KDFB

Frauen auf der Flucht

Ihre Menschenrechte werden mit Füßen getreten: Es sind schwerste Verbrechen, die Frauen weltweit dazu nötigen, ihre Heimat zu verlassen. Sie suchen Zuflucht in Deutschland und brauchen dringend Hilfe. Jede Frauenbundsfrau ist aufgerufen mit anzupacken. Viele wollen helfen. Doch wie geht das am besten?

Finden oder gründen Sie Helferkreise 

Zahlreiche große Organisationen wie Caritas, Diakonie, Innere Mission, Katholische Sozialdienste, Malteser unterstützen Flüchtlinge und sind dankbar für ehrenamtliche Mithilfe. Wer sich engagieren will, kann sich vielerorts einem bestehenden Helferkreis anschließen. Die Kontakte zu den Organisationen sind über das Internet zu finden. Es ist auch möglich, bei der Stadt oder der Gemeindeverwaltung telefonisch anzufragen. In kleineren Orten müssen sich Helferkreise oft erst formieren. Organisatoren dieser Kreise können Kirchengemeinden, das Landratsamt oder auch Aktive aus dem Frauenbund sein. Wenn in einem Ort Asylbewerber neu angesiedelt werden, bieten in der Regel Informationsabende die Gelegenheit, einen Helferkreis zu gründen.  

 

Bei Sachspenden: Erst den Bedarf klären

Der Bedarf an Kleidung und Sachspenden ist regional sehr unterschiedlich. Zum Beispiel sind in München die Kleiderlager voll, wie die Innere Mission meldet. Sie ist zuständig für die Annahme, Sortierung, Lagerung und Verteilung der Spenden. Einzelpersonen ist es nicht möglich, ihre alten Kleider direkt in Flüchtlingslagern zu verteilen. In kleineren Orten laufen Anfragen nach Kleidung oder bestimmten Gebrauchsgegenständen informeller. „Wir haben sehr schnell gemerkt, dass auf dem Land für Flüchtlinge ohne Fahrrad nichts geht“, berichtet Erika Ahr. Die KDFB-Bezirksleiterin aus Grünenbach im Allgäu engagiert sich für die elf AsylbewerberInnen, die im Juli in ihrem Ort untergebracht wurden. „Vieles, was sie brauchten, hatten wir ganz schnell über den Frauenbund beisammen. Per Rundmail haben wir abgefragt, wer hat was, Fahrrad oder auch Staubsauger.“ Sie ist überzeugt: „Das ist die Stärke des Frauenbunds, dass wir gut vernetzt sind.“ 

Zielgerichtet helfen 

Ganz oben auf der Liste zur Unterstützung von Flüchtlingen stehen: Sprachunterricht, Begleitung bei Behördengängen und Arztbesuchen sowie Fahrdienste, wenn Asylbewerber auf dem Land untergebracht sind. Der KDFB-Diözesanverband Passau, der bei seinen Zweigvereinen nachgefragt hat, wer in der Flüchtlingsarbeit engagiert ist, sieht das bestätigt. An mehreren Orten suchen die Helferkreise pädagogisch ausgebildete Personen, um Sprachunterricht zu erteilen. Die Informationsbroschüre der Caritas „Flüchtlinge und Asylbewerber begleiten und unterstützen“ (zum Herunterladen im Internet) erläutert den Bedarf: „Für Asylbewerber gibt es kein einheitliches Angebot an Deutschförderung.“ 

Sich zur Ämterlotsin ausbilden lassen

Wenn AsylbewerberInnen zu Ämtern oder Ärzten müssen, können ihnen Begleitpersonen Vieles erleichtern. Irmgard Steinberger, KDFB-Frau aus Neufahrn, empfiehlt aber, eine Fortbildung zur Ämterlotsin zu besuchen. „Da lernt man zum einen viel Fachliches. Man erfährt aber auch, dass man sich überlegen muss, wie weit man private Kontakte mit den Begleiteten pflegen will und kann.“ Ämterlotsen helfen Menschen, die es überfordert, Formulare, Briefe und Anträge alleine auszufüllen oder Gespräche mit SachbearbeiterInnen in den Ämtern alleine zu führen. Eine Fortbildung zur ÄmterlotsIn wird nicht flächendeckend angeboten. Möglichkeiten bieten zum Teil die Diakonie und die Caritas, aber auch manche politische Gemeinde. 

Keinen Neid schüren

Immer wieder erfahren Engagierte von einzelnen Notsituationen und werden spontan aktiv. So stattete der Spendenfonds des KDFB-Diözesanverbandes Eichstätt beispielsweise einen Erstklässler aus Nigeria mit dem Nötigsten aus, als er eingeschult wurde. „Die Familie ist erst seit Kurzem im Asylbewerberheim in Denkendorf untergebracht“, berichtet Walburga Kretschmeier. Die stellvertretende Diözesanvorsitzende ist überzeugt, dass sie die Freude des Kindes über den Schulranzen und seine neuen Schuhe nicht vergessen wird. 

Unterstützerorganisationen bitten Helfer, darauf zu achten, innerhalb von größeren Asylbewerberunterkünften Zuwendungen möglichst gleichmäßig zu verteilen, um Neid und Eifersucht gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Kreative Ideen entwickeln

Flüchtlingshilfe kann sehr kreativ gestaltet werden. Das zeigen die Zweigvereine im Diözesanverband Passau. Da wird in einem Internationalen Café mitgearbeitet, Asylbewerber in die örtlichen Vereine eingeladen, Ausflüge mit Kindern organisiert oder regelmäßige Bastelangebote gemacht. In Kochkursen lernen die TeilnehmerInnen voneinander. Asylbewerber erhalten Gutscheine, damit sie sich Kaffee und Kuchen beim Pfarrfest oder an Erntedank leisten können, und der Frauenbund beteiligt sich an der Organisation eines Willkommensfestes. Eine Frauenbundsfrau aus Ingolstadt berichtet: „Jeden Montag um 16 Uhr beten die Mitglieder von „Frauenbunt“, einem Kreis jüngerer Frauenbundsfrauen im Zweigverein St. Anton, für den Frieden und für die Menschen, die vom Krieg betroffen sind.“

Hilfeempfänger zu Gebern machen

Wer Hilfeempfänger zu Gebern macht, hilft ihnen ganz besonders, sich in ihre neue Lebenswelt einzugliedern. Beispiel: Mit Begeisterung haben sich drei Asylbewerberinnen aus Grünenbach im Westallgäu an einer Aktion für Brustkrebspatientinnen beteiligt. Ende Oktober konnten sie rund 300 Kissen in Herzform, die für frisch Operierte besonders gut geeignet sind, an die Kliniken in Waldburg-Zeil übergeben. Schon viele KDFB-Zweigvereine haben sich an ähnlichen Nähaktionen beteiligt. In Grünenbach sorgte Irene Eugler vom Leitungsteam des Zweigvereins für die Ausstattung der Asylbewerberinnen mit Nähmaschinen und Material.

Anne Granda

KDFB Engagiert – Die Christliche Frau Ausgabe 12/2014

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