KDFB

Ein Tusch für die Frauen!

Die närrische Zeit feiern viele KDFB-Zweigvereine ausgelassen

Direkt nach Dreikönig beginnt wieder die närrische Zeit. Ob Fastnacht, Fasnet oder Fasching – in vielen Regionen feiern Frauenbundsfrauen Karneval mit je eigenen Traditionen.  

Ein Tusch! Ein donnerndes Helau! Glitzernde Lichterspiele! Ein ganzer Saal voll bunt kostümierter Frauen. Da tummeln sich Froschköniginnen, Clowns, Indianerinnen, Matrosinnen und Blumenfrauen. Es wird geschunkelt, gelacht und kräftig mitgesungen. Der Frauenbund in Heppenheim feiert Fastnacht. Und weil das im vergangenen Jahr zum 66. Mal stattfand, hat er die Jubiläumssitzung direkt an sechs Abenden hintereinander gefeiert. Immer vor ausverkauftem Saal und immer nur mit Frauen. „Begonnen hat alles 1950 mit einem Kreppel-Kaffee“, erzählt die Mainzer Diözesanvorsitzende Hiltrud Lennert, die in Heppenheim lebt. Kreppel, das sind in Fett ausgebackene Berliner aus Hefeteig, wie sie in vielen Regionen zum Karnevalskaffee gereicht werden. „Damals haben die Frauen ihre Kaffeetasse und den Kreppel selber mitgebracht. Sie waren froh, mal ein paar Stunden aus ihrem Alltag rauszukommen. Später wurde das Zusammensein mit einem Vortrag oder Sketch aufgelockert. Nach und nach weitete sich das aus. Seit vielen Jahren feiern wir nun eine richtige Karnevalssitzung, wie sie im rheinischen Karneval üblich ist. Mit Showtänzen, Gesangseinlagen und Büttenreden.“ 

Dreißig Aktive sind am Programm beteiligt. Mitmachen darf nur, wer Mitglied im Zweigverein ist. Da steigt die Diözesanvorsitzende selbst in die Bütt und nimmt als Chantal Geschehnisse aus der großen Politik ebenso aufs Korn wie Ereignisse aus der Kirchengemeinde oder dem Frauenbund. Eine Gruppe junger Frauen tanzt Rock’n’Roll. Bekannte Schlager aus sechs Jahrzehnten werden mit neuen Texten gesungen. Elvis Presley ist ebenso vertreten wie die Sister Acts, alle live. Und dann gibt es, wie sich das für eine Sitzung gehört, natürlich noch den weiblichen Elferrat und die beiden bewährten Sitzungsprinzessinnen Dagmar Banaschik und Petra Fischer. Humorvoll und schlagfertig führen sie durch den Abend, verteilen die eigens zum Jubiläum angefertigten Orden.

Von Frauen für Frauen: Fastnacht „hausgemacht“ 

Im Mainzer Diözesanverband haben die Fastnachtsfeiern des KDFB eine lange Tradition. Der Fürther Zweigverein zum Beispiel lädt zum „Kreppelkaffee mit Hut“ ein. Der Zweigverein Viernheim veranstaltet an zwei Abenden eine Art Prunksitzung. „Je Abend kommen 600 Frauen“, so Zweigvereinsvorsitzende Ingeborg Adler. „Die Veranstaltungen sind sehr beliebt. Weil sie von Frauen für Frauen sind und weil sie ‚hausgemacht‘ sind. Das heißt: Alle Aktiven kommen aus den Reihen der Mitglieder, ob Texterinnen, Näherinnen oder Bastlerinnen für das Bühnenbild.“

Dass nur Frauen auftreten, unterscheidet die Frauenbundfastnacht in Heppenheim und Orten wie Viernheim, Worms oder Fürth von den Sitzungen der traditionellen Vereine und Corps in den rheinischen Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz. Inzwischen gibt es zwar ein paar Damenkarnevals- oder alternative Gesellschaften wie die Kölner Stunksitzung, bei denen Frauen mitwirken. Aber in den meisten Karnevalsvereinen und Garden können sie kein Mitglied werden. Prinzessin im Kölner Dreigestirn ist nach wie vor ein Mann. Auch der Sitzungskarneval ist immer noch eine Männerdomäne, stellt die Ethnologin Katharina Kallenborn in ihrer 2015 veröffentlichten Studie „Gender in der Mainzer Fastnacht“ fest. Obwohl der Karneval viel Narrenfreiheit bietet, sind die Rollenbilder, die auf der Bühne aufleuchten, sehr traditionell. Frauen treten allenfalls als Tänzerinnen oder Sängerinnen auf, als schmückende Elemente. Nur wenige Frauen schaffen es wirklich als Rednerinnen in die großen Sitzungssäle und Fernsehsitzungen. 

Auch in der schwäbisch-alemannischen Fasnet sind die Narrenzünfte fest in Männerhand. Und auch dort haben sich Frauen ihre Nischen geschaffen, etwa in Bad Waldsee. Als die Narrenzunft 1955 neu begründet wurde, hat sich der Frauenbund gleich eingeklinkt. Seither feiert er am Donnerstag vor dem „grumpigen Donnerstag“ einen Fasnetball nur mit Frauen, erzählt Gabriele Merk, Schriftführerin im Diözesanvorstand Rottenburg-Stuttgart. Mit Gesangseinlagen, Bänkelliedern und Sketchen. Und natürlich Tanzmusik, seit sechs Jahren sogar mit einer Frauenband. In der Fasnetwoche selber findet der Umzug der Narrenzunft statt, der sogenannte Narrensprung. Er heißt so, weil sich die Narren mit ihren Schellen und Rasseln springend fortbewegen. 

Masken und Häs aus der Kiste holen, abstauben und los geht’s!

Die schwäbisch-alemannische Fasnet unterscheidet sich stark vom rheinischen Karneval. Markenzeichen sind Holzmasken und Gewänder, das sogenannte Häs. Fünf Maskengruppen gibt es in Bad Waldsee: das Federle ist ein als Jägersmann verkleideter Bösewicht; das Schrättele trägt eine Hexenmaske mit zwei Gesichtern – einem freundlichen und einem bösen; der Faselhannes „faselt“ mit den Leuten und schreibt lustige Begebenheiten auf; der Narro ist eine fröhliche Figur im weißen Gewand, das mit Ranken und Blumen bestickt oder bemalt ist. Und dann gibt es noch das Schorrenweible, ein gutmütiges verrunzeltes Waldweib, das in seinem Korb Kräuter und Tinkturen gegen allerlei Zipperlein bereithält. Es ist eine alte Tradition, dass am Dreikönigstag die Masken und das Häs hervorgeholt und abgestaubt werden. 

Frauenbundsfrauen beteiligen sich auch am Narrenumzug. Entweder in Maske und Häs. Oder sie laufen in Gruppen mit, dem Sammlervölkle zum Beispiel. Das sind Frauen und Männer, die vor Karneval von Haus zu Haus ziehen. Früher haben sie Mehl, Eier, Weizen oder Süßigkeiten gesammelt, damit man vor der Fastenzeit noch mal so richtig feiern konnte. Heute sammeln sie eher Geld. „Unsere Frauen nähen sich das Häs meist selber“, so Gabriele Merk. „Unsere alten Frauenbundsfrauen haben teilweise schränkeweise selbst genähte Fasnetkleidung zu Hause.“

Kostüme schneidern, Sketche proben: Schon die Vorbereitungen sind Vergnügen

Auch an anderen Orten in Schwaben feiern KDFB-Frauen Fasnet. Entweder als gesellige Nachmittage mit Kaffee und Kuchen oder mit kleinen Aufführungen im Seniorenheim, als Fußgruppen in Umzügen oder sie treten bei den Bällen der Narrenzünfte auf. „Gigantisch ist der Fasnetball des Frauenbunds in Überlingen“, schwärmt Gabriele Merk. „Die führen ihr Programm an fünf Tagen hintereinander auf. Und der Kursaal ist rappelvoll mit jeweils 500 Menschen.“ Auch die Landfrauenvereinigung versteht zu feiern. Bundesvorsitzende Bärbel Kräutle erzählt, dass der Fasnetball eine gute Werbemöglichkeit sei und dass sie darüber schon manches neue Mitglied gewonnen haben.

Der Weg zum Frauenbund führt oftmals über den Fasching 

Eine Frau, die über den Fasching zum Frauenbund gekommen ist, ist Karin Schlecht aus Kösching im Bistum Regensburg. Eine Freundin hat sie vor Jahren zum Ball des Frauenbundes mitgenommen. Fasching in Bayern, das sind Kostümbälle mit Tanzmusik, unterbrochen von lustigen Darbietungen. „Ich wusste bis dahin nicht viel vom Frauenbund und konnte mir eigentlich auch nicht so richtig vorstellen, wie ein Tanzabend nur unter Frauen ablaufen sollte“, erzählt Karin Schlecht. Aber dann war sie begeistert. Die vielen Frauen, die gute Stimmung, die bunten Kostüme, die Darbietungen. Und sobald die Live-Band anfing zu spielen, stürmte alles auf die Tanzfläche. Der erste Eindruck vom Frauenbund war nachhaltig. Ende 2001 trat Karin Schlecht dem Zweigverein bei, und im Fasching 2002 spielte sie bereits in einer lustigen Bauernhochzeit mit. Wenige Wochen später wurde sie in den Zweigvereinsvorstand gewählt. Heute ist sie Vorsitzende des Diözesanverbandes Regensburg und erzählt mit leuchtenden Augen: „Der Ball am Freitagabend ist die große Jahresveranstaltung des Zweigvereins, mit der wir auch viele junge Frauen erreichen. Der Pfarrsaal ist mit rund 160 Frauen immer rappelvoll. Schon die Vorbereitung ist sehr lustig. Das Schneidern der Kostüme, die Proben – natürlich alles streng geheim! – das verbindet.“  

Im vergangenen Jahr sind die Köschinger Frauenbundsfrauen am Faschingsdienstag nach München gefahren. Dort findet auf dem Viktualienmarkt der traditionelle Tanz der Marktweiber statt. Die Marktstände bleiben geschlossen, und die Marktfrauen bieten auf der eigenen Bühne in selbst genähten Kostümen ihre Tanzvorführungen. Eine Show, die jährlich viele BesucherInnen anzieht und den ganzen Tag über in ein buntes Treiben auf dem Markt übergeht. 

Viele fleißige Hände helfen mit 

Fasching zu feiern stärkt den Zusammenhalt. Davon erzählt Maria Steinle aus dem Zweigverein Dießen am Ammersee. Seit über 60 Jahren feiert der Zweigverein. Begonnen hat es mit einem geselligen Nachmittag. Heute bietet er ein dreistündiges Programm an fünf Tagen hintereinander. Es kann jeder kommen, Frauen wie Männer. Der Andrang ist so groß, dass trotz der fünf Termine nicht alle Platz finden. „Mit Generalprobe und Herrichten des Saals bedeutet das für die Aktiven aus dem Frauenbund: eine Woche Fasching – nichts als Fasching.“ Da braucht es viel Idealismus. Das ganze Jahr über trifft sich die Vorbereitungsgruppe, sammelt Ideen für Vorträge, Sketche, Tänze, Lieder. Texte müssen geschrieben und das Programmheft gestaltet werden. Es braucht Mitwirkende, die sich einen Auftritt zutrauen und bereit sind, über viele Wochen hin zu proben. Es braucht HelferInnen, die die Bühne aufbauen und gestalten, den Saal herrichten, an der Kasse sitzen, für Kostüme und Maske zuständig sind oder für die Bewirtung sorgen. „Es gilt, an vieles zu denken, und vor allem braucht es viele, die funktionieren“, fasst Maria Steinle zusammen. „Da gehört schon eine Riesenportion Freude und Ausdauer dazu, so etwas auf die Füße zu stellen.“

Autorin: Gabriele Klöckner
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 1+2/2017