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Liebe Oma, wir bleiben in Kontakt!

Die Kinder und Enkel leben in Bangkok, die Großeltern in einem fränkischen Dorf. Da liegen Welten dazwischen, die sich nicht so einfach überbrücken lassen. Diese Erfahrung machen immer mehr Familien. In Zeiten der Globalisierung sind riesige Distanzen zwischen Jung und Alt heute keine Seltenheit mehr. Dennoch gilt nach wie vor: Für Kinder ist es wichtig, Großeltern zu haben. Vor allem aktive und an den Enkeln interessierte Großeltern bleiben wichtige Bezugspersonen, auch wenn die Enkel nicht mehr klein sind. Umgekehrt wirken Enkelkinder auf Großeltern wie ein Jungbrunnen. 

 

Ob es gelingt, eine gute Beziehung zu den Enkeln aufzubauen, hängt von vielen Faktoren ab. Nicht nur davon, dass sich die Entfernung zwischen den Wohnorten leicht überbrücken lässt. Zum einen spielen das Alter und der Gesundheitszustand der Großeltern eine Rolle, auch wie mobil sie sind und ob sie sich wirklich für die Enkel engagieren wollen. Entscheidend ist auch ihre Beziehung zu den eigenen Kindern. Denn diese bestimmen, was an Nähe zu den Enkeln möglich ist. Heutige Eltern wünschen sich von den Großeltern Engagement ohne Einmischung, erklärt der Schweizer Altersforscher François Höpflinger. „Das funktioniert nur, wenn Großeltern ihre eigenen Kinder als mündige Eltern akzeptieren.“

Deshalb müssten frischgebackene Großeltern als Erstes das Verhältnis zu ihrem eigenen Sohn oder ihrer eigenen Tochter klären. Gerade dann, wenn Großeltern ihre Enkel häufiger besuchen wollen und wegen der Entfernung einige Tage bleiben. Sonst sind Konflikte vorprogrammiert. Höpflinger sieht die Distanz aber insgesamt durchaus als Chance, weil die Generationen zusammenrücken. Denn Fernbeziehungen würden ein hohes Maß an Engagement voraussetzen und müssten aktiv gestaltet werden. Über die eigenen Wurzeln erzählen Und wenn man die ersten Jahre der Enkelkinder nicht aktiv miterleben konnte? Auch dann sei es für eine gute Beziehung nicht zu spät, so Höpflinger. Gerade Jugendliche entwickeln oft eine starke Nähe zu den Großeltern, betont er. Wer sonst könnte ihnen etwas über die eigenen Wurzeln erzählen? Oder davon berichten, wie schräg die in ihren Augen spießigen Eltern selbst einmal waren? Großeltern stehen heute viele Wege offen, den Enkeln nahe zu sein:

Smartphone, Tablet & Co

Ein Smartphone, ein Tablet oder ein Notebook bietet Ihnen als Großeltern viele Möglichkeiten, Kontakt zu den Enkelkindern zu halten. Schnell eine E-Mail schicken oder eine Nachricht, ein Foto empfangen oder selbst versenden, weltweit kostenlos skypen: Mit ein bisschen Unterstützung lässt sich all das schnell lernen. Es ist einfacher, als Sie denken, auch wenn Sie bisher keine Erfahrungen mit Computern haben. Hilfen bieten Kurse, die von Seniorenorganisationen, Volkshochschulen, oder Familienbildungsstätten angeboten werden und speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgerichtet sind. Sie sind über 70 und fühlen sich unsicher in einem Kurs? Unter dem Motto „Voll im Leben – Bleiben Sie im Kontakt durchs Internet“ startet der KDFB im Diözesanverband Augsburg ein neues Angebot: Auf Wunsch kommt eine Social-Media-Begleiterin zehnmal für eine Stunde nach Hause und erklärt, wie das Internet funktioniert. Die Begleitung für die zehn Stunden kostet einmalig 50 Euro. Wer danach noch Hilfe braucht, kann für fünf Euro pro Stunde weitere Termine dazubuchen. 

Post für dich

Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter freuen sich riesig, wenn sie Post oder ein Päckchen bekommen, das persönlich an sie adressiert ist. Es müssen keine großen und teuren Geschenke sein. Schicken Sie öfter mal eine Postkarte mit einem kindgerechten und dem Alter entsprechenden Motiv. Oder ein kleines Bilderbuch, eine Tüte Gummibären, einen Schokoladen-Nikolaus, Bastelmaterial, Buntstifte. Gut kommen auch Kinderzeitschriften an, die Sie regelmäßig mit einem kleinen Gruß an Ihr Enkelkind schicken können. All das zeigt Kindern: Oma und Opa denken an mich. Umgekehrt freuen Sie sich doch genauso, wenn Post vom Enkelkind kommt. Mit einem selbst gemalten Bild oder den ersten selbst geschriebenen Worten.

Foto-Aktionen

Sie wollen sehen, wie sich Ihr Enkelkind entwickelt? An seinem Alltag teilnehmen, auch wenn Sie weit weg wohnen? Ihr Enkelkind will wissen, wer seine Großeltern sind? Wie Mama oder Papa als Kind aussahen? Da bieten sich Fotos an:

  • Schicken Sie Ihren Enkelkindern regelmäßig Fotos oder kleine Videofilme von sich selbst und aus Ihrem Alltag. Mit einem Smartphone oder Tablet geht das ganz einfach.
  • Bitten Sie Ihre Enkel, eine Woche lang ihren Alltag zu fotografieren, und gestalten Sie dann gemeinsam ein Fotobuch.
  • Erstellen Sie ein Bilderbuch für Kleinkinder mit Fotos von Oma und Opa, von gemeinsamen Ausflügen, vom Haustier, dem Garten, dem Spielplatz um die Ecke. Solche Bilderbücher mit festen Kartonseiten und Spiralbindung können Sie ganz einfach online selbst gestalten und dann drucken lassen.
  • Verwenden Sie Familienbilder als Vorlage für Puzzles oder Memory-Karten. Das können aktuelle Bilder sein oder auch Kinderbilder von Mama und Papa. 

Gemeinsam Zeit verbringen

Bei mehrtägigen Besuchen und gemeinsamen Ferienreisen – je nach Alter mit oder ohne Eltern – können Sie eine intensive Zeit mit Ihren Enkeln verbringen und eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Je nach Alter und Interesse der Kinder und Fitness der Großeltern können das eine Woche Urlaub bei der Oma sein, eine gemeinsame Ferienreise der gesamten Familie ans Meer oder in die Berge, Urlaub auf einem Bauernhof oder Campingplatz, eine Städtetour mit der älteren Enkelin, eine Reise zu den Wurzeln der Familie oder auch eine abenteuerliche Fernreise. Die Reisebranche hat sich schon seit Langem auf die Zielgruppe Großeltern mit Enkeln eingestellt und macht entsprechende Angebote. Anregungen bietet die Internetseite www.grosseltern.de/reisen/

Geschichten erzählen und vorlesen

Kinder lieben es, Geschichten vorgelesen oder erzählt zu bekommen. Auch wenn Sie persönlich nicht da sind, können Kinder dank digitaler Möglichkeiten Ihre Stimme hören:

  • Sie können per Skype Geschichten vorlesen oder erzählen.
  • Sie können die Geschichten mit dem Smartphone oder einem kleinen digitalen Aufnahmegerät aufnehmen, in eine MP3-Datei umwandeln und auf eine CD speichern. Ihr Enkelkind kann dann die Geschichte hören, wann und so oft es will. Vielleicht schicken Sie das vorgelesene Bilder- oder Kinderbuch mit, dann kann Ihr Enkelkind die Bilder beim Hören anschauen.
  • Hoch im Kurs steht bei jüngeren Kindern die Tonie-Box. Sie funktioniert wie ein CD-Spieler, ist aber robuster und auch von Kleinkindern leicht zu bedienen. Sie müssen nur eine kleine Figur draufstellen, die mit Kinderliedern oder Hörspielen programmiert ist – und los geht es. Neben den fertig programmierten Figuren gibt es auch Kreativ-Tonies, die Sie selbst bespielen können. Entweder mit Liedern und Geschichten, die Sie aus dem Netz hochladen, oder aber selbst gesprochenen Geschichten oder kleinen Botschaften, die Sie mit Hilfe einer App auf dem Handy aufnehmen können. 

Gemeinsame Hobbys entdecken

Sie und Ihr Enkelkind teilen die Freude an der Natur, am Werkeln im Garten, am Sammeln von Steinen, am Kochen und Backen, am Bau der Modelleisenbahn? Per Skype oder E-Mail lassen sich auch auf Distanz gemeinsame Hobbys pflegen. Zeigen Sie Ihr Interesse, stöbern Sie gemeinsam in Internetportalen, tauschen Sie Erfahrungen aus und geben Sie sich gegenseitig Tipps. „Mein sechsjähriger Enkel arbeitet sehr gerne im Garten und hilft leidenschaftlich gerne beim Kochen und Backen. Im Frühjahr haben wir in unseren Gärten Heidelbeersträucher gesetzt, Gurken, Tomaten, Kohlrabi und Zucchini gepflanzt, Blumen ausgesät. Den Sommer über haben wir uns Bilder geschickt, was aus den Pflanzen geworden ist, wo Schnecken an den Zucchini geknabbert haben und wie die Ernte ausfällt. Und wir tauschen einfache Rezepte aus, um das selbst geerntete Gemüse zu verarbeiten“, berichtet eine Großmutter.

Geheimnisse anvertrauen

Probleme in der Schule? Der erste Liebeskummer? Die Erfahrung zeigt, dass sich ältere Kinder und Jugendliche eher den Großeltern als den eigenen Eltern anvertrauen. Vorausgesetzt, sie fühlen sich ernst genommen und solche Geheimnisse werden nicht weitergetragen. Vor allem nicht an die eigenen Eltern. Vertrauliche „Gespräche“ funktionieren auch per E-Mail, wegen der räumlichen Distanz vielleicht noch besser als im persönlichen Kontakt. Seien Sie offen für Probleme Ihrer Enkelkinder, hören Sie zu und überschütten Sie sie nicht ungefragt mit Ratschlägen.

Autorin: Gabriele Klöckner
aus KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 12/2018

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