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Was bleibt von der Mütterrente?

Die Rentenbescheide sind inzwischen fast alle verschickt: Rückwirkend zum 1. Juli wird vielen Müttern oder Vätern ein zweiter Rentenpunkt für Kinder angerechnet, die vor 1992 geboren sind. Doch nicht alle haben dadurch mehr Geld auf dem Konto.

Die Mehrheit der 9,5 Millionen Mütter oder Väter, die vor 1992 geborene Kinder erzogen haben, wird von den neuen Regelungen profitieren und mehr Rente haben. Der zusätzliche zweite Rentenpunkt pro Kind wird automatisch angerechnet, wenn im Rentenverlauf bereits Erziehungszeiten vermerkt sind. Eine Antragstellung bei der Deutschen Rentenversicherung ist nur nötig, wenn noch keine Zeiten für Kindererziehung im Rentenkonto vermerkt sind.

Pluspunkt für Mütter, die bisher keinen Rentenanspruch hatten 

Das gilt insbesondere für Mütter, die bisher keinen Anspruch auf eine gesetzliche Rente hatten, weil sie nicht mindestens fünf Jahre Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt haben. Wer drei vor 1992 geborene Kinder erzogen hat, erwirbt nun schon allein aus den Kindererziehungszeiten einen Rentenanspruch. Aber auch bei zwei Kindern lohnt es sich laut Stiftung Warentest, das fehlende Jahr durch freiwillige Beiträge aufzufüllen. Zahlt eine Mutter von zwei Kindern, die nie selbst rentenversichert war, den Mindestbeitrag von 1020.60 Euro nach, sichert sie sich eine lebenslange Monatsrente von 119 Euro. Damit ist ein wichtiger Schritt gegen Altersarmut erfolgt, für deren Bekämpfung sich der KDFB einsetzt. 

Unerwartete Abzüge von der Mütterrente

Doch nicht alle haben mehr Geld auf dem Konto. Elke B. traute ihren Augen nicht, als sie den Brief der Deutschen Rentenversicherung öffnete. Die 68-jährige Witwe und Mutter von drei Kindern hatte damit gerechnet, dass sie künftig monatlich rund 85 Euro mehr auf ihrem Konto haben würde. Soviel würde der zweite Rentenpunkt für ihre drei vor 1992 geborenen Kinder bringen, hatte sie überall gelesen. 

28.61 Euro pro Kind. Doch weil Elke B. erwerbstätig war und neben der Hinterbliebenenrente auch eine eigene Rente bezieht, die über den Freibetrag von 742 Euro hinausgeht, werden ihr 40 Prozent der 85 Euro „Mütterrente“ von der Hinterbliebenenrente abgezogen. Hinzu kommen Abzüge für Steuern, Kranken- und Pflegeversicherung.

Mehr als zwei Rentenpunkte pro Jahr geht nicht 

Ähnlich geht es Müttern oder Vätern, die nach der Scheidung einen Versorgungsausgleich bekommen. Erhöht sich eine Rente um den zusätzlichen Entgeltpunkt, können die Voraussetzungen für eine Neuberechnung des Versorgungsausgleichs gegeben sein. Die Neuberechnung kann auf Antrag eines der beteiligten Geschiedenen beim Familiengericht eingeleitet werden. 

Leer ausgehen werden Mütter oder Väter, die ab 1. Juli 2014 in Rente gehen, direkt nach der Geburt ihres Kindes wieder erwerbstätig waren und ein Jahreseinkommen von über 71400 Euro erzielt haben. Sie haben damit bereits zwei Rentenpunkte pro Jahr erworben, mehr geht nicht. Für Mütter oder Väter, die bereits in Rente sind, gilt diese Regelung allerdings nicht. Sie erhalten den zusätzlichen Rentenpunkt.

Frauen, die Grundsicherung erhalten, profitieren nicht

Noch härter trifft es Frauen, die von ihrer eigenen Rente nicht leben können und auf Grundsicherung vom Sozialamt angewiesen sind. Ihnen bringt die „Mütterrente“ keinen Cent mehr in ihr Portemonnaie. Denn da sich durch den zusätzlichen Rentenpunkt das eigene Einkommen erhöht, wird der Betrag bei der Grundsicherung wieder abgezogen.

„Ich kann nachvollziehen, dass die Betroffenen dies zunächst als Enttäuschung erleben“, sagt Beate Born, KDFB-Vizepräsidentin und im Bundesvorstand zuständig für den Bereich Gesellschaftspolitik. „Doch der Wert des jährlich neu berechneten Entgeltpunktes sei eben ein Bruttowert. Die Abzüge erfolgten somit regulär nach den rechtlichen Regelungen des Sozialsystems. Den Erfolg der ‚Mütterrente‘, nämlich das deutliche politische Signal, Erziehungsleistungen insbesondere von älteren Müttern auch rentenrechtlich besser anzuerkennen, schmälert dies allerdings nicht.“

Guter Rat zur Mütterrente 

Rat und Informationen bietet die Deutsche Rentenversicherung, Servicetelefon 0800/100048055. Außerdem helfen ehrenamtliche VersichertenberaterInnen und Versichertenälteste

Auch der KDFB informiert.

Gabriele Klöckner

KDFB Engagiert – Die Christliche Frau Ausgabe 12/2014