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„Es gibt kein Recht auf ein Kind“

KDFB-Vizepräsidentin Birgit Mock, Foto: Hildegardisverein
KDFB-Vizepräsidentin Christine Bohl, Foto: Klöckner

Die KDFB-Vizepräsidentinnen Birgit Mock und Christine Boehl erklären, warum sich der Frauenbund mit Kinderwunschmedizin befasst.

KDFB Engagiert: Warum greift der Frauenbund das Thema jetzt auf?

Birgit Mock: Auf dem Bundesausschuss im März werden wir intensiv zu Fragen der Reproduktionsmedizin beraten. Wichtig ist, dass wir uns dazu eine differenzierte Meinung bilden. In der Bundesdelegiertenversammlung 2016 haben wir zur Frauengesundheit einen Grundsatzbeschluss gefasst. Jetzt wollen wir die Frauen über die medizinischen Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin, die Rechtslage und ethische Fragen informieren. Es geht ja immer auch um die Frage, welche der medizinischen Möglichkeiten wir als Privatpersonen, als Wissenschaftlerinnen und als Staat ausdrücklich nicht nutzen wollen. 

Christine Boehl: Als Verband von christlichen Frauen in verschiedenen Lebenslagen bleibt das weiterhin ein zentrales Thema für uns – schließlich geht es nicht nur um Anliegen von Frauen, sondern es sind ethische Grundfragen unseres Zusammenlebens betroffen, bei denen unsere Stimme gefragt ist. So erinnern wir beispielsweise daran, dass es kein Recht auf ein Kind gibt – erst recht nicht ein Recht auf ein gesundes Kind. 

KDFB Engagiert: Wo sieht der Frauenbund Aufklärungs- und Regelungsbedarf?

Christine Boehl: Aus christlicher und ethischer Perspektive setzen wir uns für den Schutz der besonders verletzlichen Phase des Lebensanfangs ein. Die reproduktionsmedizinische Erfüllung eines Kinderwunsches steht ja oft auch in engem Zusammenhang mit der Frage, welches Kind nicht erwünscht ist. Hier sehen wir gerade unsere Aufgabe zu erinnern, dass jedes menschliche Leben wertvoll ist, unabhängig davon, ob es mit einer Behinderung oder Krankheit oder in Hilfsbedürftigkeit gelebt wird. Auch müssen wir uns fragen, welche Bedeutungen haben die Entwicklungen innerhalb der Reproduktionsmedizin für das Leben von Frauen (und Männern)? Wie werden sich Muttersein und Elternschaft verändern – wollen wir diese Veränderungen? Ganz wesentlich, das wäre vielleicht unter „Aufklärungsbedarf“ zu fassen, ist aus unserer Sicht die ergebnisoffene, psychosoziale Beratung und Begleitung von Frauen/Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch. Wichtig ist uns auch, genau hinzusehen, was die Entwicklungen für Frauen bedeuten. Nehmen wir das „social freezing“, das als scheinbarer Gewinn für Frauen verkauft wird. Für Frauen, die darauf aus medizinischen Gründen nach einer Krebserkrankung angewiesen sind, ist das eine großartige Hilfe. Als soziales Instrument dagegen erhöht es auch den Druck auf Frauen – und es werden hier gesellschaftspolitische Probleme der Vereinbarkeit von Familie und Beruf allein auf dem Rücken der Frauen ausgetragen. 

Birgit Mock: Ein vergleichsweise neues Problem sehe ich durch die stärkere globale Vernetzung. Wie wollen wir damit umgehen, dass das Verbot von Leihmutterschaft in Deutschland zum Anlass genommen wird, den Kinderwunsch durch eine „Leihmutter“ in einem anderen Land zu realisieren? Das ist eine sehr heikle Entwicklung, gerade aus Frauensicht. Als Leihmütter stellen sich oft arme Frauen in sogenannten Entwicklungsländern zur Verfügung. Das ist aus meiner Sicht eine Form von Ausbeutung, die ich nicht gutheißen kann. Eine weitere politische Baustelle ist die Forderung nach Embryonenspende. Bei allen Chancen, die Befürworter hier sehen, dürfen wir nicht vergessen, dass ein Embryo menschliches Leben in seiner frühesten Form ist, das ein Recht auf unseren Schutz hat. 

KDFB Engagiert: Was sind die nächsten Schritte?

Birgit Mock und Christine Boehl: Wir brauchen eine fachlich interdisziplinäre und gesellschaftlich breit geführte Debatte in dieser Sache. Der Frauenbund wird die weitere Entwicklung der medizinischen Möglichkeiten und der gesetzlichen Regelungen aufmerksam verfolgen und sich aus christlicher und frauenpolitischer Sicht weiterhin mit seinen Positionen zu Wort melden. Als Christinnen wollen wir deutlich machen: Die (berechtigten) Interessen von Frauen und Wunscheltern dürfen nicht gegen den Schutz des ungeborenen Lebens ausgespielt werden. 

Interview: Susanne Zehetbauer
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 3/2017

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