KDFB

Social-Media-Begleiterin

Helga Schlegel ebnet Senioren und Seniorinnen den Weg durch die digitale Welt. Foto: Klement-Rückel

Sie kann sich noch gut erinnern, wie es ist, wenn die Welt um einen herum plötzlich anders tickt. Als Helga Schlegel Anfang der 90er-Jahre aus der Erziehungszeit in die Berufswelt zurückkehrt, haben die Computer zwischenzeitlich Einzug in die Büros gehalten. An jedem Arbeitsplatz steht – anders als vor ihrer Familienauszeit – ein PC. Lange hadern liegt ihr nicht. Die Buchhalterin aus dem Augsburger Stadtteil Firnhaberau arbeitet sich ein.

Wer nicht online ist, wird schnell abgehängt

Auch aufgrund dieser Erfahrung kann die quirlige 64-Jährige heute gut nachvollziehen, wie es SeniorInnen ergeht, die in ihrer aktiven Berufszeit nicht mit dem Computer zu tun hatten und ihren Alltag dennoch kaum mehr ohne ihn gestalten können. Wer nicht online ist, wird schnell abgehängt. Terminvergaben an Ämtern, Ticketbestellungen oder einfach fundierte Informationen zu einem Thema suchen, das einen gerade bewegt – ohne Internet ist das schwierig. Eine Antwort darauf gibt der Frauenbund in Augsburg mit seinem Projekt „Voll im Leben“. Die Idee dahinter: Eine ausgebildete Social-Media-Begleiterin kann von SeniorInnen angefordert werden und kommt zu diesen nach Hause. Bei insgesamt zehn Treffen kann sie so gezielt auf die Fragestellungen ihres Gegenübers eingehen und den Weg ins weltweite Netz ebnen.

Helga Schlegel ist eine Traumbesetzung für das Projekt

Zu Helga Schlegel will das Wort Ruhestand nicht so recht passen. Die Lust auf Neues hat sich die Frauenbundfrau erhalten. Als sie kurz nach dem Rentenstart in ihrem Zweigverein erfährt, dass der Diözesanverband Frauen sucht, die SeniorInnen vermitteln, wie man sich in der Welt des Internets zurechtfindet, wird sie hellhörig. „Ich habe mir sofort gedacht, das könnte etwas für mich sein. Ich bin gerne unterwegs, komme gerne mit Menschen in Kontakt und kenne mich mit den Neuen Medien aus.“ Eine Traumbesetzung sozusagen für das Projekt „Voll im Leben“.

Drei ganze Tage dauert die Schulung, die Helga Schlegel gemeinsam mit sieben anderen Frauen zwischen 45 und 70 Jahren an der Universität Ulm besucht. „Ich bin keine Lehrerin, aber man hat mir dort viel Mut gemacht für die neue Aufgabe“, sagt sie. Ein Mann und drei Frauen haben inzwischen von ihrer Begleitung in die digitale Welt profitiert. KDFB-Referentin Maria Hierl vom Diözesanverband Augsburg vermittelt den Kontakt zwischen Ratsuchenden und Begleiterinnen.

Die Besonderheit dabei: Da die Social-Media-Begleiterin einen Hausbesuch abstattet, kann sie am eigenen Gerät der Seniorin oder des Seniors Lösungen für offene Fragen finden und alles genau erklären. Wenn Helga Schlegel über die Schulter schaut, wie ihre SchülerInnen die Maus bewegen, kann sie auf jeden einzelnen Schritt eingehen. „Oft ist es eine Kleinigkeit, wegen der jemand nicht weiterkommt. Manchmal ist die Scheu auch groß zu klicken, weil man denkt, man könnte etwas falsch machen.“ Dann ist Ermutigung gefragt. „Solange jemand keine Bankdaten eingibt, kann man vieles ausprobieren.“

Autorin: Claudia Klement-Rückel
aus: KDFB Engagiert 4/2019