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Das Studium finanzieren

Eine Frage, die viele junge Frauen bewegt: Woher das Geld fürs Studium nehmen? Foto: image source

Nicht nur Hochbegabte haben Chancen auf ein Stipendium

610 Millionen Euro werden jedes Jahr an Stipendien fürs Studium vergeben. Bewerben können sich nicht nur Hochbegabte. Wer einige Regeln beachtet, hat gute Chancen, gefördert zu werden.

Es war kompliziert und es dauerte Wochen. Das war das Ergebnis von Mira Maiers Recherche, als sie sich vor einigen Jahren auf Stipendien bewerben wollte. Ihre Doktorarbeit in Volkswirtschaft stand an, und sie war auf der Suche nach einem Förderprogramm. Doch das Angebot war unübersichtlich. Viel Zeit ging dafür drauf, sich einen Überblick zu verschaffen. Zeit, die man eigentlich besser ins Studium investiert hätte. 

Doch diese ungute Erfahrung mit dem deutschen Stipendienwesen hat Mira Maier nicht abgeschreckt. Im Gegenteil: Sie suchte nach Wegen, die Fördermöglichkeiten für Studenten übersichtlicher zu gestalten. 2011 wurde daraus die Internet-Plattform „Mystipendium“. Mittlerweile ist sie zum größten deutschen Suchportal für Fördermöglichkeiten im Studium geworden. 2.300 Stipendien werden dort vorgestellt. Innerhalb weniger Minuten kann man sein Profil eingeben und bekommt zum eigenen Lebenslauf passende Stipendiengeber ausgespuckt. 

„Insgesamt 610 Millionen Euro werden Jahr für Jahr an Studenten und Doktoranden vergeben“, erklärt Diana Lipstein, die für Mystipendium arbeitet. Eine gewaltige Summe, auf die sich aber etwa vierzig Prozent der Studentinnen nicht  bewerben (im Gegensatz zu 35 Prozent bei den männlichen Studenten). Doch ein Stipendium spart Energie und Zeit, die man sonst bei Studentenjobs verbringen müsste, um über die Runden zu kommen. 

So kann es mit einem Stipendium klappen

Wer sich um finanzielle Unterstützung bemüht, sollte einige wichtige Punkte beachten, um seine Chance zu erhöhen: 

1. Stipendien gibt es nicht nur für Überfliegerinnen!
Nur wer sich bewirbt, kann gewinnen. Das Vorurteil, dass man nur als Hochbegabte oder sozial besonders Engagierte eine Chance auf Unterstützung hat, ist so nicht haltbar, sagt Diana Lipstein. „Nischen sind eher die Ausnahme als die Regel.“ So gäbe es insgesamt über 40 Auswahlkriterien, wie zum Beispiel der Beruf der Eltern oder der gleiche Geburtsort wie der Stifter oder die Stifterin. Es macht auch nicht nur als Erstsemester Sinn, sich auf Stipendiensuche zu begeben. Stipendien gibt es für alle Phasen des Studiums. Manche Stiftungen fördern ausdrücklich StudentInnen in der Schlussphase ihres Studiums. 

2. Kleine Stiftungen im Blick haben!
„Über 90 Prozent der StudentInnen bewerben sich auf ein Prozent der Stipendienplätze, nämlich bei den großen Begabtenförderungswerken“, erklärt Diana Lipstein von Mystipendium. Deshalb: gezielt nach kleinen Stiftungen suchen, die zum eigenen Profil passen, dort sind die Chancen eindeutig größer. „Jede fünfte kleine Stiftung kann nach unseren Erfahrungen ihre Gelder nicht voll auszahlen, weil sie nicht genügend passende Stipendiaten findet“, erläutert Diana Lipstein. Zehn bis fünfzehn Bewerbungen sollte man schon verschicken. Welche Stiftungen in Frage kommen, kann man über die entsprechenden Internetportale mittlerweile relativ schnell herausfinden. „Wenn man das beachtet, hat man eine fast vierzigprozentige Chance, zu den Geförderten zu gehören“, sagt Lipstein.  

3. Rechtzeitig anfangen!
Viele Stiftungen haben nur einen Bewerbungstermin im Jahr. Wer diese Frist verpasst, hat schlechte Karten und muss ein ganzes Jahr warten. Deshalb rechtzeitig nach den passenden Stipendiengebern suchen und die Bewerbungsunterlagen fertigstellen. „Etwa 80 Prozent der Stiftungen verlangen nur ein Anschreiben und einen Lebenslauf. Bei denen, die auch Gutachten verlangen, muss man mehr Zeit einkalkulieren“, rät Diana Lipstein.  

4. Bewerbungsunterlagen personalisieren!
Keinen Standardbrief versenden, der mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ beginnt. Machen Sie sich unbedingt die Mühe, den passenden Ansprechpartner herauszusuchen und ein auf die Stiftung zugeschnittenes Anschreiben zu schicken. Das Anschreiben sollte die Motivation der Bewerberin klar erkennen lassen, sich gerade bei dieser Stiftung zu bewerben. 

5. Auf das Bewerbungsgespräch vorbereiten!
Wenn man zu den Glücklichen gehört, die es ins Bewerbungsgespräch geschafft haben, gilt es, sich gut vorzubereiten. Wichtig ist es, den Stifter zu kennen und seine Absichten. Bewerberinnen sollten sich mit der Frage aus­einandersetzen, warum sie gerade zu dieser Stiftung passen. Gerade bei den großen Begabtenförderungswerken kann es in den Bewerbungsgesprächen unter anderem um das aktuelle Zeitgeschehen gehen. Auch darauf kann man sich vorbereiten. 

6. Von nervenden Nachfragen absehen!
Entscheidungsverfahren über Studienförderprogramme brauchen ihre Zeit. Bei kleineren Stiftungen hat man Chancen, schon nach zwei bis drei Monaten eine Antwort zu bekommen. Bei den großen Werken können leicht mal sechs Monate ins Land gehen, bis man mehr weiß. Dennoch sollte man von dauernden Nachfragen absehen, da diese meist nicht gut ankommen. 

Auch von der Tatsache, dass Frauen trotz besserer Noten schlechtere Chancen auf ein Stipendium haben als Männer, sollten Studentinnen sich nicht abschrecken lassen. Die ungleiche Vergabe zeigt eine aktuelle Studie von Mystipendium und der Mercator Stiftung. So brachte die Studie zum Vorschein, dass bei den Begabtenförderungswerken zwanzig Prozent weniger Frauen unter den Geförderten sind. Diana Lipstein sieht zwei Hauptursachen dafür, dass Frauen seltener von Stipendien profitieren: „Zum einen bewerben sich immer noch weniger Frauen auf Stipendien als Männer, zum anderen scheinen die Stipendiengeber immer noch bevorzugt Männer auszuwählen. Das gilt es dringend zu ändern.“  

Stipendien sind auf dem Vormarsch 

Von einem Stipendienwesen wie in den USA oder Großbritannien, wo Studium und Stipendium häufig in einem Atemzug genannt werden, ist Deutschland noch weit entfernt. Aber viele neue Initiativen wie das Deutschlandstipendium (www.deutschlandstipendium.de) oder Förderprogramme von Hochschulen sind Schritte in diese Richtung. Denn sowohl für die Universitäten als auch für den Stipendienempfänger bedeutet es eine enorme Entlastung, wenn der Lebensunterhalt der Studierenden gesichert ist und das Studium im Vordergrund stehen kann. „Ich habe gerade mit einer Studentin gesprochen, die jetzt dank eines Stipendiums endlich aufhören kann, nachts am Flughafen zu arbeiten. Stipendien bedeuten, dass sich der Stress deutlich reduziert und dass man endlich das machen kann, was die eigentliche Hauptaufgabe sein sollte: lernen und sein Studium vorantreiben“, berichtet Diana Lipstein. 

Die Gründerin der Suchdatenbank Mystipendium, Mira Meier, hat ein großes Ziel. „Ich wünsche mir, dass AbiturientInnen in Deutschland in zehn Jahren, wenn sie über Studienfinanzierung nachdenken, als Erstes an Stipendien denken.“  

 

Autorin: Claudia Klement-Rückel
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 12/2016

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