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Nachhaltig anlegen: Sauberes Geld

Viele Bankkunden wollen beim Vermögensaufbau ein gutes Gewissen haben. 

Nachhaltigkeit spielt heute auch in der Finanzwelt eine Rolle. Mit nachhaltigen Geldanlagen können Unternehmen gefördert werden, die umwelt- und sozialverträglich wirtschaften.

Anleger sind nach der Finanzkrise kritischer geworden. Immer mehr wollen heute mit gutem Gewissen anlegen und lehnen einen Profit um jeden Preis ab. Sie wollen ihr Geld nicht locker machen für Geldanlagen, die zu Lasten der Umwelt, der Allgemeinheit oder zu Lasten anderer Menschen gehen. Kurz: Sie wollen verantwortungsvoll investieren. „Wir lesen diesen Trend an der Tatsache ab, dass nachhaltige Geldanlagen überdurchschnittliche Wachstumsraten verzeichnen im Verhältnis zum Gesamtmarkt“, erklärt Claudia Tober. Die 45-Jährige ist Geschäftsführerin des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG). In dem Forum haben sich mehr als 160 Akteure der Finanzwirtschaft zusammengeschlossen. 

Noch sind es überwiegend institutionelle Anleger, also beispielsweise Stiftungen, die ihr Geld ihrem Satzungszweck entsprechend nach strengen Kriterien anlegen. Gängig ist beispielsweise die Ächtung von Streumunition und Antipersonen-Minen. „Betrachtet man den deutschsprachigen Finanzmarkt, so beläuft sich das Volumen von Anlagen, bei denen diese Sparten ausgeschlossen werden, bereits auf über vier Billionen Euro“, betont Claudia Tober.

Auch die katholische Kirche empfiehlt ihren Finanzverantwortlichen, Geld nachhaltig anzulegen. Nachzulesen ist das zum Beispiel in der 2015 erschienenen „Orientierungshilfe für Finanzverantwortliche katholischer Einrichtungen in Deutschland“ (Broschüre „Ethisch-nachhaltig investieren“).

Ethische Alternativen bieten sich für fast jede Anlageform 

Umfragen belegen, dass bei Privatanlegern das Interesse an verantwortungsvollem Investment geweckt ist. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband hat in seinem Vermögensmonitor, für den 2.000 Menschen befragt werden, errechnet: Bereits jeder Sechste bezieht den Erhalt von ökologischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Ressourcen in seine Entscheidungen mit ein, wenn es um den Vermögensaufbau geht. Von denen, die bislang noch nicht in diese Richtung ge­dacht haben, plant jeder Vierte, derartige Kriterien in Zukunft anzuwenden. Und ein Drittel der Be­fragten möchte von ihrem Finanzberater auf nachhaltige Geldanlagen angesprochen werden. 

Der Markt bietet eine große Auswahl. Für nahezu jede An­lageform findet sich auf den ersten Blick eine nachhaltige oder ethische Alternative. Es gibt zum Beispiel:

  • nachhaltige Riester-Renten, Aktien- oder Rentenfonds,
  • ökologische Lebensversicherungen oder Direktversicherungen,
  • Tagesgeldkonten bei Banken, die Nachhaltigkeit im Kerngeschäft verankert haben,
  • Fondssparpläne, die sozialethische Investments besparen,
  • Direktbeteiligungen und nachhaltige Baubeteiligungen zum Beispiel an Mehrgenerationenhäusern und klimagerechtem Wohnen. 

Oft fehlt die Transparenz – selbst für den Anlageberater 

Das Problem für Banker wie Verbraucher: Es herrscht viel Unklarheit. Es ist schwer zu durchschauen, was die An­bieter der Finanzprodukte unter „nachhaltig“ verstehen. „Viele Fonds sind eine Art schwarze Box, die selbst ich als Anlageberater nicht durchblicken kann“, verrät ein Mitarbeiter einer Münchner Privatbank. „Ich muss letztendlich dem Fondsmanager vertrauen, weil ich nicht nachprüfen kann, wie nachhaltig die Firmen tatsächlich wirtschaften, in die das Investment fließt.“ Kunden gut zu beraten, fällt vielen Bankmitarbeitern da schwer, zumal die Produkte erklärungsbedürftig sind.  

Grundsätzlich unterscheiden Fachleute vier ethisch-ökologische Anlageansätze, mit denen die Anbieter arbeiten. Die Verbraucherzentrale Bremen stellt die Ansätze in ihrer Broschüre „Ethisch-ökologische Geldanlage“ vor:

  • Ausschlusskriterien: In bestimmte Branchen wie etwa Atomkraft, Pornographie oder Rü?stung wird nicht investiert. Auch Unternehmen, die von Kinderarbeit profitieren, können tabu sein.
  • Gezielte Investitionen: Bei der Auswahl der Investitionen oder des Kredits wird darauf geachtet, dass die Unternehmen vornehmlich in bestimmten Branchen und Bereichen wie beispielsweise Erneuerbare Energien, Gesundheit und Bildung tätig sind.
  • Best-in-Class-Ansatz: Es werden Unternehmen ausgewählt, die gemessen an ethischen und ökologischen Kriterien die besten in einer Branche sind. In dieser Branche wird dann in die Unternehmen investiert, die im Branchenvergleich hinsichtlich Umweltschutz und/oder Sozialstandards die höchsten Maßstäbe setzen. Keine Branche wird generell ausgeschlossen. Wie viele Unternehmen zu den besten ihrer Branche zählen, ist nicht einheitlich festgelegt.
  • Engagement: Der Finanzdienstleister versucht im direkten Dialog oder durch das Aktionären zustehende Rede- und Stimmrecht soziale und ökologische Verbesserungen in den Unternehmen durchzusetzen.

Ethic-Scouts für Informationen aus erster Hand 

Wichtige Anbieter nachhaltiger Finanzprodukte sind nachhaltigkeitsorientierte und kirchliche Banken. Noch haben sie einen relativ kleinen Kundenkreis. Eine Übersicht findet sich hier. 

Stellvertretend für den einzelnen Anleger prüfen in diesen Banken meist Komitees aus Fachleuten die Fi­nanzprodukte. Die Steyler Ethik Bank vertraut zudem auf sogenannte Ethic-Scouts: Geschulte Steyler Ordensleute berichten über das Wirken von multinationalen Unternehmen aus dem Anlage-Universum der Bank. Mit diesen Informationen aus erster Hand sollen die Scouts die Investitionsentscheidungen der Anlageexperten un­terstützen.

Ein neues Siegel zeichnet 34 Fonds aus  – aber nur für jeweils ein Jahr 

Für Anleger und Anlegerinnen bleibt die Frage, wie sie einzelne Produkte verschiedener Banken vergleichen können. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) bemüht sich seit Jahren um mehr Transparenz im Sinne der Verbraucher. Es hat einen Transparenzkodex für Geldanlagen entwickelt, Nachhaltigkeitsprofile von Fonds veröffentlicht und vor Kurzem ein neues Siegel herausgebracht. Das Siegel zeichnet derzeit 34 Fonds mit einem Zertifikat aus. Geschäftsführerin Claudia Tober blickt auf einen langen Prozess zurück, der dafür nötig war. „Wir haben uns auf Publikumsfonds konzentriert, weil sie leichter zu analysieren waren als andere Finanzprodukte“, sagt sie. An der Entwicklung waren auch Ethikexperten beteiligt. Fonds, die sich mit dem Siegel schmücken wollen, müssen bei der Auswahl der Unternehmen, denen sie Kapital zur Verfügung stellen, klare Bedingungen erfüllen: Die Unternehmen dürfen weder Waffen- noch Kernkraftgeschäfte tätigen, sie müssen die Menschen- und Arbeitsrechte der UNO einhalten, sich dem Umweltschutz verpflichten sowie die Korruption bekämpfen. Auch wenn in Staatsanleihen investiert werden soll, gelten Mindestanforderungen: Wertpapiere von Ländern, die beispielsweise die Menschenrechte nicht achten und keine demokratische Regierung haben, sind ausgeschlossen. 

Aufbauend auf diesen Mindestanforderungen können Fonds zusätzliche Punkte erzielen, wenn sie sich im FNG-Verfahren besonders strengen Kriterien unterwerfen. Dann erhalten sie zu dem Siegel noch drei Sterne. Die Fonds, die sich für das Siegel bewerben, werden von einem unabhängigen Forschungszentrum durchleuchtet. Zudem überwacht ein Komitee aus privaten und institutionellen Anlegern, Vertretern aus Wissenschaft, Kirche und Zivilgesellschaft die Bewertung. Und: Das Siegel wird nur für ein Jahr verliehen, danach kommt der Fonds wieder auf den Prüfstand. 

„Wir scheuen diesen Aufwand nicht“, erklärt Claudia Tober. „Denn es besteht eine große Asymmetrie zwischen dem einzelnen Anleger und den Fondsgesellschaften. Es fehlen ihm wichtige Informationen, um bei der Geldanlage eine Entscheidung zu treffen, die seinem Lebensstil entspricht.“

Autorin: Eva-Maria Gras
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 3/2016

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