KDFB

Sonntage: Inseln im Alltag

Halten ihren Sonntag hoch: Maria Reif, Irmtraud Ewender, Waltraud Kufner, Hildegard Gaßner und Stefanie Müller

Zum Glück hat jede Woche ihren Sonntag – eine ruhige Insel im geschäftigen Treiben. Zeit zum Durchatmen, Zeit für Gott, Familie, Freunde. Das göttliche Gebot, den Sonntag heilig zu halten, ist ein wahrer Schatz, gerade heute. Das wissen KDFB-Frauen, die mit Freude diesen Tag für sich und ihre Lieben gestalten. Lassen Sie sich inspirieren!       

 

Atem holen

Maria Reif, 33, aus Garham bei Passau, Studienrätin, Mutter von zwei Kindern, vier und sechs Jahre alt. Seit letztem Jahr Beisitzerin im Vorstand des KDFB Zweigvereins.

Der Sonntag ist für mich der einzige Tag, an dem ich ausschlafen darf – bis acht Uhr. So habe ich das mit meinem Mann vereinbart. Dafür darf er am Samstag ausschlafen. Der Sonntag ist ein Tag zum Luftholen. Das gilt auch im wörtlichen Sinn, denn nach einem gemütlichen Frühstück, das die Kinder und mein Mann vorbereitet haben, gehen wir gemeinsam nach draußen. Im Herbst suchen wir oft Pilze, im Frühjahr und Sommer gehen wir einfach spazieren. Mir ist wichtig, dass wir uns an diesem freien Tag nicht in stressige Situationen bringen. Viele Familien meinen, sie müssten an freien Tagen etwas Besonderes machen. Aber es muss nicht immer der Tier- oder Freizeitpark sein. Auch ein einfacher Spaziergang kann erholsam sein, und er kostet nichts.

An der Schöpfung erfreuen

Den restlichen Tag verbringen wir meistens bei meinen Eltern im Nachbarort, wohin auch meine zwei Geschwister mit ihren Familien kommen. Dort treffen sich alle fünf Enkelkinder meiner Mutter, bald werden es sogar sechs sein. Oft sind auch meine Großeltern mit dabei. Wir essen zusammen, trinken Kaffee, reden.

Gerne würde ich mit den Kindern öfter Familiengottesdienste besuchen. Doch das Angebot ist leider spärlich. In unserer Gemeinde gibt es gar keine Kindergottesdienste. So huldigen wir am Sonntag Gott, indem wir uns an seiner Schöpfung erfreuen.

 

 

Gottes Wort weitergeben

Irmtraud Ewender, 68, Ergoldsbach bei Landshut, Religionslehrerin im Ruhestand, vier erwachsene Kinder. Im Führungskreis des Zweigvereins zuständig für religiöse Angebote wie Wortgottesdienste im Rahmen der Aktion „Maria schweige nicht!“ und für das Donnerstagsgebet zur Erneuerung der Kirche.

Als etwas Besonderes erlebe ich Kleinkindergottesdienste, die ich seit 33 Jahren mitgestalte. Wir lassen die Kinder mit allen Sinnen biblische Geschichten erleben. Wir lassen sie hinspüren, was Licht und Dunkelheit bedeuten, wie es ist, einander zu begegnen, miteinander zu teilen oder heil zu werden. Dabei können Kinder, aber auch Erwachsene tief berührt werden. Wenn sie zum Beispiel, wie der alte Simeon, ihre Hände öffnen und das Jesuskind in Empfang nehmen dürfen.

Besondere Momente im Gottesdienst als Geschenk

Manchmal fühlen Menschen im Gottesdienst, dass sie bei bestimmten Aussagen ganz persönlich gemeint sind. Wenn es da heißt: „In der Taufe sagt Gott zu dir: ,Du bist mein geliebtes Kind’“ oder „Steh auf und geh“. Diese plötzlich aufscheinende Beziehung zwischen Gottes Wort und eigenem Leben lässt sich weder machen noch planen oder vorbereiten. Es ist ein Geschenk. Ein anderes Mal entsteht eine besondere Atmosphäre im Raum, oft in Verbindung mit Musik. Es ist etwas Kostbares, wenn ein solcher Moment gelingt. Wenn dann auch meine Kinder und Enkelkinder mit dabei sein können und wir anschließend zu Hause den Sonntag mit gemeinsamem Essen, Reden und Spielen ausklingen lassen, dann ist es für mich nochmal etwas ganz Besonderes. In der Corona-Zeit allerdings müssen wir oft kreativ werden, wenn wir nach geistlicher Nahrung suchen. Mein Mann und ich haben zu Ostern Neues ausprobiert: Am Karfreitag setzten wir uns auf die Räder und fuhren zu Kapellen in der Umgebung. Dort beteten wir die Stationen eines Kreuzweges, dessen Text mir besonders gut gefällt. Und am Ostersonntag machten wir uns zu einem ausgedehnten Emmausgang auf. Beides war wunderbar!

 

 

 

Das Gebet suchen

Waltraud Kufner, 59, aus Iggensbach bei Passau, Näherin, Hausfrau, drei erwachsene Kinder. Seit zwölf Jahren im Diözesanvorstand Passau, zurzeit Leiterin der Kommission Ehe und Familie. Vor Kurzem legte sie den Vorsitz im Zweigverein nieder, den sie 21 Jahre innehatte.

Ich habe in meinem Leben immer wieder erfahren, wie hilfreich Beten sein kann – bei Krankheiten, bei der Begleitung von Sterbenden oder bei alltäglichen Problemen. Für mich sind starke Frauen ein Vorbild, die sich zum Beispiel nach dem Krieg durch eine schwere

Zeit kämpfen mussten. So hat meine Schwiegermutter 1944 die Nachricht bekommen, ihr Mann sei gefallen. Ein Jahr später hat sie erfahren, dass die Nachricht falsch war. Tatsächlich befand sich ihr Mann damals in russischer Gefangenschaft, aus der er erst im Jahre 1949 zurückkehren sollte. Meine Schwiegermutter hat sich beim Rosenkranzbeten immer wieder Kraft geholt.

Auch ich selbst schöpfe jede Woche Kraft aus dem Gebet im Sonntagsgottesdienst. In meiner Jugend waren Kirchenbesuche Pflicht. Ich musste hingehen, obwohl mich Gottesdienste in der Pubertät zu langweilen begannen. Erst später habe ich festgestellt, wie wichtig sie mir sind. Als meine drei Kinder älter wurden, weigerten sie sich, in die Kirche zu gehen. Zunächst stritten wir uns darüber. Doch es macht wenig Sinn, wenn sich jeden Sonntag vor dem Gottesdienst die Familie verkracht. Und so habe ich den Kindern die Entscheidung überlassen. Das war richtig so, denn sie sind später von selbst wieder hingegangen und besuchen bis heute gerne den Gottesdienst.

Wertvolle Zeit fürs Familienleben

Zu einem erfüllten Sonntag gehört für mich auch das Zusammensein mit der Familie. Früher haben wir mit den Kindern häufig Sonntagsausflüge gemacht. Da mein Mann beruflich sehr eingespannt war, hatten ihn die Kinder nur an diesem Tag für sich. Ich sehe mit Sorge, dass Eltern und Kinder heutzutage immer weniger Zeit miteinander verbringen, weil sowohl Väter als auch Mütter berufstätig sind. Daher sollte der Sonntag der Familie gehören und frei von Arbeit bleiben.

Seit unsere Kinder erwachsen sind, ist es in unserem Haus unter der Woche stiller als früher. Doch sonntags, wenn sie und die Enkel zu Besuch kommen, kehren kindliche Fröhlichkeit, Lachen und Betriebsamkeit zurück.

 

 

 

 

Hören, sitzen, schauen

Hildegard Gaßner, 68, aus Painten im Landkreis Kelheim, Gemeindereferentin und geistliche Begleiterin, im KDFB Geistliche Beirätin für den Bezirk Kelheim. Bis 2018 wirkte sie vier Jahre lang im Vorstandsteam des Zweigvereins.

Ruhen und sitzen. Im Garten sitzen. Schauen, hören, vielleicht etwas lesen. Den Tag genießen, das Nichtstunmüssen genießen, die Ruhe genießen. Ich höre keine Traktoren, nirgendwo läuft ein Rasenmäher. Auf die Stille hören – das ist meine Ausrichtung am Sonntagnachmittag. Die Stille trägt wesentlich dazu bei, dass in mir ein erhabenes Lebensgefühl entsteht. Es hat damit zu tun, dass ich am Sonntag Zeit für Gott, für mich und für andere finde. Wenn es zu kalt ist, setze ich mich gerne ins Wohnzimmer. Ich lese oder spiele mir selbst etwas auf der Heimorgel vor und freue mich an den Liedern, die ich für mich singe.

Eine Kraftquelle ­– frei von Arbeit

Am Morgen genieße ich die spirituelle Anregung eines Gottesdienstes. Für einen besonderen Prediger bin ich durchaus bereit, einige Kilometer zu fahren. Allerdings will ich bis zehn Uhr zurück zu Hause sein, um die katholische und die evangelische Morgenfeier im Radio zu hören. Währenddessen bereite ich Essen vor, meist einen Brunch. Ich lebe mit einem Ruhestandspriester im gemeinsamen Haushalt, und wir essen zusammen. Dann geht es hinaus zum Spazieren, manchmal meldet sich ein Besuch an oder ich treffe mich mit Freunden. Der Sonntag hat sich mir bereits in der Kindheit als ein ganz besonderer Tag eingeprägt. Ich stamme aus einer Handwerkerfamilie, meine Eltern hatten eine Bäckerei. Sie fuhren nie in Urlaub. Muße gab es für sie nur an Sonn- und Feiertagen. Vielleicht ist mir deshalb der Sonntag so wichtig. Dieser Tag soll frei von Arbeit sein, er ist eine Kraftquelle. Während der Woche lebe ich auf ihn hin. Mich inspiriert die jüdische Sabbatkultur, und ich würde mir wünschen, dass wir Christen bedenken, was ein jüdischer Schriftgelehrter im 19. Jahrhundert schrieb: „Nicht die Juden haben den Sabbat gehalten, sondern der Sabbat hat die Juden gehalten.“  

 

 

Gottesdienst am Küchentisch feiern

Stefanie Müller, 41, aus Maxdorf bei Mannheim, Pastoralreferentin, trat dem KDFB ohne Anbindung an einen Zweigverein als Einzelmitglied in der Diözese Speyer bei, um damit die Arbeit des Verbandes zu unterstützen.

Meine zwei Jungs, fünf und acht, fragen in letzter Zeit: „Ist heute wieder Sonntag? Feiern wir wieder Gottesdienst zu Hause?“ Wegen der Corona- Sperre haben wir als Familie angefangen, Gottesdienste am Esstisch für uns zu feiern. Am Anfang darf jeder der zwei Jungen eine Kerze anzünden, dann machen wir einen Wochenrückblick. Wir überlegen, was schön war in der letzten Woche, und zeigen es uns mit Symbolen. Letzthin hatten wir selbst gebastelte Monster aus Ton auf dem Tisch, die lachen oder grimmig schauen. Meine Jungs sind da richtig kreativ.

Ein Sonntags-Schatz für die ganze Familie

Dann nehmen wir einen Gebetswürfel und lesen die Texte daraus vor. Inzwischen sind wir davon weggekommen, uns am Tagesevangelium zu orientieren. Die Jungen dürfen ihre Lieblingsgeschichte in der Kinderbibel aussuchen. Wir lesen sie zusammen und reden darüber. Letztes Mal ging es um den Zug der Israeliten durchs Rote Meer. Ein anderes Mal haben wir auf dem Spielfeld eines Würfelspiels religiöse Ereignisfelder geschaffen. Wer zum Beispiel zu einem Wasserschälchen kam, der durfte eine Tauferneuerung sprechen. Als Abschluss beten wir das Vaterunser und segnen uns gegenseitig mit einem Kreuz auf die Stirn. Es ist schön, dass wir in dieser schwierigen Zeit Gottesdienste zu Hause feiern können. Für uns ist das ein Sonntags-Schatz.

 

 

aus: KDFB engagiert 11/2020
Protokolle: Anne Granda