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Der Papst und die Frauen

Gudrun Sailer Foto: Ch. Smeds

Radio-Vatikan-Journalistin Gudrun Sailer im Interview.

Papst Franziskus zeigt sich Frauen zugewandt. Jetzt will er die Frage nach dem Diakonat der Frau prüfen lassen. KDFB Engagiert sprach mit Gudrun Sailer, die als Journalistin bei Radio Vatikan die neuen Entwicklungen genau verfolgt.

KDFB Engagiert: Hat sich durch Papst Franziskus für die Frauen in der Kirche etwas verändert?

Gudrun Sailer: So schnell ändert sich konkret nichts. Aber in einem Punkt beobachte ich hier wirklich eine Veränderung: Es tauchen unglaublich viele Ideen und Vorschläge auf, zahlreiche Konferenzen und Gespräche finden zum Thema Frau in der Kirche statt und sind geplant. Wir sind im Vorstadium des wirklich Neuen. 

KDFB Engagiert: Woher kommen die Ideen?

Gudrun Sailer: Die Ideen kommen immer von außen. Der Vatikan entwickelt selber keine Ideen, er verwaltet sie höchstens, nimmt sie auf und dreht sie irgendwie weiter oder auch nicht. Die Ideen kommen von den berühmten Rändern, von denen der Papst so gerne spricht, von den Ortskirchen, die er so gerne fördern möchte. Sie treffen dann auf ein Pontifikat, das wirklich neue Türen öffnet. Interessant ist ja, dass der Papst selbst immer sagt, dass es ihm nicht darum geht, Dinge zu verbieten und andere zu erlauben. Ihm geht es darum, Prozesse anzustoßen. Und das ist genau das, was jetzt hier in der Frauenfrage passiert. 

KDFB Engagiert: Welche Bedeutung hat die Äußerung des Papstes, dass untersucht werden sollte, welche Stellung die Diakoninnen in der Frühzeit der Kirche hatten?

Gudrun Sailer: Die Frage nach dem Diakonat der Frau ist ihm auf Pressekonferenzen gestellt worden. Das hat er immer mit einem Witz weggebogen oder mit dem Hinweis, wir sollten widerstehen, Laien zu klerikalisieren und Kleriker zu laisieren. 

KDFB Engagiert: Diesmal hat er anders reagiert. Warum?

Gudrun Sailer: Jetzt hat er die Frage nicht von einem Journalisten gestellt bekommen, sondern von fast 900 Ordensoberinnen, die für ein paar hunderttausend Ordensschwestern in der katholischen Kirche verantwortlich sind. Die haben in ihren Positionen eine ungeheure Freiheit. Und da ist ihm wohl klar geworden, dass er diese Frage nicht mit einem Witz wegbiegen kann. Er hat die Anregung für eine Prüfkommission aufgegriffen. Allerdings wollte die Ordensoberin eine Kommission zur Prüfung der Frage, ob es heute Frauendiakone geben kann. Der Papst hat den Ball geschnappt und ihn nach rückwärts geschossen, nämlich auf die Frage hin, was durften denn die Diakoninnen in der frühen Kirche. 

KDFB Engagiert: Was bedeutet das?

Gudrun Sailer: Das ist ein Zeichen, dass die Frage nach dem Diakonat der Frau nicht abgeschnürt und abgeschlossen ist. Andererseits weiß dieser Papst, er kann seiner Kirche nicht alles Mögliche an Frischluft zumuten, das würde sie zerreißen. Und viele Ortskirchen sind sicher noch nicht so weit, sich zu überlegen, ob sie Frauen zu Diakoninnen machen könnten. 

KDFB Engagiert: Können Sie feststellen, dass der Papst im Vatikan als Vorbild vorangeht? 

Gudrun Sailer: Eigentlich warten wir noch auf die Umsetzung dessen, was der Papst mehrmals gesagt hat, dass es durchaus möglich wäre, Frauen in hohe Positionen im Vatikan zu berufen. 

KDFB Engagiert: Können Frauen zur Zeit durch Vorschläge erreichen, dass sich mehr Möglichkeiten für Frauen eröffnen? 

Gudrun Sailer: Der Papst hat die Frauen eingeladen, Ideen vorzubringen. Er hat ja selber theologisch in der Frauenfrage überhaupt keinen Plan. Das machen ihm manche zum Vorwurf. Ich denke, dass der Papst voll Demut eingesteht, das ist etwas, wo ich wenig kompetent bin, da müsst ihr selber dafür sorgen. Ich allein als Papst, ich bin ja nicht Kirche, sondern wir alle sind Kirche. Bringt doch die Vorschläge und schauen wir, was für Prozesse wir anstoßen können. 

Interview: Anne Granda
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 7/2016