KDFB

Ich bin deine Patin

Wer sein Kind taufen lassen möchte, braucht dafür mindestens eine Taufpatin oder einen Taufpaten. Und nach der Feier? Wie füllen Paten ihr Amt aus? Und wie unterstützen sie die Eltern? Drei Beispiele.

Monika Tremel hat schon mehrmals in einer Kirche ihr Ja-Wort gegeben: vor 21 Jahren ihrem Mann, später dann ihren Patenkindern Paula und Anna. „Du sollst dein Patenkind auf dem Lebensweg begleiten, es im Glauben mittragen und es hinführen zu einem Leben in der Gemeinschaft der Kirche. Bist du bereit, diese Aufgabe zu übernehmen und damit die Eltern zu unterstützen?“, fragte sie der Pfarrer bei Paulas Taufe. Monika Tremel, damals 29 Jahre alt, war gerne bereit.
„Ich habe mich riesig gefreut, als mir Paulas Eltern das Patenamt angeboten haben“, erinnert sich die Pastoralreferentin aus Kalchreuth bei Nürnberg: „Es war für mich eine Ehre und ein Vertrauensbeweis.“ Sie stürzte sich in ihre neue Aufgabe: Jede Woche besuchte sie ihr 30 Kilometer entferntes Patenkind, sie half den Eltern als Babysitterin aus, unternahm etwas mit „ihrer“ Paula, die auch bei ihr übernachten durfte. Es sei ihr Probelauf als Mutter gewesen, erklärt die 47-Jährige. Noch heute besteht eine innige Beziehung zu ihrer 17-jährigen Patentochter und deren Eltern.
Zur Familie gehören

Die beiden Familien feiern gemeinsam Heiligabend, fahren zusammen in die Ferien, sehen sich regelmäßig. „Wir gehören jeweils zur anderen Familie“, sagt Monika Tremel. Sie empfindet das Freundschaftsband als Geschenk. So sehr, dass Paulas Vater Taufpate ihres Sohnes wurde. So sehr auch, dass sie und ihr Mann gerne versprachen, für Paula und ihren Bruder zu sorgen, sollte den Eltern etwas zustoßen.
Monika Tremel ist überzeugt, dass die Eltern eines Patenkindes eine große Rolle dabei spielen, wie sich eine Beziehung zwischen Paten und Patenkind entwickelt. „Paulas Eltern haben mir überlassen, wie ich das Amt ausfülle“, sagt die 47-Jährige. Und sie unterstützten sie, fuhren die Tochter zur Patentante, vertrauten sie ihr jederzeit an. „Für Paula dasein, als Begleiterin und Vertrauensperson“, so sieht Monika Tremel seit jeher ihre Rolle. Und sie hat sich bewusst für ihr Patenkind engagiert, hat viel Zeit investiert, gerade weil sie nicht mit ihm verwandt ist. Sie selbst war ihrer Patentante nie so nahe, obwohl es ihre leibliche Tante ist. Der Bäuerin fehlte schlicht die Zeit, um etwas mit dem Patenkind zu unternehmen.
Füreinander da sein
„Für mich gehört Moni mehr zur Familie als meine Tanten und Onkels“, sagt Paula. „Als ich klein war, hatte sie ganz viel Zeit nur für mich, sie war wie eine zweite Mama und eine Spielkameradin. Heute ist sie eine sehr enge Vertraute, der ich alles erzählen kann.“ Wenn Paula in ihrem Freundeskreis von ihrer Patentante erzählt, erntet sie neidische Blicke. Denn so eine engagierte Patin haben die meisten nicht: Geldgeschenke zum Geburtstag und an Weihnachten – von mehr als diesen üblichen Zuwendungen hört Paula selten in ihrem Freundeskreis. Was gemeinsam unternehmen? Eher nicht. „Viele haben Tanten oder Onkels als Paten und sehen sie eigentlich nur bei Familienfeiern“, sagt die 17-Jährige.
Paulas Eltern sind Theologen, ihre Patentante auch. „Mit Moni unterhalte ich mich aber nicht ständig über Glaubensdinge“, meint Paula und lacht. Auch Monika Tremel sieht ihr Versprechen, Paula im Glauben mitzutragen, nicht so eng: „Man muss mit seinem Patenkind nicht ausdrücklich von Gott sprechen oder über Glaube und Religion“, findet sie: „Der Glaube schwingt mit, wenn ich spürbar mache, wie ich lebe und denke.“ Um Paulas religiöse Erziehung braucht sie sich keine Sorgen zu machen.

Den Lebensweg mitverfolgen

Genauso wenig bei Anna, ihrem zweiten Patenkind. Auch deren Eltern sind Theologen und wünschten sich eine Patentante, die spirituell auf gleicher Wellenlänge ist. Gerne hätte Monika Tremel sich Anna ebenso intensiv gewidmet wie ihrem ersten Patenkind. „Aber mit zwei eigenen Kindern und Beruf war das so nicht drin“, sagt sie. Dennoch hat sie den Lebensweg der mittlerweile zwölfjährigen Anna aufmerksam verfolgt, bei Familientreffen an Geburtstagen, Weihnachten, zur Kommunion und auch mal spontan. Anna, älteste von vier Geschwistern, weiß sehr wohl, dass sie in Moni eine Vertrauensperson hat. Eine, der man durchaus mal einen Herzenswunsch anvertrauen kann. Eine, die mitkommt, wenn man sich seinen ersten Bikini kaufen will. Und eine, die sich nicht nur als Tauf-, sondern auch als Firmpatin eignet. Groß war Monika Tremels Freude, als Anna sie ganz selbstständig zur Firmpatin wählte.

Der Namenstag als gemeinsames Fest

Petra Fink wurde von ihrem Patensohn „entpflichtet“, so sagt sie es selbst. Sie ist aber kein bisschen enttäuscht. Der dreizehnjährige Jakob aus Nürnberg hat eine andere Wahl getroffen. Als Firmpaten wünschte er sich einen Mann und nicht seine wohlvertraute Patentante. Eine verständliche Entscheidung, findet diese. „Ich finde es gut, dass Jakob nun noch eine männliche Vertrauensperson hat“, sagt Petra Fink, Vorsitzende des Frauenbund-Zweigvereins Rauenzell. Das tue der Verbindung zu ihrem Patenkind, die sie auch über hunderte von Kilometern gepflegt hat, keinen Abbruch. Petra Fink will Jakob auch in Zukunft zur Seite stehen und mit seiner Familie eng verbunden bleiben.
„Als mich Jakobs Eltern vor dreizehn Jahren gefragt haben, ob ich eine von zwei Taufpatinnen werden will, haben sie mir genau gesagt, wie sie sich das vorstellen“, erzählt die 48-Jährige. Zeit schenken und für Jakob da sein, das war ihnen wichtig, erinnert sich Petra Fink. Als Symbol der Patenschaft dient eine Skulptur. Jakobs Eltern wünschten sich, dass sich die Taufpatinnen an einer Heiligenfigur beteiligten, die ein Schnitzer eigens für Jakobs Taufe angefertigt hat. Die Idee dahinter: Der geschnitzte Heilige Jakob sollte jeweils ein Jahr lang bei einer der Patinnen und bei Jakob aufbewahrt werden – zusammen mit einem Buch, in dem Gedanken und Notizen zu gemeinsamen Ausflügen und Erlebnissen festgehalten werden. „Zur Übergabe der Figur am Namenstag haben wir uns jedes Jahr getroffen – Patinnen und Patenkind samt Familie. Es wurde immer ein kleines Fest bei einem der Beteiligten, der gerade den Holz-Jakob hatte“, erinnert sich Petra Fink. Ein Ausflug mit einer kleinen Andacht in einer Jakobskapelle stand dabei auf dem Programm. „Ich habe es als wichtig empfunden, dass wir füreinander gebetet und gesungen haben“, verrät Fink. Die jährlichen Treffen seien Ausdruck einer gemeinsam gelebten Spiritualität gewesen, erklärt die Religionspädagogin. Genauso wie eine Fahrt nach Assisi. Bald steht ein gemeinsamer Ausflug mit dem neuen Firmpaten an. „Jakob hat jetzt drei Paten an seiner Seite“, sagt Petra Fink. „Drei Menschen, von denen er weiß, dass sie an ihn denken und für ihn da sind.“
Vertrauensperson sein
Anna-Maria Bayrhof war gerade volljährig, als sie vergangenes Jahr Taufpatin ihrer kleinen Nichte wurde. Aufgeregt sei sie gewesen, als ihr Bruder sie darum gebeten hatte. „Das war ja was Neues für mich, ich wusste: Da kommt was auf mich zu!“, erzählt die 19-Jährige aus Haldenwang im Allgäu. Der kleinen Emilia schenkte sie einen Taufring, außerdem richtete sie ein Sparkonto ein, dass sie regelmäßig bestücken will, „damit Emilia später was für den Führerschein hat“. Dass gemeinsame Zeit aber wertvoller ist als jedes andere Geschenk, steht für sie absolut fest. „Ich will mit Emilia den Weg durchs Leben gehen und ihr die nächste Vertrauensperson sein“, sagt Anna-Maria Bayrhof. Wenn Emilia in die Pubertät kommt, wird ihre Patentante Anfang dreißig sein. „Der Altersunterschied ist nicht so groß, da ist man nahe dran“, glaubt die 19-Jährige. Ob sie für ihre eigenen Kinder auch eine Taufpatin oder einen Taufpaten aus der Familie wählen würde? „Schon eher. Die Familie ist immer da“, meint sie: „Freunde verlieren sich öfter.“

Carola Renzikowski
KDFB Engagiert-Die Christliche Frau, Ausgabe 5/2014

In Verbindung stehende Artikel: