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KDFB setzt sich für Mittagsbetreuerinnen ein

Die Stellen sollen in einer gewandelten Schullandschaft in Bayern erhalten bleiben

Der Einsatz des Frauenbundes für die Mittagsbetreuerinnen in Bayern trägt Früchte. Wieder ist eine Hürde genommen, um ihre Stellen in einer sich wandelnden Schullandschaft zu sichern. 

Stellen Sie sich vor: Jahrelang haben Sie mit großem Engagement an einer bayerischen Grundschule in der Mittagsbetreuung gearbeitet. Sie haben dafür Fortbildungen beim Katholischen Frauenbund besucht. Zuletzt waren sie sogar an Ihrer Schule mit der Leitung eines vielköpfigen Teams von Mittagsbetreuerinnen betraut. Mehrere Dutzend Kinder waren täglich bis halb vier Uhr nachmittags in Ihrer Obhut und der Ihrer Kolleginnen. Und jetzt: Die Schule wandelt sich zu einer Offenen Ganztagsschule – und Sie dürfen keine Leiterin mehr sein. Denn damit werden nun ausschließlich Fachkräfte betraut. „So sind die Bestimmungen“, bestätigt Gertrud Ströbele, KDFB-Projektleiterin für die Schulung von Mittagsbetreuerinnen. „Deshalb bietet der Frauenbund nun besondere Schulungen an, damit erfahrene Mittagsbetreuerinnen ihre Stelle behalten können.“ 

Anhaltender Trend zur Ganztagsgrundschule

Ströbele ist sich sicher: „Der Trend zur Ganztagsgrundschule wird in den nächsten zehn Jahre anhalten.“ Derzeit könne niemand sagen, wie viele Mittagsbetreuungen herkömmlicher Art am Ende übrig sein werden und wie viele sich wandeln. Denn die Staatsregierung verfolgt den flächendeckenden und bedarfsorientierten Ausbau von Ganztagsschulen mit höchster Priorität.

Dabei gibt es grundsätzlich zwei Richtungen:

– die „klassische Variante“ der Offenen Ganztagsschule, die eine Betreuung der Grundschüler bis 16 Uhr vorsieht, und 

– das sogenannte Kombimodell: Es kombiniert Ganztagsgrundschule und Hort zu einem neuartigen Bildungs- und Betreuungsangebot, das bis 18 Uhr dauern kann. 

Bei beiden Varianten legt der Freistaat Wert auf eine gute fachliche Qualifikation der Mitarbeiterinnen. 

Schulung zur Ergänzungskraft

Vor Kurzem konnte der Frauenbund erreichen, dass erfahrene Mittagsbetreuerinnen in der Offenen Ganztagsgrundschule weiterbeschäftigt werden können. Bei der klassischen Variante ist das ohne Weiteres möglich. Für das Kombimodell müssen sie eine Schulung zur Ergänzungskraft absolvieren. Der Kurs, der derzeit nur in München angeboten wird, umfasst eine neunmonatige Modulphase mit 180 Unterrichtseinheiten und eine sechsmonatige begleitete Praxisphase. 

Maßgeschneiderte Schulungen für Leiterinnen von Mittagsbetreuungen

Jetzt hat das bayerische Kultusministerium auch grünes Licht für die Leiterinnen der Mittagsbetreuung gegeben. Sie sollen dank einer maßgeschneiderten Schulung auch in der Offenen Ganztagsgrundschule weiter Leitungsaufgaben übernehmen können – allerdings nur in der klassischen Variante. Am Schulungskonzept arbeite der Frauenbund gerade, erklärt Gertrud Ströbele. Das Bildungswerk des Frauenbundes in Bayern wird die Kurse in sein Bildungsprogramm 2017 aufnehmen. Es ist ab Mitte Oktober einzusehen.

In Bayern besuchen rund 100.000 Schülerinnen und Schüler die Mittagsbetreuung an Grund- und Förderschulen. Wie das bayerische Kultusministerium erklärt, konnte im Schuljahr 2014/2015 in rund 6.850 Gruppen an rund 2.000 Grund- und Förderschulen eine verlässliche Betreuung nach dem Unterricht angeboten werden. Davon bieten rund 3.750 Gruppen eine verlängerte Mittagsbetreuung bis mindestens 15.30 Uhr mit integrierter Hausaufgabenbetreuung an. 

Autorin: Eva-Maria Gras
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 10/2016