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Pro Widerspruchslösung

Sandra Zumpfe lebt mit zwei transplantierten Organen: Herz und Niere. Foto: privat

Sandra Zumpfe lebt mit zwei transplantierten Organen: Herz und Niere. Die 40-Jährige engagiert sich im Verband der Organtransplantierten und klärt über Organspende auf.

„Jeder von uns kann im Laufe seines Lebens krank werden und ein neues Organ brauchen. Und, Hand aufs Herz: Fast alle würden in einem solchen Fall ein gespendetes Organ annehmen. Deshalb fände ich es fair, wenn jeder auch Organspender wäre. Die Widerspruchslösung könnte ein Schritt in diese Richtung sein: Diejenigen Menschen, die sich mit dem Thema nicht auseinandersetzen wollen, wären automatisch Spender. Ich kenne einige Menschen, die ihre Organe eigentlich spenden würden, sich aber davor scheuen, diese Entscheidung aktiv zu treffen. Ihnen würde eine solche Regelung helfen, Organspender zu werden. Wer sich hingegen mit dem Thema aktiv befassen möchte, könnte sich auch entscheiden, seine Organe nicht zu spenden. Deswegen würde die Widerspruchslösung keineswegs die individuelle Freiheit einschränken.

Was kommt früher – der Tod oder der rettende Anruf?

Es ist bekannt, dass in Deutschland nicht genug Organspenden zur Verfügung stehen. Eine Widerspruchslösung würde die Zahl der Organe erhöhen, was sehr wünschenswert wäre. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, als junger Mensch auf einer Warteliste für ein neues Organ zu stehen und nicht zu wissen, was früher kommt – der Tod oder der rettende Anruf. Ich habe sechs Monate auf ein Spenderherz gewartet, das ist im Vergleich zu anderen Fällen eine relativ kurze Zeit. Ein schwerkranker Mensch würde trotzdem eine viel schnellere Hilfe brauchen. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass mein neues Herz von einer jungen Frau stammt. Mehr weiß ich nicht. Doch ich bin ihr und ihrer Familie unendlich dankbar, dass sie sich für die Organspende entschieden haben. 

Da durch den Eingriff meine Nieren versagt haben, kam ich erneut auf eine Warteliste. Und wartete und wartete, dreieinhalb Jahre lang. Das hätte noch viel länger so gehen können, denn in Deutschland beträgt die Wartezeit auf eine Niere im Durchschnitt acht Jahre. Schließlich wollte mein Mann meinem Leiden nicht mehr zusehen und entschied sich, mir eine seiner Nieren zu spenden. Ich lebe jetzt mit zwei gespendeten Organen, und mir geht es gut. Deshalb möchte ich auch etwas für andere tun, die noch warten und nicht wissen, ob sie weiterleben können. Ich engagiere mich und kläre über Organspenden auf. Die häufigste Frage, die mir auf Informationsveranstaltungen begegnet, heißt: „Wird man nicht vorzeitig für tot erklärt, wenn man Organspender ist?“ 

Diese Furcht kann ich den Menschen guten Gewissens nehmen. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Ärzte in Kliniken für Schwerkranke tun, um sie am Leben zu halten. 

Wenn ein Mensch stirbt, ist die Hülle tot und die Seele kann weiterziehen. Weil die Hülle aber zurückbleibt, können Organe hergegeben werden. So kann der Tote ein Geschenk der Nächstenliebe hinterlassen und jemandem ein neues Leben ermöglichen. Das ist doch ein schöner Tod, meine ich.„

 

 

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