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Wie sicher ist die Datenautobahn für die Medizin?

Annette Widmann-Mauz (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium

Annette Widmann-Mauz (CDU) ist Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium und Mitglied im Frauenbund. Sie gibt Auskunft über gesetzliche Weichenstellungen zur Telemedizin. 

Was ist das Hauptanliegen des neuen E-Health-Gesetzes, das der Bundestag vor Kurzem verabschiedet hat?

Annette Widmann-Mauz: Mit diesem Gesetz schaffen wir in Deutschland eine umfangreiche Infrastruktur, die einen sicheren elektronischen Datenaustausch im Gesundheitswesen er­möglicht. 

Wie ist die bisherige Situation?

Annette Widmann-Mauz: Fast alle Praxen und Krankenhäuser nutzen bereits digitale Daten auf hohem Niveau, und das bei rund 1,5 Milliarden Behandlungen pro Jahr. Aber wenn dann die rund fünf Milliarden Behandlungsdokumente ausgetauscht werden, läuft das bei uns im Land meist noch per Fax oder gar per Post. 

Das heißt, wir haben ein Vernetzungsproblem, weil eine Datenautobahn fehlt. Das ist so, als hätte man lauter Sportwagen, aber nur Feldwege, auf denen man fahren kann. Mit dem E-Health-Gesetz schaffen wir jetzt die Autobahnen.

Was wird sich für die PatientInnen ändern?

Annette Widmann-Mauz: Ab Oktober 2016 können Patientinnen und Patienten, die mehr als drei Medikamente einnehmen, einen Medikationsplan erhalten. Der Arzt kann dann direkt sehen, welche Medikamente gerade eingenommen werden. So lassen sich gefährliche Wechselwirkungen verhindern, an denen heutzutage viel zu viele Menschen sterben. Der Medikationsplan soll insbesondere Älteren und Alleinstehenden eine Hilfe sein. Zunächst wird er auf Papier aufgezeichnet, mittelfristig soll er über die elektronische Gesundheitskarte abrufbar sein. 

Was wird noch auf der Gesundheitskarte gespeichert?

Annette Widmann-Mauz: Ab 2018 wird es möglich sein, Notfalldaten, zum Beispiel Allergien oder Vorerkrankungen, auf der Gesundheitskarte zu speichern. Vorausgesetzt, der Patient wünscht es. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wenn es beispielsweise bei einem Unfall schnell gehen muss, kann der Arzt künftig diese wichtigen Daten direkt von der Gesundheitskarte abrufen.

Wie sicher sind dann sensible Daten?

Annette Widmann-Mauz: Die neue Datenautobahn im Gesundheits­wesen erfüllt die höchsten Sicherheitsstandards, sie sind höher als die der EC-Bankkarte. Der Zugriff der Ärzte auf die Daten wird protokolliert. Krankenkassen sind zur Information verpflichtet. Medizinische Daten werden verschlüsselt. Der Patient kann auch Daten löschen lassen. Der Patient ist jederzeit Herr über seine Daten und bestimmt selbst, ob und welche medizinischen Daten gespeichert werden und wer sie lesen darf. 

Interview: Maria Sileny
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 1+2/2016

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