KDFB

Wie finanzkompetent sind Sie?

9 Fragen zum Thema Geld, mit denen sich jede Frau beschäftigen sollte

Heute kann es sich keine Frau mehr leisten, das Thema Finanzen links liegen zu lassen. Unwissenheit kann teuer werden, sei es beim Berufseinstieg, beim Abschluss von Versicherungen oder bei der Geldanlage. Testen Sie Ihre Finanzkompetenz!

1  Wissen Sie, welche Fixkosten Sie jeden Monat haben?           

Ein erster Schritt und gleichzeitig der wichtigste, um Finanzkompetenz zu gewinnen, heißt: einen Überblick zu gewinnen, wie hoch die festen monatlichen Kosten sind. „Denn wer seine festen Kosten kennt, weiß, was im Monat verbraucht oder was ge­spart werden kann. Nur so können eine Überziehung des Girokontos und Schulden vermieden werden“, erklärt Susanne Arndt vom VerbraucherService Bayern im KDFB (VSB) in Neufahrn.

Zu den monatlichen Fixkosten sollten die vielen kleinen Einkäufe wie das Eis am Kiosk, das Brot vom Bäcker und die Äpfel vom Obststand notiert werden. 

Wer seine Kosten lieber am Abend am Computer eingibt, kann sich im Internet unter dem Stichwort „Einfaches Haushaltsbuch“ mehrere Varianten zur Kostenauflistung kostenlos herunterladen. Die Sparkassen bieten unter ein Haushaltsbuch, das sich online führen lässt – natürlich kostenlos. Oder man erstellt sich selbst eine Liste im Programm Excel. Dazu legt man am besten vier Spalten an: Einnahmen, Ausgaben, Datum der Ausgabe sowie deren Bezeichnung. Oder noch einfacher: Die vier Spalten einfach in ein Schulheft zeichnen und dort alles notieren. Hauptsache, Sie behalten den Überblick!

2  Haben Sie einen Überblick über die Finanzen in Ihrer Partnerschaft? 

Falls Ihr Mann der „Bankier“ in Ihrer Partnerschaft ist: Haben Sie die Bankvollmachten für alle Konten? „Frauen sollten immer für den Notfall gerüstet sein. Denn sollte einmal etwas passieren, ist es unbedingt notwendig, weiterhin Zugang zu allen Konten zu haben“, sagt Verbraucherberaterin Susanne Arndt vom VSB. Auch umgekehrt gilt: Ihr Mann sollte Vollmachten für Ihre Konten haben.

Und fragen Sie sich: Sind alle Finanzunterlagen Ihrer Fa­milie übersichtlich sortiert, und gibt es eine Auflistung al­ler Konten und Verträge? Interessieren Sie sich für die ge­mein­same Steuererklärung! Das kann nicht schaden! Denn so gewinnen Sie einen Überblick über die Gesamtfinanzen Ihrer Familie.

3  Wissen Sie, welche Versicherungen Sie wirklich brauchen?

Eine Haftpflicht- und Krankenversicherung braucht jede, ob sie nun Berufseinsteigerin oder Rentnerin ist. Alle zusätzlichen Versicherungen sind abhängig von der individuellen Situation der Verbraucherin. Der eigene Versicherungsschutz muss zu den individuellen Risiken passen. Wer zum Beispiel gerne im Gebirge klettert, sollte eine Unfallversicherung abschließen. „Alleinerziehenden rate ich dringend zu einer Berufsunfähigkeits- und einer Risikolebensversicherung. Außerdem sollte an eine Kinderinvaliditätsversicherung gedacht werden, denn so können bleibende Schäden bei Kindern finanziell abgesichert werden“, empfiehlt Verbraucherberaterin Susanne Arndt vom VSB. Nicht vergessen: Eigene kleine Kinder oder Enkel unter sieben Jahren sollten als „deliktunfähiges Kind“ in die private Haftpflichtversicherung aufgenommen werden.

Ruth Steinert, freie Finanzberaterin, rät jungen Menschen zudem zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung: „Jedoch oh­ne Kombination zur Geldanlage, denn das ist zu teuer.“ Steinert, die sich ehrenamtlich als Schatzmeisterin im KDFB-Diözesanverband München-Freising engagiert, warnt davor, sich „überzuversichern“. In fast allen Haushalten bestünden überflüssige Versicherungsverträge, ein Paradebeispiel sei die Glasversicherung. Deshalb rät auch Arndt: „Überprüfen Sie bestehende Verträge! Was brauchen Sie wirklich? Denn hier kann oftmals viel Geld eingespart werden.“

4  Wissen Sie, welche Fördermittel Ihnen als Berufsanfängerin zustehen?

Wer am Anfang seines Berufslebens steht, sollte beim Arbeitgeber nachfragen, ob er vermögenswirksame Leistungen (VL) finanziell unterstützt. Bis zu 40 Euro im Monat sind möglich. „Da Ihr Gehalt am Anfang des Berufslebens noch nicht so hoch ist, bekommen Sie zusätzlich staatliche Förderung. Das ist mehr Rendite als mit einem herkömmlichen Sparvertrag. Daher sollten Sie einen VL-Vertrag auf jeden Fall abschließen, auch wenn der Chef sich nicht be­teiligt. Eine gute Geldanlage für VL-Leistungen sind Aktienfonds“, erklärt Finanzberaterin Ruth Steinert. Kombinieren Sie VL-Leistungen mit einem Bausparvertrag, dann springt bei einem niedrigen Einkommen auch noch die Wohnungsbauprämie heraus. Informationen zum Bausparen gibt die Stiftung Warentest.

Außerdem sollten Berufsanfängerinnen sich so früh wie möglich finanzielles Wissen aneignen. Davon ist KDFB-Frau und Unternehmensberaterin Alexandra Graßler aus Rettenbach überzeugt: „Alles, was man früh über Geldanlagen lernt, zahlt sich aus. Unabhängig zu sein und eigene Finanz-Entscheidungen treffen zu können, ist unendlich viel wert. Frauen müssen sich selbst versorgen können, vor allem wenn sie sich für Kinder entscheiden. Denn das Unterhaltsrecht hat sich ebenfalls verändert.“ Graßler hält Finanzkompetenz für ein eminent wichtiges Frauenthema. Deshalb ist sie gerade dabei, im Internet eine Frauen-Finanzschule aufzubauen.

Ein Tipp für Eltern oder Großeltern von BerufseinsteigerInnen: Schenken Sie Ihren Kindern oder Enkeln ein Finanzberatungsgespräch beim VSB!

5  Wissen Sie, wie viel Rente Sie zu erwarten haben?                                   

Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre Versorgungslage im Alter, um finanzielle Lücken zu erkennen! Dazu rät Verbraucherberaterin Susanne Arndt: „Für Frauen ist die Altersvorsorge ein ganz wichtiges Thema, denn die Rentenhöhe ist abhängig von der Beitragsdauer und Beitragshöhe. Allein durch Teilzeitarbeit wegen der Kinderbetreuung fällt bei vielen Frauen die Rente gering aus. Dazu kommt, dass Frauen statistisch fünf Jahre länger leben als ihr Partner. Die finanzielle Situation kann sich also auch noch im hohen Alter ändern.“

Die örtlichen Rentenberater der Deutschen Rentenversicherung können Ihnen Auskunft geben, wie hoch Ihre gesetzliche Rente sein wird. Zu den Themen Rentenlücke und zusätzliche Altersvorsorge beraten die VSB-Beratungsstellen und auch andere Verbraucherberatungsstellen.

Um Ihren Finanzbedarf im Alter zu ermitteln, sollten Sie für eine Beratung Unterlagen wie die gesetzliche Renteninformation, Depot- und Kontoauszüge von Spareinlagen, Standmitteilungen von Versicherern und den Jahresauszug für Ihre betriebliche Vorsorge zusammentragen. Sie können auch im Internetrechner kostenlos errechnen, wie viel Rente Sie mit Ihren privaten Sparraten erreichen können. Ob eine Rentenlücke im Alter bleibt, können Sie online ausrechnen.

Haben Sie eine große Rentenlücke errechnet, sollten Sie nachdenken, wie Sie sich privat absichern können. Wer Geld sparen möchte, sollte ein Anlageprodukt wählen und nicht über teure Versicherungen wie Renten-, fondsgebundene Renten- oder Lebensversicherung ansparen, rät Arndt.

Vielfach wird mit Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge eine Sofortrente angeboten. „Eine Sofortrente ist für jene Verbraucher sinnvoll, die über die gesetzliche Rente die Fixkosten nicht decken können“, sagt Susanne Arndt vom VerbraucherService Bayern.

Aktienfondssparpläne könnten eine Ergänzung der Altersvorsorge für junge Leute sein. „Wer in Aktien investiert, sollte sich immer des Risikos bewusst sein: Man kann gewinnen, aber auch Geld verlieren! Wichtig ist, dass der Verbraucher nicht mit seinem Notgroschen spekuliert. Diese Ergänzung zu den festverzinslichen Papieren sollte so gewählt werden, dass die Rendite der sicheren Anlagen gegebenenfalls die Verluste der spekulativen Papiere ausgleichen kann“, warnt Arndt.

Ein Tipp für Frauen: Lassen Sie Ihre Ansprüche auf gesetzliche Rente nicht verfallen, die jede Mutter hat. Sie müssen sich darum kümmern, wenn Sie nicht die fünf Jahre Mindestversicherungszeit erreichen, die für eine gesetzliche Rente notwendig sind. Die fehlenden Jahre können Sie durch freiwillige Beiträge auffüllen.

Die Deutsche Rentenversicherung informiert unter der kostenlosen Telefonnummer 0800/100048025. 

6   Angenommen Sie hätten 10.000 Euro. Wissen Sie, welche Anlageform für Sie günstig wäre?

Eine Geldanlage ohne Risiko gibt es nicht! „Selbst das Sparbuch beschert im Moment kaum den Ausgleich der Inflationsrate, und das Risiko für ein spekulatives Produkt kann im schlimmsten Falle den gesamten Sparbetrag vernichten“, gibt Wolfgang Borcherts, Fi­nanzexperte beim VerbraucherService Bayern in München, zu bedenken.

Wenn Sie eine unabhängige Beratung bei einer Bank suchen, müssen Sie wissen, dass Sie häufig nur ein Verkaufsgespräch zu den Anlageprodukten der jeweiligen Bank erhalten. Wer Geld anlegen will, sollte sich daher vorab informieren und grundlegende Kenntnisse haben: Was ist ein Tagesgeldkonto, was ist ein Sparvertrag? Was sind Aktien oder Fonds? Wie lange ist mein Geld gebunden? Ist die Verzinsung sicher oder ist sie fraglich wie bei spekulativen Produkten? Denn bei einer Geldanlage ist es wichtig, das Gesamtprodukt zu verstehen. „Wenn nicht alle Aspekte des Produkts verstanden werden, sollte es nicht zu einem Vertragsabschluss kommen. Auch wenn der freundliche Bankberater vermeintlich das Risiko überblicken kann, tragen werden Sie es letztlich“, weiß Borcherts, der auch davor warnt, den Anlagetipps vom Vater oder von Freunden zu vertrauen. Denn: „Jedes Leben ist grundverschieden. So ist auch die Finanzsituation von jedem Menschen ganz individuell.“

Für den VerbraucherService Bayern bietet Borcherts in München Finanzberatungen mit Vermögensanalyse an. Am Anfang wird die jeweilige Ist-Situation analysiert und das Sparziel definiert: Wo will ich hin? Soll der Lebensabend abgesichert oder ein Haus gekauft werden?

Beim zweiten Schritt geht es um die sogenannte „Risikotragfähigkeit“: Welches Risiko können Sie tragen? Notfalls auch den Totalverlust Ihrer Einlage?

Vom Sparziel und der Risikotragfähigkeit wird die Anlagestrategie abgeleitet, bei der Veränderungen der Märkte und der persönlichen Verhältnisse mit einbezogen werden müssen.

Wer Geld anlegen will, dem empfiehlt Borcherts, sein Kapital zu streuen: „Investieren Sie in verschiedene Bereiche wie zum Beispiel Bargeld, Aktiendepot, Versicherungen oder Immobilien.“

Einsteigern in den Aktienmarkt rät der ehemalige Anlageberater: „Erster Grundsatz: Billig kaufen und teuer verkaufen! Zweitens: Aktienfonds sind wegen der Streuung sinnvoller als Aktien einzelner Unternehmen. So ist man besser vor Risiken von Einzelunternehmen geschützt.“

Die Zeitschrift Finanztest rät Aktien-Einsteigern und vorsichtigen Anlegern zu ETF-Fonds (Exchange Traded Funds). Das sind weltweit anlegende Fonds, die das Risiko streuen, indem sie besonders breit investieren. 

Borcherts Tipps: „Nur in Aktien investieren, wenn Sie Verluste auch aushalten können – psychisch wie finanziell! Und falls Sie sich für ein Sparprodukt entscheiden: Prüfen Sie, in welchem Verhältnis die Kosten für das gewählte Finanzprodukt – wie zum Beispiel Provisionen oder jährliche Verwaltungsgebühren – zu Ihrer Rendite stehen.“

Wenn Sie bei Ihrem Aktieninvestment Unternehmen meiden wollen, die zum Beispiel in Rüstung, Gentechnik oder Atomenergie tätig sind, könnten für Sie ethisch-ökologische Aktienfonds interessant sein. Finanztest empfiehlt, wegen der Wertschwankungen mindestens rund zehn Jahre Anlagezeit einzuplanen. 

7  Ist es klug, in Gold zu investieren?

Gold gilt als Krisenwährung und Inflationsschutz. „Allerdings sollten Sie eine Anlage in das Edelmetall genau prüfen. Denn auf Goldinvestments bekommen Sie keine laufende Verzinsung“, so VSB-Finanzexperte Wolfgang Borcherts. Wenn Sie in Gold anlegen, hängt die Entwicklung Ihres Vermögens ausschließlich vom Goldpreis ab und dieser kann beträchtlich schwanken. „Unter Umständen kann es sehr lange dauern, bis das Gold wieder den Wert des Einkaufspreises hat“, so Borcherts.

8  Sind Immobilien zur Zeit die sicherste Anlage?

Eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus können ein sehr beruhigender Beitrag zur Altersvorsorge sein, weiß Finanzexpertin Ruth Steinert aus München: „Natürlich haben Immobilien auch Risiken. Wenn Sie jung sind und noch nicht wissen, wo Sie sich niederlassen wollen, empfiehlt es sich, noch keine Immobilie zur Eigennutzung zu erwerben. Das Risiko, dass Sie durch einen Standortwechsel die Immobilie wieder verkaufen müssen, ist zu hoch.“ Anders gestaltet sich das Thema, wenn Sie nur eine Immobilie zur Kapitalanlage kaufen wollen: Steinert rät, auf Folgendes zu achten: Wird sich die gekaufte Immobilie gut vermieten lassen? Denn bei Immobilien ist eines entscheidend: die Lage. „Achten Sie auf eine hohe Mieteinnahme bei möglichst niedrigem Kapitaleinsatz. Dann ist Ihre Rendite gut“, so Steinert.

Zur Vorsicht bei Krediten zur Immobilienfinanzierung rät VSB-Beraterin Susanne Arndt: „Die Zinsen sind gerade sehr niedrig, und viele verwirklichen sich nun ihren Traum von der eigenen Immobilie, die sie sich sonst nie hätten leisten können. Doch immer auch die Anschlussfinanzierung im Auge behalten. Können Sie den Kredit auch noch stemmen, wenn zum Beispiel in zehn Jahren der Zinssatz gestiegen ist?“

9   Können Kredite wirklich in den Ruin führen?

Kredite sind Schuldenfallen! Zu Anfang sind es nur sogenannte „Wohlfühlkredite“ für Handyverträge, Versandhandelskäufe oder Wohnungseinrichtungen. Eine veränderte Lebenssituation wie die Geburt eines Kindes oder ein Jobverlust kann dann schnell in die Zahlungsunfähigkeit führen. „Die Überschuldung ist dann weniger das Ergebnis eines ausufernden Lebensstils, sondern der Tatsache geschuldet, dass kleine Wünsche nebenher scheinbar mühelos bezahlt werden können, glaubt man den kreativen Werbeaussagen“, weiß Susanne Arndt vom VSB. Bei Zahlungsschwierigkeiten und Überschuldung helfen die Caritas-Schuldnerberatungsstellen. Junge Menschen informieren sich auch bei der Caritas in München zum Thema Schulden.

Und noch ein Tipp: Die Zeitschrift Finanztest warnt da­vor, den Dispokredit, der zu Ihrem Girokonto gehört, zu oft und zu kostenintensiv in Anspruch zu nehmen, denn er ist der teuerste Kredit Ihrer Bank. Brauchen Sie eine größere Summe für längere Zeit, sollte Sie einen Abruf- oder Ratenkredit wählen. Die Zinsen für diese Kredite sind meist niedriger. Finanztest informiert monatlich aktuell.

Karin Schott
KDFB Engagiert 6/2015

In Verbindung stehende Artikel: