KDFB

Grünes Däumchen

Mit dem Gärtnern kann man gar nicht früh genug anfangen: Schon die Kleinsten wollen es den Erwachsenen gleichtun. Foto: Doris Liedl-Doll

Erdige Finger, matschige Stiefel und ein zufriedenes Gesicht. Im Garten werkeln macht schon den Kleinsten Freude und lässt sie ganz nebenbei viel über die Natur lernen. 

Ich habe ein Tier entdeckt“, sagt Linus. Er hat eine Lupe in der Hand und kniet vor einem kleinen Erdhaufen, in dem er wühlt. Das Tier ist ein Regenwurm, und Linus fühlt sich wie ein richtiger Forscher. Seine kleine Schwester Jana hat gerade keine Zeit für Tiere. Die Dreijährige streut mit ihrer Mutter Radieschensamen in die Erde. Als sie eine Reihe fertig hat, schiebt sie mit ihren Fingerchen Erde über die Samenkörner. Aber der beste Teil kommt erst noch. Das Gießen. Jana weiß schon, dass die Pflanzen nur wachsen können, wenn sie Wasser bekommen. „Kann ich noch mehr?“, fragt sie ihre Mutter nach der ersten verteilten Wasserladung. Sie kann. Die grünen Gummistiefel von Linus und die roten von Jana gehören im Frühjahr zur ständigen Grundausstattung. Genau wie die alten Klamotten, in denen man sich richtig dreckig machen darf. Raus in den Garten zieht es die beiden. Dass es dabei mitunter turbulent zugeht, sieht ihre Mutter entspannt: „Ich freue mich darüber, dass wir gemeinsam etwas erleben können.“  

Mit Kindern auf Entdeckertour im Grünen

Schon Kleinkinder schnappen sich im Garten Gießkanne oder Schaufel und wollen mithelfen. Das Gleiche tun wie die Er­wachsenen, lautet das Motto in diesem Alter. Damit es auch Älteren Spaß macht, hält Gabriele Weimann, Gartenbauberaterin bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, zwei Punkte für entscheidend: die Begeisterung des mitgärtnernden Erwachsenen und Zeit. „Sobald man Stress ausstrahlt, ist es mit der Lust vorbei. Wenn man den Kindern Zeit lassen kann, selbst etwas zu entdecken, hat man den Schlüssel dafür, dass Kinder sich auch begeistern lassen.“  
Ab einem Alter von vier Jahren könne man Kindern Gartengeräte anvertrauen, meint Weimann, aber unter Anleitung und Aufsicht, damit sie sich nicht verletzen. „Geräte in Kindergröße machen durchaus Sinn, weil die Kinder sie leicht handhaben können. Man sollte aber auf gute Qualität achten“, sagt Weimann. Ab fünf Jahren kann ein Kind dann mit Unterstützung be­reits sein eigenes Beet anlegen und sich auch mit darum kümmern. „Dass man als Eltern auch mal zur Gießkanne greift, wenn das Kind es vergessen hat, sollte selbstverständlich sein. Sonst verlieren die Kinder die Freude, weil ihre Pflanzen nicht geraten.“

Tipps fürs gemeinsame Gärtnern:

  • Alles, was mehrere Sinne anspricht, macht Kindern Freude: Essbare Blumen wie Kapuzinerkresse; Blumen, die sie abschneiden dürfen oder die gut duften und aus denen sie Sträußchen binden können wie Lavendel; Pflanzen, aus denen man einen Tee zubereiten kann wie Pfefferminze. Beliebt sind auch Löwenmäulchen, die ihren Staubbeutel auf Fingerdruck öffnen.
  • Ein Erfolgsgeheimnis sind schnell wachsende Pflanzen. Je kleiner die Kinder, desto un­geduldiger sind sie. Sie können Zeiten noch nicht überblicken. Gut geeignet sind Gartenkresse, Kapuzinerkresse oder Ringelblumen, da es nicht lange dauert, bis sie keimen. Wer ernten möchte, kann Radieschen, Zucchini oder Rauke anbauen.
  • Sehr giftige Pflanzen wie Seidelbast oder Tollkirsche haben in einem Familiengarten nichts zu suchen. „Wenn Gartenfreunde gar nicht auf Giftiges verzichten wollen,  sollte es in einer abgegrenzten Ecke angepflanzt werden, dann kann man Kindern klar machen: ,Das ist unser Hexengärtchen, da dürft ihr alleine nicht rein‘“, rät Weimann. 
  • Nach Möglichkeit sollte es Sand und Wasser zum Matschen geben. Vorsicht bei Gartenteich und Regentonne! Kleinere Kinder nie unbeaufsichtigt in der Nähe spielen lassen. 
  • Man braucht nicht unbedingt einen Garten, um Gärtnerglück zu erleben. Kräuter eignen sich prima für die Fensterbank. Erdbeeren, Kürbisse und Tomaten gedeihen auf dem Balkon, so dass man dort auch ernten kann. Tomatenpflanzen wählen, die nicht höher als 50 Zentimeter werden. 
  • Eine kleine Sitzecke oder eine Hütte gibt Kindern ihr eigenes Reich. 
  • Der Garten ist auch Lebensraum für Tiere. Das erfahren Kinder, wenn man für die Vögel Nistkästen bereit stellt, mit Stroh befüllte Blumentöpfe für Ohrenkneifer aufhängt, Reisighaufen liegen lässt. Kinder können so lernen, wie die Tiere im Garten helfen, dass der Regenwurm den Boden lockert, der Ohrenkneifer die Blattläuse frisst. Mit bestimmten Pflanzen lassen sich Insekten anlocken, zum Beispiel Schmetterlinge mit dem Sommerflieder.
  • Zum Vorziehen von Pflanzen aus Samen nährstoffarme Erde wählen, erst beim Aus- oder Umpflanzen nährstoffreiche. 
  • Um ihre Pflanzen zu kennzeichnen, können Kinder Steine bunt bemalen und daneben legen. 
  • Ansonsten gilt: Die Kinder machen lassen. Aufmerksam sein, aber nicht ängstlich. Denn jedes Verbot vermindert die Lust.    

Autorin: Claudia Klement-Rückel
aus: KDFB engagiert