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Kuren für Pflegende

Einen Angehörigen zu pflegen, ist in vielen Fällen ein Kraftakt. Foto: imagesource

Einen Angehörigen zu pflegen, ist ein Kraftakt, bei dem die eigene Gesundheit leiden kann. Eine Kur kann helfen.

Aufstehen, funktionieren, ins Bett fallen. Alles andere ausblenden. Das ist der Alltag von Elisabeth M. (Name von der Redaktion geändert). Sie hat ihrem Vater versprochen, ihn zu Hause zu pflegen. Der demenzkranke Senior will nicht von fremden Leuten gewaschen und versorgt werden. Elisabeth M. hält ihr Versprechen, bis ihr Vater nach einem langen Abschied mit 83 Jahren stirbt. Zum Schluss benötigt er eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Daneben kümmert sich Elisabeth M. auch noch um ihre gehbehinderte Mutter. Ein Marathon, der die 55-Jährige an ihre Grenzen bringt.   Jeden Morgen fährt Elisabeth M. vor der Arbeit zu ihren Eltern, versorgt den bettlägerigen Vater, der nur noch langsam und sehr geschwächt ihren Bitten folgen kann. Sie lässt ihrer Mutter das vorgekochte Mittagessen da und fährt weiter zur Arbeit. In der Mittagspause oder am Abend erledigt sie rasch die Einkäufe, fährt wieder zu ihren Eltern und versorgt den Vater für die Nacht. Dazu kommt die Organisation der Pflegemittel, Medikamente und der ärztlichen Versorgung. Zum Glück zeigt ihr Arbeitgeber Verständnis, so kann sie ihre Arbeitszeiten flexibel einteilen.

Immer noch sind Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahmen wenig bekannt.

Zeit für Sport und Treffen im Freundeskreis bleibt nicht mehr übrig. Durch den Stress nimmt Elisabeth M. an Gewicht zu, die Sorge um ihre Eltern lässt sich nachts nicht schlafen. Irgendwann merkt sie: Sie fühlt sich ausgebrannt.   Wie Elisabeth M. haben viele Pflegende nur noch die ihnen Anvertrauten im Blick und verlieren sich dabei selbst. Das macht krank, wie der jüngste Pflegereport der Barmer Ersatzkasse dokumentiert. Rund 55 Prozent leiden unter Rückenschmerzen, rund 49 Prozent unter psychischen Störungen. Um daran etwas zu ändern, haben pflegende Angehörige Anspruch auf eine Kur. Immer noch sind diese Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahmen wenig bekannt. Bislang galt der Grundsatz: Betroffene müssen die ambulanten Angebote ausschöpfen, erst dann wird ein Antrag genehmigt. Jetzt gibt es eine Änderung: Seit Jahresbeginn können pflegende Angehörige auch dann eine stationäre Reha in Anspruch nehmen, wenn eine ambulante Versorgung ausreichend wäre. Dafür hat sich das Müttergenesungswerk seit Jahren eingesetzt. Seit 2013 bietet es Mütterkuren mit einem Schwerpunkt für pflegende Angehörige an, mittlerweile in fünf anerkannten Kliniken.

Ziel der Kur: Lernen, den Alltag besser zu bewältigen 

Eine Kur dauert in der Regel drei Wochen. Der Therapieplan wird individuell festgelegt und bezieht neben der gesundheitlichen Situation auch die persönliche Lebenssituation mit ein. Gemeinsam werden Lösungen erarbeitet, die helfen, den Lebensalltag besser zu bewältigen und gesundheitlichen Störungen vorzubeugen.   Schmerz in Stolz umgewandelt Elisabeth M. musste erst ihre Erschöpfung überwinden, bevor sie die Therapieangebote in der Kur annehmen konnte. Kneippen, Massagen, Walken, Einzel- und Gruppengespräche, Trauerverarbeitung, Austausch mit anderen Pflegenden – die Mütterklinik in Wertach im Allgäu bietet Vieles an. Vor allem die Einzel- und Gruppengespräche mit einer Sozialpädagogin und Psychologin haben Elisabeth M. gutgetan. Nach und nach spürte sie ihre Kraft und Energie zurückkommen, nahm auch an Stepp- und Yogakursen und der Wassergymnastik teil. „Ich habe gelernt, wieder mehr auf mich zu achten und trotz des stressigen Alltags einen Teil des Tages etwas für mich zu tun, auch wenn es manchmal nur Kleinigkeiten sind“, ist ihr Fazit. „Und ich konnte den Schmerz über den Tod meines Vaters besprechen und in Dankbarkeit und Stolz umwandeln.“ Der Rückkehr in den Alltag sieht sie gelassen entgegen: „Ich konnte mir Ziele und Wünsche erarbeiten, um die Pflege meiner Mutter wieder mit voller Zuversicht und Energie anzugehen.“ 

Der KDFB unterstützt das Müttergenesungswerk

Das Müttergenesungswerk bietet stationäre Vorsorge- und Reha-Kuren in speziell zertifizierten Kliniken. Der Frauenbund unterstützt das Werk seit seiner Gründung. Walburga Wittmann ist Delegierte des Frauenbundes in der Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Müttergenesung (KAG Müttergenesung). Sie ruft Frauenbundfrauen auf, in ihrem Umfeld über die Müttergenesung zu informieren, zum Beispiel durch Faltblätter in der Pfarrei, in der Eltern-Kind-Gruppe, im Kindergarten. Zweigvereine können am Muttertag den Gottesdienst nach einer Vorlage der KAG Müttergenesung gestalten. 

Walburga Wittmann weist darauf hin, dass das Müttergenesungswerk auf Spenden angewiesen ist. „Mit den Spenden werden die Angebote der Müttergenesung weiterentwickelt. Außerdem werden einzelne Frauen unterstützt, die sich die Fahrtkosten und andere Sonderausgaben für den Klinikaufenthalt nicht leisten können“, erläutert sie. 

Autorin: Eva-Maria Gras
aus: KDFB Engagiert 5/2019