KDFB

Der lange Marsch zum Vatikan

Seit jeher haben sich Frauen aufgemacht, um im Vatikan den Kirchenmännern ins Gewissen zu reden. Katharina von Siena hat es getan und jetzt wieder Pilgerinnen aus dem deutschsprachigen Raum. Am Ziel in Rom feierten 500 Frauen und Männer, darunter auch KDFB-Mitglieder, einen Pilgertag.

Es war ein bewegender Moment, als am 2. Juli rund 500 Pilgerinnen und Pilger in Rom in den Petersdom einzogen, um miteinander am Kathedra-Altar unter dem Heilig-Geist-Fenster Gottesdienst zu feiern. Sie alle haben sich hauptsächlich aus der Schweiz, aus Österreich und Deutschland auf den Weg gemacht – für eine Kirche mit den Frauen. Unter ihnen sind auch KDFB-Frauen, die sich von der Idee haben begeistern lassen, Papst Franziskus ihre Anliegen vorzutragen. Mit lang anhaltendem Beifall wurden die acht Frauen und ein Mann aus der Schweiz begrüßt, die zwei Monate lang die gesamten 1.000 Kilometer von St. Gallen in der Schweiz über die Alpen bis nach Rom zu Fuß gepilgert sind. Der Kerngruppe schlossen sich unterwegs mehrere Hundert Pilgernde an, die den langen und mühsamen Weg für einen oder mehrere Tage mitgegangen sind. 

Hinter dem Projekt, das Schweizer Frauen vor zwei Jahren initiiert haben, steht ein großes Anliegen: „Wir wollen Papst Franziskus persönlich bitten, dass Männer der Kirche in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über deren Stellung, Rolle und Funktion nachdenken. Und nicht mehr ohne Frauen über die Belange der Kirche entscheiden“, so Hildegard Aepli, Pastoralassistentin im Bistum St. Gallen und Hauptinitiatorin des Pilgerprojekts. Vorbild sind mutige Kirchenfrauen wie Maria Ward oder Katharina von Siena, die zu ihrer Zeit für eine Kirche mit den Frauen eingetreten sind und den Kirchenmännern ins Gewissen geredet haben. 

Bischöfe als Unterstützer

Unterstützt wurden die Initiatorinnen nicht nur durch zahlreiche Frauen, sondern auch durch die Bischöfe Felix Gmür aus Basel, Markus Büchel aus St. Gallen und Wilhelm Krautwaschl aus Graz sowie durch mehrere Äbte und Ordensobere. Auch Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück sandte ein Grußschreiben.

Den Papst haben die Pilgernden nicht getroffen. Aber sie haben ihm einen Brief geschrieben, der im Gottesdienst verlesen wurde. „Wir bitten Sie, in den Institutionen des Vatikans und in gesamtkirchlichen Entscheidungsprozessen dafü?r zu sorgen, dass kü?nftig Frauen mitwirken, mitgestalten und mitentscheiden können“, heißt es darin. „Wir bitten Sie, entsprechende Ermutigungen und Weisungen auch fü?r die Ortskirchen zu geben.“ Noch während der Messe legte Hildegard Aepli den Brief zusammen mit symbolischen Gegenständen in eine Kiste und ü?bergab diese Bischof Markus Bü?chel, der dafür sorgen will, dass der Papst sie persönlich erhält.

Erschöpft, aber innerlich gestärkt 

Symbole spielten bei der Pilgerreise eine große Rolle. Etwa ein 150 Jahre altes Leinentuch aus dem Kloster Eschenbach, das unterwegs immer dann ausgebreitet wurde, wenn sich die Gruppe zu einem spirituellen Impuls traf. Mit im Ge­päck waren auch viele Zettel mit Fürbitten, die während einer Messe zu Beginn der Pilgerreise geschrieben worden waren. Sie wurden ebenso wie das Leintuch im Petersdom auf und vor dem Altar ausgelegt. 

Die Pilgerreise war für die Teilnehmenden zwar körperlich anstrengend, viele fühlen sich jedoch innerlich gestärkt,  wie die Berichte der KDFB-Frauen zeigen. Mit dem Pilgertag in Rom soll das Projekt nicht beendet sein. Es ist vielmehr Anstoß, Netzwerke zu bilden und für eine partnerschaftliche Kirche einzutreten.
Autorin: Gabriele Klöckner
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 8+9/2016

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