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Lernen von Ignatius: „Die Geister unterscheiden"

Interview mit Ingrid Höpfl, die sich dem Ordensgründer der Jesuiten verpflichtet weiß

 

Der Gründer des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola, entwickelte Empfehlungen zur sogenannten „Unterscheidung der Geister“, die bei Entscheidungsfindungen heute noch helfen. Gute Entscheidungen sind eine wichtige Grundlage, um gelassener im Leben zu stehen. Die Jesuiten und die ignatianische Laiengemeinschaft, die „Gemeinschaft Christlichen Lebens“ (GCL), nutzen die Impulse des Ordensgründers bis heute. Inge Höpfl, Sprecherin des Münchner Diözesanteams der GCL, erläutert Hintergründe und Vorgehensweise.

 

Was ist die „Unterscheidung der Geister“?

Ingrid Höpfl: Auch wenn es den Begriff schon in der Bibel gibt (Siehe: 1 Kor 12,10; 1 Johannes 4,1–6), ist für mich die Methode der „Unterscheidung der Geister“ etwas ganz Ignatianisches. Denn ihre Entstehung hängt eng mit dem Glaubensweg des Heiligen zusammen. Ignatius war ursprünglich Soldat. Er wurde im Krieg schwer verwundet. Am Krankenlager las er Ritterromane, die Lebensgeschichten von Heiligen und die Bibel. Die Ritterromane gefielen ihm gut, aber im Gegensatz zur frommen Lektüre hinterließen sie auf Dauer einen schalen Nachgeschmack. So entwickelte er mehr und mehr ein Gespür dafür, was ihn zu mehr Leben und Freiheit führt, also vom guten Geist kommt.

Wie kann man dieses Gefühl beschreiben?

Ingrid Höpfl: Für mich ist es das Gefühl, dass etwas sowohl für mich stimmt als auch im Blick auf Gott. Oder: Die Entscheidung hilft mir zu mehr Leben, sie macht mich froh, ruhig und gelassen. 

Wie komme ich zu einer stimmigen Entscheidung?

Ingrid Höpfl: Alles beginnt mit dem Wahrnehmen. Ein Beispiel aus dem Berufsleben: Wenn ich wahrnehme, dass es in der Arbeit nicht mehr so recht stimmt, gilt es genau hinzuschauen, was meine Unzufriedenheit auslöst. Das kann die konkrete Aufgabe sein, meine eigene Un­ter- oder Überforderung, der Umgang unter den Kollegen und Kolleginnen, der Führungsstil der Vorgesetzten. Die Frage ist nun: Was kann und will ich verändern? Und die Optionen kann ich dann ab­wägen. Eine Hilfe ist es häufig, die verschiedenen Aspekte und ihr Für und Wider aufzuschreiben. Allein dieses genaue Hinspüren und wachsame Abwägen hat schon Wirkung. Denn oft sehe ich da­durch schon plötzlich neue Möglichkeiten. 

Gibt es besondere Formen des Abwägens?

Ingrid Höpfl: Wichtig ist es, sich die Möglichkeiten erstmal nur anzuschauen und auf sich wirken zu lassen, ohne sich festzulegen – also indifferent zu bleiben. Dann hilft es, um Klarheit zu gewinnen, eine Zeitlang so zu tun, als hätte man die Entscheidung bereits getroffen, und mehrere Tage lang hinzuspüren, wie man sich dabei fühlt. Danach einige Tage mit der gegenteiligen Entscheidung leben. Dabei zeigt sich in der Regel, womit es mir besser geht, wo ich mich lebendiger fühle. 

Wie verwendet die GCL die „Unterscheidung der Geister“?

Ingrid Höpfl: Die Mitglieder der GCL treffen sich regelmäßig in kleinen Gruppen zum Austausch über das eigene Leben und Glauben. Wenn jemand vor einer Entscheidung steht, kann er die Gruppe bitten, mit ihm gemeinsam auf die Situation zu schauen. Es ist manchmal überraschend, wie durch die Rückmeldung der anderen das eigene Ab­wägen ergänzt wird und Aspekte in den Blick kommen, an die man selbst gar nicht gedacht hätte. Um mit tiefergreifenden Entscheidungen umzugehen, bieten Exerzitien Raum und Zeit. Gebet, Schriftbetrachtung und Begleitung unterstützen diesen Prozess. 

 

Interview: Anne Granda
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 1+2/2016

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