KDFB

Weck die Ellen Ammann in dir!

Geht das tatsächlich: In mir etwas wecken, was ein anderer Mensch gelebt hat? Versuchen Sie es einmal mit Ellen Ammann! Die Gründerin des Frauenbundes in Bayern hat in ihrem Leben viele Pfade erfolgreich beschritten, sodass ihr Tun bis heute Anregung für eigenes Handeln werden kann.         


Lassen Sie sich von den Lebensstationen Ellen Ammanns inspirieren, bevor Sie sich an der Mitmach-Aktion beteiligen.
 

Die Not sehen: Bahnhofsmission
Die in Stockholm geborene Ellen Aurora Sundström (1. Juli 1870 bis 23. November 1932) heiratet 1890 den Orthopäden Ottmar Ammann. Die Schwedin folgt ihm in seine Heimatstadt München und übernimmt die Verwaltung seiner orthopädischen Praxis. Gleichzeitig gründet das Paar eine Familie: Ellen Ammann bringt bis 1903 sechs gesunde Kinder, fünf Jungen und ein Mädchen, zur Welt und übersteht mehrere Fehlgeburten. Die Fülle der Aufgaben in Beruf und Familie hält sie nicht davon ab wahrzunehmen, zu welch elendem Leben andere gezwungen sind. Der Verlust von Arbeitsplätzen auf dem Land treibt Arbeitsuchende in Scharen in die Stadt. Alleinstehende Frauen finden als Dienstmädchen, Kellnerinnen oder im Verkauf ein Auskommen. Doch bei ihrer Ankunft am Münchner Hauptbahnhof lauern den Unerfahrenen Mädchenhändler auf. Hier setzt Ellen Ammann an. Sie sorgt dafür, dass es ab April 1897 einen „Empfangsdienst“ direkt vor Ort gibt. Ein Tisch dient der ersten katholischen Bahnhofsmission Deutschlands jahrelang als Anlaufstelle.
Spüren Sie wie Ellen Ammann hin, zu welcher Aufgabe Sie sich gezogen fühlen: Fast jede kann sagen: „Die Last meines Alltags ist mehr als genug.“ Und doch wird es für jede ein Anliegen geben, das das eigene Herz zutiefst berührt. Welches ist das für Sie? Wo möchten Sie aktiv werden? Könnten Sie wie Ellen Ammann mit etwas ganz Einfachem beginnen? Oder möchten Sie da weitermachen, wo Ellen Ammann begonnen hat? Mehr Informationen zur vielfältigen Arbeit der Bahnhofsmissionen heute in KDFB engagiert 10/2019 und unter www.engagiert.de.

Gemeinsam stark: der Frauenbund
„Endlich ist das Solidaritätsgefühl der deutschen Frauen erwacht!“, begrüßt Ellen Ammann bei der ersten Generalversammlung des KDFB im November 1904 in Frankfurt die Anwesenden. Sie spricht von der Solidarität unter katholischen Frauen, die bis zur Gründung des KDFB in Köln 1903 in Deutschland keine verbandliche Vertretung hatten. Ellen Ammann ist klar, dass die Stimme der katholischen Frauen nur durch eine Gemeinschaft Gewicht erhält – und zwar vor Ort. Das macht eine Gründung in München notwendig. Ob das ihre Aufgabe sein könnte, erwägt Ellen Ammann gründlich. Gerade ist ihr jüngstes Kind geboren, und durch ihren Einsatz für den Frauenschutz am Bahnhof weiß sie, wie viel Arbeit auf sie zukommt. Es dauert Monate, bis sie die Bedenken überwindet und sich stark genug fühlt für die Aufgabe. Am 6. Dezember 1904 ist es so weit: Der Bayerische Landesverband des KDFB wird ins Leben gerufen.
339 Frauen treten dem Bund bei. Ellen Ammann wird Erste Vorsitzende. Der Verband wächst rasant. 1911 hat der KDFB schon 17 Vereine mit 2500 Mitgliedern.
Wollen Sie sich Bündnispartnerinnen suchen wie Ellen Ammann? Das eigene Engagement kann durch die Solidarität anderer wachsen. Wenn Sie sich für eine Sache begeistern: Finden Sie heraus, ob andere mitmachen möchten. Der nächste Schritt könnte sein, Ihr Projekt im KDFB-Zweigverein vorzustellen, um Mitstreiterinnen zu gewinnen.

Auf Bildung setzen: Seminare
„Es fehlt an geistigem Rüstzeug“, das wird Ellen Ammann klar, als sie für das karitative Engagement Frauen und Mädchen findet, die bis zum Äußersten hilfsbereit sind. Für die verantwortungsvolle Arbeit am Menschen haben sie aber keine ausreichenden Kenntnisse. Den Zugang zur Bildung müssen sich Frauen zu Lebzeiten Ellen Ammanns erst noch erkämpfen. Im sozialen Bereich wird Ellen Ammann dabei sehr erfolgreich: Wieder beginnt sie ganz klein. Die karitative Sektion des Münchner Frauenbunds bietet ab dem Wintersemester 1905/06 soziale Seminare für Damen an. Die Anzahl der Kurse steigt, ein zweijähriges Schulungsprogramm entsteht, und eine Schule zur Ausbildung von Wohlfahrtspflegerinnen entwickelt sich, die 1926 staatlich anerkannt wird. Inzwischen ist die Schule in die Katholische Stiftungsfachhochschule München integriert.  
Legen Sie viel Wert auf Aus- und Fortbildung wie Ellen Ammann: Auch für ehrenamtliches Engagement ist gutes Rüstzeug wichtig. Überlegen Sie: Welches Wissen fehlt mir für meinen Einsatz? Das Bildungswerk des KDFB bietet Schulungen für den ehrenamtlichen Einsatz. Mehr unter www.bildungswerk-kdfb-bayern.de

Veränderungen durchsetzen: Politik
„Die Kollegin Ammann hat damals mehr Mut bewiesen als manche Herren in Männerhosen.“ So bewertet der stellvertretende Ministerpräsident Franz Matt den Mut von Ellen Ammann beim Hitlerputsch am 9. November 1923. Sie war es, die Matt und einigen Mitgliedern der Regierung rechtzeitig zur Flucht aus München verhalf. So gerieten diese nicht in die Hände der Aufständischen und konnten Gegenmaßnahmen einleiten. Seit 1919 im Landtag, legt Ellen Ammann viel Beharrlichkeit an den Tag, um auf sozialem Gebiet die Nöte der Bevölkerung zu lindern. Ihr Blick richtet sich dabei gezielt auf die Bedürfnisse von Frauen. Immer wieder plädiert sie für rechtliche Gleichstellung und Interessenvertretung für bürgerliche Frauen.  
Sie können wie Ellen Ammann Ihr Engagement für die Allgemeinheit in einem politischen Amt vertiefen: Frauenbundfrauen, die sich lange im Verband eingesetzt haben, gelingt oftmals der Sprung in die Politik. Vielleicht ist das auch für Sie ein guter Weg? Beim KDFB gibt es Schulungen, die für ein Auftreten in der Öffentlichkeit hilfreich sind.

Gott suchen, ein Leben lang: Glaube
„Nichts Außergewöhnliches, aber das Gewöhnliche außergewöhnlich gut und endlich beharrlich.“ So lautet das Motto der spirituellen Gemeinschaft, die Ellen Ammann 1919 als „Vereinigung katholischer Diakoninnen“ begründet. Ihr Leben scheint dem Motto etwas zu widersprechen. Sie hat Außergewöhnliches geschaffen, und ihre Beharrlichkeit reicht bis heute. Alle Einrichtungen, die sie gegründet hat, existieren noch. Der Begriff Beharrlichkeit passt sehr gut auf Ellen Ammanns Spiritualität. Seit ihrer Jugend war sie mit und über Gott im Gespräch. Immer teilte sie mit einer Seelenfreundin, einem Geistlichen, ihrer Familie oder einer frommen Schar von Frauen diese Suche. Und sie versuchte jedem klarzumachen, dass sie die Kraft für all ihr unermüdliches Handeln aus der Beziehung zu Gott schöpft.
Wie Ellen Ammann aus dem Gebet leben: Zahlreiche spirituelle Angebote zur Vertiefung des Glaubens bieten die Bildungsprogramme der Diözesanverbände des KDFB. Die Mitglieder des Säkularinstituts, das Ellen Ammann gegründet hat, laden Interessierte zum Kennenlernen ein. Mehr unter www.ancillae-ase.de

Autorin: Anne Granda
aus: KDFB engagiert 7/2020