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Mehr Frauen in die Rathäuser

Bürgermeisterin im niederbayerischen Hauzenberg: Gudrun Donaubauer. Foto: privat

Was muss eine Frau mitbringen, um Stadträtin zu werden – oder gar Bürgermeisterin? Gudrun Donaubauer aus dem niederbayerischen Hauzenberg gibt Auskunft.

Gudrun Donaubauer weiß, was es heißt, sich als Frau in kommunalpolitischen Gremien zu behaupten. Seit acht Jahren steht sie als Bürgermeisterin an der Spitze eines männlich geprägten Stadtrats. Bei den Sitzungen im Rathaus treffen regelmäßig vier Frauen auf 21 Männer. Ein Missverhältnis, findet die 54-Jährige: „Das kann nicht richtig sein. 50 Prozent der Bevölkerung sind weiblich. Und nicht 15 Prozent wie in unserem Stadtrat. Da fehlt die eine Hälfte, ihre Aspekte, Herangehensweisen, Verhaltensweisen.“

Chance für entschlossene Frauen: Kommunalwahl in Bayern 2020

Mehr Frauen in die Rathäuser zu wählen: Das ist in Bayern am 15. März 2020 bei den Kommunalwahlen möglich. Eine Chance für entschlossene Frauen, ihren Namen, ihre Energie, ihren Willen in die Waagschale zu werfen und für ein kommunalpolitisches Amt zu kandidieren. Gudrun Donaubauer erläutert, was eine Frau im Vorfeld überlegen sollte. „Es sind drei Komponenten zu bedenken: die zeitliche, die inhaltliche und die emotionale“, sagt sie.

Klar ist: Ein Mandat braucht Zeit. Das ist die Grundvoraussetzung für eine Kandidatur. Und Gudrun Donaubauer rät, sich genau zu überlegen, wo man die Prioritäten in der eigenen Lebensplanung setzt. „Was die inhaltliche Komponente betrifft, das kann jede Frau so gut wie ein Mann“, ist die Bürgermeisterin überzeugt. Frauen würden sich viel zu oft fragen, ob sie einem Amt inhaltlich gewachsen seien. „Sie sollten viel selbstbewusster und mutiger auftreten“, sagt Donaubauer. „Frauen bringen einen Erfahrungsschatz ein, sie haben andere Vorstellungen, wie ihre Kommune aussehen soll. Und ihre Aspekte fehlen sonst in der Diskussion im Stadtrat.“

"Jeder, der den Kopf aus der Masse rausstreckt, kriegt ab und zu eine Klatsche ab“

Bleibt noch die emotionale Komponente. „Ein politisches Mandat ist nicht immer mit Ehre und Anerkennung verbunden“, stellt die Bürgermeisterin klar. „Man ist manchmal der Depp für alles“, sagt sie mit Blick auf die sozialen Medien. Für Frauen, die sich lange ehrenamtlich engagiert haben, könnten negative Reaktionen eine unangenehme Erfahrung sein. „Denn Ehrenamt heißt doch, für alle da zu sein. Als Stadträtin oder Bürgermeisterin aber kann man nicht Everybody‘s Darling sein. Und man muss gewahr sein: Jeder, der den Kopf aus der Masse rausstreckt, kriegt ab und zu eine Klatsche ab.“ Es gelte zu lernen, damit umzugehen. Besonders wichtig sei der Rückhalt beim Partner, in der Familie, im Freundeskreis. „Von Zeit zu Zeit gönne ich mir auch ein professionelles Coaching“, sagt Donaubauer.

Bereut hat sie es dennoch nie, für das Amt der Bürgermeisterin kandidiert zu haben. „Es bietet die Möglichkeit, selbst zu gestalten, nicht nur das bauliche Umfeld, in dem man lebt, sondern auch Einfluss auf die Lebensqualität zu nehmen. „Es ist eine spannende Aufgabe, manchmal zum Haareraufen, oft mit Verletzungen verbunden, aber es lohnt sich.“

Als Bürgermeisterin arbeitet Gudrun Donaubauer parteiübergreifend

Für ihre Aufgabe brachte Gudrun Donaubauer hervorragende Qualifikationen mit: Die Diplom-Geografin betrieb bis zu ihrer Wahl 2012 ein Büro für Kommunal- und Regionalentwicklung. Das heißt, sie beriet Stadt- und Gemeinderäte bei der Gestaltung von Lebensräumen. Sie sieht ihr Amt nicht als politisches Sprungbrett in die große Politik, sondern als berufliche Fortentwicklung. Ein Wechsel von der Berater- auf die Macherseite. „Die Themen auf kommunaler Ebene erklären sich aus der Sache heraus und haben mit einer Parteizugehörigkeit nichts zu tun“, stellt sie klar. Deshalb beharrt sie darauf, parteifrei zu bleiben und parteiübergreifend zu arbeiten.

Gudrun Donaubauer war 47, als sie als Bürgermeisterin antrat, ohne je vorher ein politisches Mandat innegehabt zu haben. „Man kann es auch früher angehen“, ist sie überzeugt und verweist auf jüngere Kolleginnen, die sie bei einem Bürgermeisterinnentreffen kennengelernt hat. „Ihre Berichte zeigen, dass es gelingt, Amt und Familie unter einen Hut zu bringen. Männer haben ja eigentlich die gleiche Herausforderung.“  

   
Autorin: Eva-Maria Gras
Aus: KDFB engagiert 7/2019