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So kommen Sie auf Fotos gut raus

Sie haben keine Schokoladenseite? Stimmt nicht! Profis geben zehn Tipps, wie jede Frau vor der Kamera glänzen kann. Damit beim nächsten Fototermin nichts mehr schiefgeht.

Tipp 1: Erst einmal entspannen!

Ein Foto sollte immer ein authentisches Bild eines Menschen bieten – das ist für Fotografin Michaela Köberich das Wichtigste. „Selbst wenn ich mich beruflich fotografieren lasse, sollte immer ein Stück von mir selbst herausblitzen“, erklärt die ehemalige Teilnehmerin des KDFB-Projekts „Einstieg – Umstieg – Aufstieg“ aus der Nähe von Dortmund, die sich vor zwei Jahren erfolgreich selbstständig ge­macht hat.

Vor dem Foto-Shooting, egal ob ein Profi oder eine Freundin fotografiert, sollte sich daher jede Frau folgende Fragen stellen: Was macht mich authentisch? Was möchte ich repräsentieren? Welche Seite von mir möchte ich zeigen? Was verkörpere ich und für was stehe ich? Außerdem: Welchen Zweck sollen die Fotos erfüllen und was soll mein Foto beim Betrachten auslösen? „Wenn Sie sich vorab mit diesen Fragen beschäftigen, können Sie der Fotografin gute Anhaltspunkte geben, wie Sie bestmöglich dargestellt werden können“, so Köberich. 

Das Fotomodell sollte entspannt sein und nicht unter Zeitdruck stehen. „Nicht jeder Frau fällt es leicht, sich locker vor einer Kamera zu zeigen und zu bewegen. So kann auch ein kleines Shooting schnell an die zwei Stunden beanspruchen.“ Wer sich gar abgehetzt und gestresst ablichten lässt, muss mit Fotos rechnen, auf denen diese Anspannung sichtbar wird. Zudem warnt Köberich vor jeglichen Schönheitskuren wie Masken oder Augenbrauenzupfen am Tag des Fototermins: „Dies kann zu unschönen Rötungen führen. Deswegen solche Behandlungen lieber ein paar Tage vorher einplanen.“

Tipp 2: Haltung, Haltung, Haltung!

Hängende Schultern, der Kopf nach unten geneigt – für Linda Radpey ist das der Albtraum: „Die richtige Körperhaltung ist entscheidend für ein gutes Erscheinungsbild! Sie verrät viel über unsere Befindlichkeit und unser Inneres.“ Wer auf Fotos gut rüberkommen will, sollte daher Selbstbewusstsein ausstrahlen. Denn hängende Schultern symbolisieren: Ich habe keine Power oder ich trage eine schwere Last.

Linda Radpey ist ein international gebuchtes Fotomodell und betreibt in München eine Model-Schule. Sie bietet ein Haltungs- und Bewegungstraining nicht nur für Profis, sondern für alle Altersgruppen an. „Wenn Sie einen Fototermin haben, sollten Sie vorab überlegen, welche Posen Sie einnehmen wollen und diese daheim vor einem größeren Spiegel einüben“, rät Radpey. Vor allem bei Ganzkörperbildern kommt es auf die Haltung der Arme und die Stellung der Beine an.

Tipp 3: Die Arme richtig halten

Wer die Arme verschränkt, zeigt eine Abwehrhaltung. Hängen die Arme einfach herunter, macht dies einen unsicheren, unmotivierten Eindruck. „Besser ist es, die Arme in der Körpermitte zu nehmen. Man kann auch etwas halten, zum Beispiel eine Broschüre oder eine Brille. Manchmal sieht eine Armhaltung auf Fotos natürlich aus, obwohl sie einem selbst gestellt vorkommt. Deshalb einfach vor dem Spiegel ausprobieren oder eine Freundin um Rat fragen“, rät Radpey.

Fotografin Angelika Bardehle aus Aying bei München kennt das Problem. Sie schießt deshalb Ganzkörperaufnahmen gerne im Sitzen oder lässt das Model an einen Stuhl lehnen. „Bei beruflichen Fotos sieht es seriös und locker zugleich aus, wenn sich das Model auf einen Konferenztisch setzt. Da reicht es oft, wenn ein Arm leicht auf dem anderen liegt.“

Tipp 4: Füße bewusst stellen

Eleganter und schlanker erscheinen Personen vor der Kamera, wenn sie ein Bein vor das andere stellen und den vorderen Fuß leicht seitwärts nach außen drehen. „Dabei das Körpergewicht auf das hintere Bein verlagern“, rät Trainerin Radpey. Ein Tipp zur Beinkleidung: Eine schwarze Hose kombiniert mit schwarzen Schuhen verlängert die Beine, genauso wie Schuhe mit höheren Absätzen.

Tipp 5: Finden Sie Ihre Schokoladenseite!

Bei jedem Menschen unterscheiden sich die linke und die rechte Gesichtshälfte voneinander, manchmal nur ganz leicht. „Meist ist die linke Gesichtshälfte die Schokoladenseite, aber es gibt natürlich Ausnahmen“, weiß Barbara Wild, gelernte Porträtfotografin und Redaktionsassistentin bei KDFB Engagiert. Sie empfiehlt, sich vor einem Fototermin auf die Suche nach der eigenen Schokoladenseite zu machen. Eine Freundin könnte von beiden Gesichtshälften Fotos machen. Dann vergleichen und sich für seine Schokoladenseite entscheiden. 

Dabei ist es nützlich zu wissen, dass jede Gesichtsseite andere Gefühle transportiert: „Wenn Sie die rechte Gesichtshälfte hervorheben, wirkt die Person beherrschter, distanzierter und kontrollierter, aber auch aufgeschlossener, aktiver und freundlicher“, schreibt das Fotografen-Ehepaar Cora und Georg Banek in seinem Ratgeber „Gesichter fotografieren“. Wenn hingegen die linke Gesichtshälfte des Fotomodells stärker in Szene ge­setzt wird, würde das Ergebnis emotionaler, echter, aber auch verschlossener wirken. Je nach Bildidee kann die entsprechende Seite hervorgehoben werden.

Was aber tun, wenn sich keine Schokoladenseite finden lässt? „Wer sein Gesicht zu dick findet, sollte sich auf keinen Fall frontal fotografieren lassen. Da wirken selbst die Gesichter von Fotomodellen flächiger“, so Wild. Besser ist es, sich eher seitlich aufnehmen zu lassen, den Kopf in leichter Schräglage. Das bringt zudem mehr Lebendigkeit ins Bild. Ein gerader Kopf wirkt eher statisch. 

Achten Sie auch darauf, dass Sie der Fotograf oder die Fotografin nicht von unten aus der „Froschperspektive“ erwischt: „Wer mit seinem Kinn nicht ganz glücklich ist, sollte leicht von oben mit nach unten gesenktem Kopf fotografiert werden. Ein fliehendes oder zu kleines Kinn wird durch die Perspektive von leicht unten kaschiert.“ Wer meint, seine Nase sei zu ausgeprägt, sollte sich nicht von der Seite, gar im Profil, fotografieren lassen, sondern lieber frontal. Breite Nasen werden hingegen durch seitliche Aufnahmen kaschiert. Sehr ungünstig ist es, beim Sprechen oder Essen fotografiert zu werden, da das Gesicht schnell verzerrt wirken kann.

Tipp 6: Vorteilhaft kleiden! 

Bei guten Fotos geht es nicht nur um Körperhaltung und einen freundlichen Gesichtsausdruck, sondern auch um vorteilhafte Kleidung, passend zur Bildidee. Grundsätzlich sind gedeckte dunklere Farben helleren vorzuziehen, meint Fotomodell Linda Radpey: „Auf Fotos wirkt man fünf Kilo schwerer. So ist es wichtig, etwas anzuziehen, das nicht aufträgt. Rosa oder Hellblau sieht zum Beispiel nur beschlanken Frauen mit dunklerem Teint richtig gut aus. Bei anderen Frauen trägt helle Kleidung zusätzlich auf.“ 

Zu hellen Blusen sollte daher lieber ein Blazer oder eine Jacke getragen werden, vielleicht kombiniert mit einem Tuch. Besser ist aber ein Oberteil in gedeckten Farben, abgestimmt auf den jeweiligen Farbtyp. Auch Rock oder Hose sind in dunklen Farben vorteilhafter als in hellen. 

Vorsicht vor Querstreifen, die auftragen, und auch vor Punkten! „Jede Form von Pünktchen sollte der Jugend vorbehalten sein“, meint Radpey. Und: „Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie sich in der ausgewählten Kleidung wohlfühlen! Denn wer sich verkleidet vorkommt, strahlt das auch auf den Bildern aus.“ Ihr Tipp: Einfach mehrere Outfits für den Fototermin aussuchen! 

Tipp 7: Natürlich schminken! 

Ein perfekt aufgetragenes, natürliches Make-up kann viel dazu beitragen, dass Sie fotogen wirken. „Die Haut darf auf keinen Fall glänzen. Puder und Wimperntusche sind ein absolutes Muss!“, sagt Trainerin Linda Radpey. Da Augenringe auf Fotos dominanter wirken als in der Wirklichkeit, müssen diese mit Concealer, eine Art Abdeckstift, aufgehellt werden. Hautrötungen, selbst Feuermale können mit Camouflage, auch Studio-Make-up genannt, überdeckt werden.

Im zweiten Schritt folgt eine Grundierung mit einer getönten Tagescreme oder einem Creme-Make-up. „Es ist darauf zu achten, dass das Make-up zum Hauttyp des Fotografierten passt“, so Radpey. Zum Abschluss: das Gesicht abpudern, die Wimpern tuschen und bei Bedarf einen Hauch Rouge auftragen. Sehr vorteilhaft machen sich Lippenstift (nicht zu grell!) oder ein durchsichtiges Lipgloss. 

Tipp 8: Ein echtes Lächeln!

Das richtige Lächeln für den Fotografen ist eine Herausforderung für alle. Ein leichtes, aber echtes Lächeln genügt, wissen Profis und raten dazu, vor dem Fotografieren den Mund zu lockern. „Sagen Sie: O! A! Cheese! Bei Cheese sollte es klicken!“, rät Linda Radpey. 

Gegen ein verkrampftes Gesicht hilft folgender Trick: Stellen Sie sich einfach vor, Sie werden von einer vertrauten Person fotografiert, die Sie gern haben. „Dann bekommt Ihr Gesicht gleich weichere Züge. Und immer Augenkontakt mit der Kamera halten. Da­mit der Blick gut rüberkommt. Vorab vor dem Spiegel üben.“

Tipp 9: Lichteinfall beachten!

Das richtige Licht ist für ein gutes Foto entscheidend. Gerade an bewölkten Tagen gelingen draußen schöne Porträtaufnahmen. Dann bilden sich keine Schatten auf dem Gesicht. Wenn jedoch die Sonne scheint, gilt die Regel: Je früher am Vormittag oder je später am Nachmittag, umso sanfter ist das Licht. „Vermeiden Sie die harte Mittagssonne! Wenn es aber gar nicht anders geht, muss Schatten gesucht werden. Gibt es den gar nicht, kann Ihr Fotograf noch versuchen, die Gesichtsschatten mit einem Blitz aufzuhellen“, rät Barbara Wild. Licht von oben und unten ist zu vermeiden. Denn am besten ist der Lichteinfall von vorne! Achten Sie auch darauf, dass das Licht nicht zu grell ist, sonst zwickt man die Augen zusammen. Bei Porträts von Brillenträgern gibt es oft Probleme mit Gläsern, die Licht reflektieren. Verändern Sie die Kopfhaltung so, dass die Spiegelung für den Fotografen nur noch kaum oder gar nicht mehr zu sehen ist.

Tipp 10: Abstand bitte! 

Wenn Laien Porträtfotos knipsen, gehen sie oft zu nah an ihr Model heran. Die Folge: Das Gesicht wirkt verzerrt, die Nase erscheint zu groß. Besser ist es aus einem Abstand von ungefähr zwei Metern zu fotografieren und das Model heranzuzoomen. „So vermeiden Sie eine perspektivische Verzerrung. Und Sie sind vielleicht auch lockerer, weil Sie sich von der Kamera nicht so bedrängt fühlen“, sagt Barbara Wild.

Außerdem ist bei Porträtbildern auf einen schlichten Hintergrund zu achten, der nicht von der Person ablenkt. Aber Vorsicht: „Stellen Sie sich nie direkt an eine Wand, sondern ein bisschen weiter weg. Nehmen Sie nicht nur den Kopf auf, schöner ist es, ein Brustbild zu schießen, also einen Ausschnitt zu wählen, der die Person bis zur Mitte des Brustkorbes zeigt. Der Fotograf sollte dann auf ihre Augen fokussieren. Wenn es sich um eine leicht seitliche Aufnahme handelt, sollte das vordere Auge anvisiert werden“, rät Wild. Beim Heranzoomen entsteht auch der gewollte Effekt, dass der Hintergrund unscharf wird. 

Für Fotografin Köberich ist die Wahl des Standorts die Grundlage jedes Bildes: „Achten Sie darauf, störende Elemente aus dem Bildausschnitt zu nehmen. Und sehen Sie sich um! Wenn Ihnen der Kirchturm oder ein Lichtmast aus dem Kopf wächst, kann das durchaus merkwürdig aussehen.“

Profis wissen, dass sich Fotos gut in drei Teile untergliedern. Das Hauptmotiv muss nicht notwendigerweise im Zentrum des Bildes sein, weiß Wild: „Wenn das Motiv aus dem Mittelpunkt, zum Beispiel in das erste, linke Drittel, gerückt wird, kann das oft mehr Spannung erzeugen. Probieren Sie es einfach einmal aus!“

Karin Schott
KDFB Engagiert – Die Christliche Frau, Ausgabe 7/2014