KDFB

Landbesitz – das heißt Verantwortung

Christa Reiterer, Vorsitzende der Bayerischen Landfrauenvereinigung des KDFB, erläutert, was Landbesitz in bäuerlicher Hand heute bedeutet.

 

KDFB engagiert: Sie bewirtschaften selbst mit Ihrer Familie einen Bauernhof in Niederbayern. Was bedeutet Landbesitz für Sie?

Christa Reiterer: Für uns Landwirte ist Grund und Boden unsere Lebensgrundlage. Wir sind darauf angewiesen, mit dem Boden zu wirtschaften, etwa indem wir unsere Wiesen für die Tierhaltung oder Felder für den Anbau von Getreide oder Gemüse nutzen. Wer als Landwirt Boden bewirtschaftet – als Eigentümer oder Pächter – ist verpflichtet, nach guter fachlicher Praxis zu handeln. Egal wie groß die bewirtschaftete Fläche ist, der Landwirt handelt als freier Unternehmer, muss sich dabei aber an zahlreiche staatliche Vorgaben halten. Die staatlichen Vorgaben sind festgeschrieben in verschiedenen Bewirtschaftungs- und Kulturlandschaftsprogrammen. Manche Vorgaben sind freiwillig, so kann der Landwirt beispielsweise Zuschüsse der EU erhalten, wenn er sich an bestimmte Einschränkungen hält. 

 

KDFB engagiert: Welche Rolle spielt das Prinzip der Nachhaltigkeit für Ihren Betrieb?

Christa Reiterer: Wir Landwirte sind schon durch die Erbfolge angehalten, auf Nachhaltigkeit zu achten. Jeder Bauer, jede Bäuerin will den ererbten Betrieb mindestens so gut an den Nachfolger oder die Nachfolgerin übergeben, wie er oder sie ihn erhalten hat. Wir verschlampen einen Betrieb nicht, vor allem nicht den Boden, denn der Nachfolgende hätte dadurch einen erschwerten Start. Gerade junge Landwirte schauen heute schon sehr genau darauf, in welchem Zustand sie einen Betrieb erben. In manchen Ländern, beispielsweise in Dänemark, ist es so, dass landwirtschaftlicher Grund nicht vererbt wird, sondern der Nachfolger die Flächen dem Vorbesitzer abkaufen muss, auch wenn die Vorbesitzer seine Eltern sind. 

 

KDFB engagiert: Welche Umstände erschweren Ihnen die Bewirtschaftung von Flächen?

Christa Reiterer: Immer neue und oft nicht praxisgerechte Vorschriften von staatlicher Seite erschweren die Bewirtschaftung unnötig und zwingen gerade kleinere bäuerliche Betriebe zur Aufgabe. Wird ein Betrieb aufgegeben, ist die Gefahr groß, dass er in Hände kommt, die auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind und nicht in erster Linie den Erhalt von Grund und Boden als Ziel hat. Deshalb müssen wir bestrebt sein, so viele bäuerliche Betriebe zu erhalten wie möglich. 

 

KDFB engagiert: Warum verschwindet so viel landwirtschaftliche Fläche?

Christa Reiterer: Ein großer Teil landwirtschaftlicher Fläche wird durch die Vorschrift, Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen zu schaffen, aus der Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln genommen.

 

KDFB engagiert: Wodurch fühlen Sie sich in der Bewirtschaftung besonders eingeschränkt?

Christa Reiterer: Maßnahmen wie Straßenbau, die Ausweisung von Gewerbeflächen, die Überspannung von Grundstücken mit Stromtrassen oder unterirdische Maßnahmen wie der Bau von Kanälen greifen immer in die Besitzverhältnisse des Landwirts ein und schränken sein Eigentumsrecht ein. Ein Beispiel: Wir haben einen Mastbetrieb für Kalbinnen. Es wäre schön, wenn wir die Kalbinnen auf die Weide lassen könnten. Aber unsere Grundstücke werden von einer Bundesstraße durchquert. Die Gefahr ist groß, dass der Straßenverkehr auf dieser Bundesstraße durch Tiere gestört werden könnte. Ein Zaun ist von den Tieren schnell durchbrochen. Es gibt auch Menschen, die Zäune öffnen, um Tieren vermeintlich die Freiheit zu geben oder über das Gelände zu joggen.

 

KDFB engagiert: Was wünschen Sie sich von den Nicht-Landwirten?

Christa Reiterer: Mehr Respekt vor Privatbesitz. Viele halten das Land für Allgemeineigentum. Aber das trifft nicht zu. In der Regel hat jede Fläche, vor allem landwirtschaftlich genutzte, einen Eigentümer. Viele Menschen führen sich auf, als würden diese Flächen ihnen gehören. Es werden Wiesen durch Abfall und Hundekot verschmutzt. Es werden großen Mengen an Früchten vom Feld geklaut. Bei uns wird viel Gemüse angebaut, da fahren manche mit Autos vor, machen den Kofferraum auf und laden das Gemüse ein. Andere wiederum dringen in Obstgärten ein. Warum nicht den Landwirt fragen, ob man etwas mitnehmen darf?

 

Interview: Eva-Maria Gras
Foto: Barbara Meier de Florez

 

Tipp: Unter dem Titel „Wem gehört das Land – eine Frage der Gerechtigkeit?!“ veranstaltet der Frauenbund ein Seminar. Darin wird die Brisanz von Landnutzungskonflikten beleuchtet. Außerdem werden Themen wie Bodenspekulation und Landraub weltweit diskutiert. Das Seminar knüpft an die KDFB-Kampagne „bewegen!“ an und widmet sich dem Kampagnenschwerpunkt „Verantwortung für die Schöpfung“.  Es findet von 9. bis 10. Juni 2021 in Freising statt. Mehr Informationen ab Mitte Oktober 2020 unter www.bildungswerk-kdfb-bayern.de