den Menschen fällt es beim Lauschen auf die Töne viel leichter, den Alltag loszulassen“, weiß Jutta Weber. „Ich bin überzeugt, dass ein Text, der in kurze Abschnitte aufgeteilt ist und nur ganz allmählich aufgenommen werden muss, viel tiefer verstanden werden kann.“ 

Der Gong: ein Klang, so mächtig wie die Orgel

Wie stark Töne wirken können, hat sie beim Einsatz eines Monochords während einer Meditation erfahren. Monochorde sind längliche Resonanzkörper, die mit vielen gleich langen und auf den gleichen Ton gestimmten Saiten bespannt sind. Beim Anspielen entstehen sphärisch klingede Obertöne. Jutta Weber stellte einmal ihr Monochord auf einen Holzboden. „Der Füllboden darunter nahm die Schwingungen auf und verstärkte die Resonanz. Eine Frau, die gerade um einen lieben Menschen trauerte, wurde dadurch so sehr aufgewühlt, dass sie den Raum verlassen musste.“ Seitdem ist Jutta Weber noch vorsichtiger beim Einsatz von Tönen. „Ich bin sehr achtsam mit dem, was ich tue, erspüre ständig die Atmosphäre im Raum und gehe behutsam mit dem großen Gong um.“ Für sie ist ein Gong ein mächtiges Instrument, ähnlich kraftvoll wie eine Orgel. „Da kann man nicht einfach losspielen!“, ist sie überzeugt. 

Das Wichtigste für Jutta Weber ist, dass der Klang der Schalen in die Stille führt. „Wenn die obertonreichen Klänge immer leiser werden, führen uns die schließlich verschwebenden Töne in den inneren Raum der Stille. Das ist vor allem für die Meditationen wertvoll.“ Aber nicht nur das erzeugt eine wohltuende Wirkung. „Die Klänge verbinden uns in der Gruppe untereinander. In der Zeit der Stille entsteht ein Gefühl, gemeinsam getragen zu werden.“ 

Reizüberflutete sehnen sich nach Stille

Dass in Europa Klangschalen beliebt sind, sieht Jutta Weber in der Sehnsucht des reizüberfluteten Menschen nach Stille begründet. Urprünglich sind Klangschalen im östlichen Kulturbereich wie Japan, China, Thailand und dem Himalajagebiet beheimatet. „Dem Ton eine Form zu geben und die formende Wirkung des Tons für Harmonie und Gesundheit zu nutzen, ist ein Urbedürfnis des Menschen. Meist werden Klangschalen zur Meditation angewendet. Ihr gezielter Ton soll innere Klarheit bringen“, erläutert Peter Hess, der seit den 1960er-Jahren zu Klangschalen forscht und in Bruchhausen-Vilsen bei Bremen ein Lehrinstitut aufgebaut hat. Allerdings kann er trotz jahrelanger Nachforschungen, zahlreicher Reisen nach Nepal und Indien sowie Besuchen von Klöstern keine eindeutige Aussage über ihre rituelle Anwendung machen. Gesichert ist wohl, dass im Zen-Buddhismus Gongs verwendet werden, um die Rezitation von Texten mit dem Anschlagen zu begleiten oder anzuzeigen, dass eine Meditationszeit beginnt oder endet.

Für den katholischen Bereich sieht Jutta Weber in der Verwendung von Klangschalen bei Meditationen eine große Chance für die Kirche, denn sie könne damit Menschen erreichen, die nach anderen Formen des Glaubens suchen.

Autorin: Anne Granda
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 11/2017


Eingestellt: 24.10.17

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