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Neu im Kloster

Ordensschwester Magdalena Winghofer will den Menschen Gott nahebringen – an ungewöhnlichen Orten. Foto: Sileny

Was bewegt Frauen heute, einer Ordensgemeinschaft beizutreten? Zwei katholische und eine evangelische Frau verraten, warum sie sich vor kurzer Zeit für ein Leben im Kloster entschieden haben. Zum Beispiel Ordensschwester Magdalena Winghofer. 

Wenn Magdalena Winghofer Weihnachten feiert, kann das schon mal in einem Baumarkt sein. Oder an der Endschleife einer Straßenbahn. Oder zwischen den Häuserblocks einer Siedlung. An Orten wie diesen bietet die Maria-Ward-Schwester gerne eine etwas andere Weihnachtsfeier an. Es ist ein schlichter Wortgottesdienst ohne Weihrauch und Kerzenschimmer. Häufig kommen dann Menschen, die eine Kirche nicht betreten würden, weil sie sich dort fremd fühlen. Den Baumarkt aber, den kennen sie, dort gehen sie öfters einkaufen, dort treffen sie die Nachbarn. Warum sollte ihnen Gott nicht auch dort begegnen? Die Ordensfrau und Pastoralreferentin arbeitet gerne mit Orten, wie sie sagt, wenn es darum geht, Gott den Menschen nahezubringen. Denn Gott wartet nicht etwa im Jenseits oder im Himmel, sondern ist mitten in dieser Welt, an jedem Ort, in jeder Situation anwesend. Davon ist die 34 Jahre junge Ordensfrau tief überzeugt. 

Mitten unter den Menschen

Als sie davon erzählt, sitzt sie in ihrem neuen Büro im Ge­bäude der Nürnberger Stadtkirche, einige Schritte vom Hauptbahnhof entfernt, unweit des Rotlichtviertels. Im September ist sie dort als neue Stadtjugendseelsorgerin eingezogen. Sie ist nun auch geistliche Leiterin des Bundes der deutschen katholischen Jugend auf Stadtebene, kümmert sich um Ministranten und berät Pfarrgemeinden bei der Jugendarbeit. Mit viel Elan geht sie ihre neuen, verantwortungsvollen Aufgaben an. Stundenlange Sitzungen gehören dazu, abendliche Kneipenbesuche, aber auch Reisen. In der Stadt ist die schlanke, hochgewachsene junge Frau gerne mit dem Fahrrad unterwegs – mit Schleier und Helm. Ihr Weg zur Arbeit ist nicht weit, die Ordensgemeinschaft ist auf dem Gelände der Nürnberger Maria-Ward-Schule untergebracht. Dort wird gerade renoviert, die Mensa und das Lehrerzimmer mussten deswegen vorübergehend ins Schwesternhaus verlegt werden. Viel Trubel gehört dazu. „Das passt zu uns, zu unserer Spiritualität“, sagt die Or­densfrau. Denn: „Wir sind eine Gemeinschaft, die unter den Menschen lebt. Stille und Abgeschiedenheit zu suchen, das ist nicht unser Auftrag.“ Magdalena Winghofer ist die jüngste der 15 Schwestern, jünger sogar als die Novizin, die sie mit begleitet. Das zweijährige Noviziat ist die erste intensive Zeit der sogenannten Ordensausbildung. Die Novizin hat sich dabei in verschiedenen für sie fremden Situationen zu bewähren, absichtlich wird sie an ihre Grenzen geführt. 

Exerzitien als Kraftquelle

Bewegt erinnert sich Schwester Magdalena an ihr eigenes Noviziat und die Einsätze, die sie zu absolvieren hatte. Sie arbeitete als Pflegekraft in einem Altenheim, lebte mit drogenabhängigen Jugendlichen und mit schwerstbehinderten Menschen zusammen. Gerade das Zusammensein mit den schwer und mehrfach Behinderten sei eine der schönsten Erfahrungen ihres Lebens gewesen. „Wir haben miteinander gelacht, geweint, das Leben geteilt, wie es halt ging, mit allen Einschränkungen“, erzählt sie. Das Herzstück des Noviziats aber sind die sogenannten großen Exerzitien. Dreißig Tage zu schweigen, auch das ist eine Grenzerfahrung. Alle Ablenkungen fallen weg: Gespräche, Fernsehen, Internet, Musik, Lesen. Dabei gehe es darum, sich Gott auszusetzen, ihm zuzuhören, von ihm das Leben ordnen zu lassen. „Unsere Ordensgemeinschaft geht auf Ignatius von Loyola zurück, den Gründer des Jesuitenordens. Wir leben aus seiner Spiritualität, zu der regelmäßige Exerzitien gehören. Das ist unsere Kraftquelle“, erklärt die Ordensfrau. Im Alltag richten die Schwestern ihre Gebetszeiten nach der Arbeit. Ihre vorrangige Aufgabe ist es ja, den Menschen zu dienen. Magdalena Winghofer betet auf unterschiedliche Weise: Mal ist es eine Schriftbetrachtung, mal ein Psalm, ein anderes Mal schweigt sie und hört auf den Atem. Je nach Stimmung, je nach Situation.

Eine Liebesbeziehung mit Gott

Als sie sich vor mehr als neun Jahren entschied, in den Orden einzutreten, hatte sie weder eine Vision noch hörte sie eine Stimme aus dem Himmel. Vielmehr spürte sie: „Als Maria-Ward-Schwester kann ich meine Beziehung zu Gott intensiv leben.“ Es ist eine Liebesbeziehung. Neun Jahre lang konnte sie ausprobieren, ob das Leben als Ordensfrau für sie wirklich taugt. Und dann, vergangenes Jahr im September, hat sie die Ewige Profess abgelegt. Seitdem ist Magdalena Winghofer mit allen Rechten und Pflichten mit dem Orden verbunden. „Endgültig verheiratet!“, sagt sie und lacht ihr kristallklares Lachen. Seitdem entscheidet nicht sie, was sie tun und lassen will, sondern ihre Oberin. „Da bist du doch unfrei“, hört sie von Außenstehenden. Doch für Schwester Magdalena ist das Gegenteil wahr: „Ich stelle mich zur Verfügung, dort, wo ich gebraucht werde, und erfahre dabei, wie frei ich bin.“ Die Aufgaben, die ihr zugewiesen werden, entsprechen ihren Be­gabungen, so kann sie andere bereichern und kommt selbst nicht zu kurz.

Unlängst wurde sie nach Rom geschickt, um dort einen Vortrag zu halten. „Was zieht mich am Ordensleben an?“, hieß das Thema. Zuhörerinnen waren keine geringeren als Generaloberinnen der Frauenorden aus aller Welt. Zu ihnen sprach Magdalena Winghofer von der radikalen Freiheit, die darin liegt, ganz auf Gott zu setzen. In ihrem Büro in Nürnberg fügt sie hinzu: „Es ist eine Freiheit, von der ich geschmeckt habe und die mich zieht.“ Diese Freiheit liegt darin, verzichten zu können. „Wenn ich mich vom Besitz und vom Eigenwillen losgesagt habe, muss ich nicht fürchten, etwas zu verlieren“, erklärt die junge Ordensfrau. Dann verabschiedet sie sich, um zum nächsten Termin zu eilen. Ihr Fahrrad wartet vor der Haustür. „Unterwegs im Namen des Herrn“ steht auf dem Metallrahmen.

Autorin: Maria Sileny
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 12/2016

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