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Was will Gott durch mich sagen?

Predigt vor Familien: Christina Brandl-Bommer, Foto: privat

"Zieht Jesus an!“ Diese Aufforderung begleitet die Kinder aus Neufahrn bei Freising in der Vorbereitung auf die Kommunion. Jetzt sitzen sie in der ersten Reihe der Pfarrkirche, und Pastoralreferentin Christina Brandl-Bommer fragt sie, wie das wohl geht, Jesus anzuziehen.

„Heißt das vielleicht, dass ihr jetzt jeden Tag euer Jesus-T-Shirt, das ihr selbst gestaltet habt, anzieht?“ Alle lachen, und Schritt für Schritt entwickelt sie im Gespräch mit den Kindern Ideen, wie es gelingen könnte, Jesus nahezukommen, und was dann passiert. „Es geht völlig über die Kinder hinweg, wenn sie nicht einbezogen sind“, erläutert die Theologin diese Form zu predigen. Und die Erfahrung hat sie gelehrt, dass Predigten, bei denen Kinder angesprochen sind, genauso gut auf die Er­wachsenen wirken.

Rechenschaft über die eigene Spiritualität geben

Der Diplomtheologin, die sowohl im Studium wie in ihrer fünfjährigen pastoralen Ausbildung predigen gelernt hat, ist es wichtig, dass sie zumindest einmal im Monat ihre Kenntnisse einbringen kann, bei Familiengottesdiensten oder Maiandachten. „Ich fühle mich dabei herausgefordert, über meine Spiritualität Rechenschaft abzulegen. So wie Paulus sagt, gebt Botschaft über das, was im Herzen ist, was euch aufgetragen ist.“

Sie vergleicht es mit dem Schreiben von Tagebüchern. „Sonst fließen die Tage so dahin, aber wenn ich mich bewusst hinsetze und festhalte, was war denn da, und mir darüber bewusst werde und reflektiere, was ich heute erlebt habe, empfinde ich das Leben viel intensiver. Das Gleiche gilt für die Spiritualität.“ 

Der Dreischritt einer guten Predigt

Seit ihrer Ausbildungszeit hält sie einen Dreischritt ein, durch den jede gute Predigt gekennzeichnet ist: „Es gilt zu beachten, dass der Zuhörer vorkommt, dass Gott vorkommt und dass ich als authentische Person vorkomme.“ Freude macht ihr beim Predigen, mit dem Gegenüber in ein Gespräch zu kommen, obwohl die ZuhörerInnen, außer im Kindergottesdienst, nichts sagen. „Die Augen, die Mienen sprechen. Ich schaue die Leute ziemlich genau an und nehme sehr wohl wahr, was ankommt. Es macht mir Spaß, wenn ich merke: Ja! Ich habe nicht nur ein stummes, den Kopf senkendes Publikum vor mir, sondern da kommt was zurück.“ Dabei ist es ihr wichtig, die Predigt in den Gesamtablauf des Gottesdienstes einzubetten und mit den Kyriegedanken, den Fürbitten und der Schlussmeditation zu verbinden. Doch bei allem äußeren Gestalten versucht sie immer, die wichtigste Frage im Blick zu behalten: „Was will Gott durch mich sagen?“

Autorin: Anne Granda
aus: KDFB Engagiert 7/201

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