KDFB

Kirche – nur anders

Spirituelle Erneuerung auf dem Land geht von den Frauen aus. Das zeigt das Projekt „Kirche anders. Frau- enkirche im ländlichen Raum“ der Landfrauenvereinigung des KDFB in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Luftballons schweben durch den Kirchenraum. Die Frauen in den Kirchenbänken strecken ihre Hände nach oben und geben den bunten Kugeln einen kleinen Stoß. Der katapultiert die Ballons weit in die Luft. Die Bewegung strahlt Leichtigkeit aus, und das genau soll sie auch: In diesem besonderen Gottesdienst geht es um die Leichtigkeit des Lebens. Das spricht viele Frauen an. „Die Frauengottesdienste bereichern mein Leben und sie vertiefen meinen Glauben“, sagt Gabi Ilg aus Meckenbeuren im Bodenseekreis. Die reguläre Liturgie in Gottesdiensten empfindet sie oft als zu nüchtern und starr. Deshalb engagiert sich die stellvertretende Diözesanvorsitzende des KDFB in der Diözese Rottenburg-Stuttgart für das Projekt „Kirche anders. Frauenkirche im ländlichen Raum“.

Das Projekt zielt darauf ab, Frauen eine ganzheitliche Liturgie anzubieten.

Die Frauen sollen sich persönlich angesprochen fühlen und motiviert werden, sich mit ihren Glaubens-, Sinn- und Lebensfragen untereinander aktiv auszutauschen. Ausschließlich weibliche Vorbereitungsteams erarbeiten eigenverantwortlich und selbstständig Themen, Inhalte und Formen freierer Wortgottesdienste ohne feste Liturgie-Vorlage und Hierarchie. Sie achten auf eine möglichst starke Einbeziehung und Selbstbeteiligung der Gottesdienstbesucher*innen. Die Talente von Frauen vor Ort, zum Beispiel von Künstlerinnen, werden gezielt genutzt und machen die Frauengottesdienste so einzigartig.

Sowohl die Vorbereitung als auch die Gottesdienste selbst wirken wie Zündstoff auf die Kreativität und Spiritualität der Frauen, stärken ihren Selbstwert und machen ihnen Spaß. Ob Meditation, Körpergebet im Freien, Tanz, Kleingruppenarbeit und Saxofon statt Orgel – es ist alles erlaubt, was das Vorbereitungsteam entscheidet. Da die Frauengottesdienste während der Woche und nur zwei- bis viermal im Jahr stattfinden, konkurrieren sie nicht mit dem regulären Angebot der Pfarreien. Die Einladung ist überkonfessionell. Männer sind nicht ausgeschlossen, jedoch nicht an der Vorbereitung oder Leitung beteiligt.

Mehrere Pfarrgemeinden feiern zusammen

Gabi Ilg rät, die Dauer der Gottesdienste auf maximal eine Stunde zu begrenzen und sich Pastoralreferentinnen, Religionslehrerinnen oder spirituell geschulte Frauen vor Ort ins Team zu holen. In Meckenbeuren reichte die Kollekte der 80 bis 100 Gottesdienstbesucher*innen bisher immer aus, um die Kosten für Kopien, den Imbiss danach sowie die Künstler*innenhonorare zu bezahlen. Das Projekt „Kirche anders. Frauenkirche im ländlichen Raum“ wurde 2016 ins Leben gerufen, nachdem die Stuttgarter „Frauenkirche“ bereits jahrelang bei den KDFB-Frauen auf eine lebhafte Resonanz gestoßen war. KDFB- Zweigvereine auf dem Land suchten etwas Entsprechendes für ihre Pfarrgemeinden.

Die ländliche Version der „Frauenkirche“ konzentriert sich auf größere Regionen mit mehreren Pfarrgemeinden und mindestens 40 interessierten Frauen. Die Pfarrgemeinden vor Ort wechseln sich ab und stellen den Kirchenraum für den Gottesdienst zur Verfügung sowie Räumlichkeiten für eine kurze Zusammenkunft danach. Die Landfrauenvereinigung des KDFB in der Diözese verhalf dem Projekt zu einem einheitlichen Erscheinungsbild mit eigenem Logo und unterstützt die Gottesdienste im Vorfeld mit Werbung. Inzwischen sind in der Diözese Rottenburg-Stuttgart 56 Frauen in sechs ehrenamtlichen Vorbereitungsteams aktiv. Und die Zahl der Frauengottesdienste steigt: Seit 2017 hat sich ihre Zahl im ländlichen Raum vervierfacht. In der Regel feiern 80 bis 100 Besucher*innen mit.  

Aktuelle Termine der Frauengottesdienste sind hier zu finden.

Autorin: Barbara Meier de Florez
aus: KDFB engagiert 5/20