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Wo die Politik die Augen verschließt

Das deutsche Fortpflanzungsrecht 

Kinderwunschmedizin im Graubereich: Das deutsche Fortpflanzungsrecht gilt vielen Experten als überholt und unsystematisch. Die wesentlichen Regelungen dazu stehen im Embryonenschutzgesetz aus dem Jahr 1990 und bilden die medizinische Wirklichkeit nicht mehr ab. Doch die Politk scheut davor zurück, es neu zu fassen. Die Befürchtung dabei: Der hohe Lebensrechts- und Lebensschutzstandard des Embryonenschutzgesetzes könnte gefährdet werden. Diese Sorge, die zum Beispiel von der Deutschen Bischofskonferenz geteilt wird, ist vor allem hinsichtlich neuer gentechnischer Forschungen berechtigt.

So ist die Rechtslage derzeit: Eizellspenden sind verboten. Embryonenspenden dagegen werden im Gesetz nicht erwähnt, sind also erlaubt. Ebenfalls erlaubt und seit vielen Jahren praktiziert: die künstliche Befruchtung mit Spendersamen. Seit einigen Jahren dürfen die Samenspenden allerdings nicht mehr anonym erfolgen, denn so entstandene Kinder haben, das urteilte das Bundesverfassungsgericht, einen Anspruch darauf, ihre genetische Herkunft zu kennen. Viele Samenbanken hinterlegen daher die Daten ihrer Spender beim Notar.

„Das Verbot der Eizellspende ist nicht mehr zeitgemäß“

Der Kinderwunsch-Professor, Koordinator des Kinderwunschzentrums der Universität Düsseldorf und frühere Vorsitzende der deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin, Jan Krüssel, sieht hier einen der großen Widersprüche des deutschen Fortpflanzungsrechts: „Das Verbot der Eizellspende ist nicht mehr zeitgemäß und betrifft sehr viele Paare“, sagt er. „Das sind Frauen, die keine eigenen Eizellen mehr haben, etwa weil sie als Kind Leukämie hatten und eine Chemotherapie bekamen, die die Eierstöcke schädigte. Sie sind gesund, aber unfruchtbar. Oder Frauen, die einfach das Pech hatten, von der Natur mit wenigen Eizellen ausgestattet zu sein und mit 35 schon in die Wechseljahre kamen. Diese Frauen können in Deutschland nicht Mutter werden. Im Ausland können sie aber die Eizellspende in Anspruch nehmen, in Spanien zum Beispiel. Dort ist es legal und medizinisch auf hohem Niveau.“

Allerdings: In Spanien sind Eizellspenden anonymisiert, und die entstehenden Kinder haben niemals die Möglichkeit, Informationen über ihre genetische Herkunft zu erhalten. Krüssel: „Das ist ein Problem, vor dem die Politik die Augen verschließt: Unsere Verfassung sagt, es ist ein sehr hohes Rechtsgut, Kenntnis der eigenen Abstammung zu erhalten. Aber dann muss man das auch bei uns regeln und zulassen, dass die Paare hier behandelt werden – nach unseren hohen Therapiestandards und mit der Möglichkeit, die genetische Herkunft zu erfahren.“ 

Autorin: Susanne Zehetbauer
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 3/2017

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