KDFB

Gott als Vater und Mutter ansprechen

Maria Hollering-Hamers Foto: privat

Interview mit KDFB-Frau Maria Hollering-Hamers

Maria Hollering-Hamers arbeitete jahrelang bei der Gestaltung der ökumenischen Weltgebetstagsgottesdienste mit. Zur Zeit ist sie für den KDFB im Vorbereitungsteam für die Liturgie beim FrauenFestTag, der im Rahmen des Reformationsjubiläums am 12. August in Wittenberg gefeiert wird.
 

KDFB Engagiert: Was ist bei Frauenliturgien unverzichtbar? 
Maria Hollering-Hamers: Für mich persönlich ist es die Art, wie wir über Gott sprechen. Dass wir weibliche Gottesbilder, Gottesanreden benutzen oder männliche und weibliche einfach nebeneinandersetzen können. Dass wir sagen: Gott, Vater und Mutter. Wir machen ein weiteres, größeres Gottesbild gegenwärtig, als es das einseitig männliche ist. Für mich ist das inzwischen so wichtig, dass ich kaum noch in einen katholischen Gottesdienst gehen kann, weil ich da diese Art zu sprechen zu sehr vermisse. Wir haben beim Weltgebetstag von der feministischen Theologin aus Ghana, Mercy Amba Oduyoye, gelernt, dass wir eine Zwei-Flügel-Theologie brauchen. Wie ein Vogel mit einem Flügel nicht fliegen kann, können wir auch kein ganzheitliches Bild von Gott, von der Kirche, von Jesus, von unserem Glauben bekommen, wenn wir immer nur die einseitige, männliche Verkündigung haben. Verkündigung, Predigt auch von Frauen, ist ein Muss für mich. Frauen haben eine andere Lebenswirklichkeit, einen anderen Blick auf die Texte aus der Bibel. Das ist für mich die Chance, die wir als Frauen in einer Frauenliturgie haben, dass wir unsere Gedanken, unseren Blick auf den Text einbringen.

KDFB Engagiert: Wie wichtig ist der Weltgebetstag für die Entwicklung von Frauenliturgien?
Maria Hollering-Hamers: Er ist die Basis für das, was sich entwickelt hat. Auf der Basis dieser Frauenliturgien haben Frauen zunächst gelernt, dass sie das selber können, dass sie das selber dürfen. Frauen Mut zu machen, das hat eigentlich der Weltgebetstag geschafft, weil er viele erreicht hat und weil immer viele Frauen aktiv dabei waren, mitmachen mussten und lernten, diesen ersten Schritt zu tun.  

Gibt es Unterschiede zwischen ökumenischen Frauenliturgien und Frauenliturgien, die im katholischen Rahmen gefeiert werden? Normalerweise kann man Frauengottesdienste und die Texte, die wir verfassen, nicht römisch-katholisch nennen. Sie sind christlich offen für neue Gedanken, für andere Gottesbilder, für Gottesanreden, die auch einmal weiblich sein können, zum Beispiel für eine heilige Geistkraft. Mir ist sehr wichtig, dass solche Liturgien, die wir gemeinsam mit anderen Frauen gestalten, nicht steif sind, dass spontane Reaktionen möglich sind, natürlich ohne dabei den würdevollen Rahmen zu verlassen. Diese sehr viel lockerere Haltung habe ich zuerst in evangelischen Liturgien kennengelernt. 

KDFB Engagiert: Haben sich Frauenliturgien im Laufe der Jahre verändert?
Maria Hollering-Hamers: Ich denke, dass wir mutiger geworden sind, und das wirkt sich aus. Es hat mit Mut zu tun, dass man mit mehr Selbstverständlichkeit als Liturgin auftritt. Meistens sind es mehrere Liturginnen, denn wir sind immer eine Gruppe von Frauen, die das gemeinsam machen. 

Interview: Anne Granda
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 8+9/2017

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