KDFB

Jetzt ist Weihnachten!

KDFB-Frauen erzählen von ihrem ganz besonderen Weihnachtsmoment.

Den einen geht das Herz auf, wenn sich die Tür zum Weihnachtszimmer öffnet. Anderen beim „Stille Nacht, heilige Nacht“ in der Christmette oder beim Festessen mit der ganzen Familie. KDFB-Frauen erzählen von dem ganz besonderen Moment, in dem sich bei ihnen das Gefühl einstellt: Jetzt ist Weihnachten!

Tag der Dankbarkeit
von Claudia Schmidt, Geistliche Beirätin im Diözesanverband Rottenburg/Stuttgart des KDFB:
„Als Kind habe ich immer sehnsüchtig auf diesen besonderen Moment hingelebt. Nach den Wochen des Wartens im Advent sollte an Weihnachten eine innere Tür aufgehen. Ich wollte spüren: Jetzt ist Weihnachten.

Manchmal ist das gelungen. In meiner Familie gibt es den Brauch, dass wir an Heiligabend eine gemeinsame Feier abhalten. Wir versammeln uns um den Weihnachtsbaum, musizieren, singen Lieder und hören das Weihnachtsevangelium. Das ist schön und ergreifend, und oft war dies in meiner Kindheit der besondere Moment, in dem Weihnachten innerlich bei mir ankam. Manchmal blieb der Effekt aber auch aus, und ich war enttäuscht. Wie soll Weihnachten sein, wenn das Gefühl ausbleibt, wenn sich innere Freude nicht einstellen will? Es war mitunter schwer, aus dieser Erwartung an das Weihnachtsfest wieder herauszufinden.

Heute, als erwachsene Frau, genieße ich unsere Feiern an Heiligabend in anderer Weise. Ihr Ablauf ist noch immer unverändert, aber die Generationen haben sich verschoben. Die Familie versammelt sich nicht mehr bei meinen Eltern, sondern bei uns, der jüngeren Generation. Unser Sohn gibt den Rhythmus vor, indem er bei der Krippenfeier in der Kirche ein Schaf spielt. Danach gehen wir in unser Wohnzimmer. Alles wird vorbereitet, und dann geht es los. Das Musizieren wird allmählich mühsamer, weil wir aus der Übung sind. Doch vom Opa bis zum Enkel – alle geben sich viel Mühe. In der Mitte steht das Evangelium vom Kind in der Krippe, vom Gott, der unser Menschsein zutiefst bejaht.

Es ist wunderbar, Weihnachten auf diese Weise zu feiern. Für mich gibt es nicht mehr den einen Augenblick, in dem Weihnachten ist oder eben auch nicht. Der Heiligabend ist für mich der Tag der Dankbarkeit, dass wir als Familie – durch alle Zeiten hindurch – dieses kostbare Miteinander pflegen und füreinander da sind. Mitten darin scheint das Licht der Weihnachtsfreude in mein Leben und macht es hell.“

Anderen eine Freude machen
von Karin Schlecht, Diözesanvorsitzende KDFB Regensburg:

Für mich ist Weihnachten verbunden mit Wärme und Freude. Dieses Gefühl stellt sich bei mir auch hin und wieder bereits in der Adventszeit ein. In meinem Zweigverein ist es zum Beispiel üblich, dass alle Mitglieder, die älter als 80 Jahre sind, einen Besuch und ein kleines Geschenk im Dezember erhalten. Wenn ich dann spüre, wie sich viele der besuchten Frauen über dieses Ritual und die von uns geschenkte Zeit freuen, ist für mich schon Weihnachten. 

Das richtige Weihnachten beginnt für mich selbstverständlich erst am Heiligen Abend, wenn die stressige Zeit der Vorbereitungen und Einkäufe vorbei ist und die komplette Familie zusammen am Tisch sitzt. Bei der anschließenden Bescherung bereitet mir das Beobachten der einzelnen Familienmitglieder die größte Freude. Natürlich gehört auch die Christmette zu Weihnachten, und wenn am Ende die Lichter ausgehen und die ganze Kirchengemeinde das „Stille Nacht“ anstimmt, dann weiß ich: Es ist Weihnachten!“

Gemeinsam die vertrauten Plätzchen naschen
von Christine Boehl, KDFB-Vizepräsidentin, Berlin:

„Den Moment für Weihnachten selbst gibt es bei mir nicht, sondern Weihnachten schleicht sich heran und beginnt damit ganz leise Schritt für Schritt ab dem ersten Advent: unbedingt mit der Plätzchendose, die meine Mutter mir zum Glück noch immer schickt. Das Wichtigste daran ist aber nicht (nur), dass es seit meiner Kindheit immer die gleichen Plätzchensorten sind, sondern vor allem, dass die selbst gebackenen Plätzchen nie alleine oder gar heimlich genascht werden dürfen, sondern die Dose nur gemeinsam beim Zusammensitzen mit Tee und Kerzen am Adventskranz geöffnet werden darf. Dann beginnt ganz wohlig und langsam die Weihnachtszeit.

Die Weihnachtstage selbst haben sich im Lauf der Zeit verändert, untrennbar werden sie immer mit der Erinnerung an „früher“ verbunden sein: In jedem Jahr denke ich mit Freude und Dankbarkeit an all die vielen Jahre zurück, an denen Weihnachten vor allem auch der Moment war, an dem meine Schwester und ich am zweiten Weihnachtsfeiertag mit dem Bus zum Europäischen Jugendtreffen der Communauté von Taizé in irgendeine europäische Großstadt gefahren sind, um dort als Helferinnen beim Treffen teilzunehmen. Heute begleite ich dann mit meinen Gebeten in den Weihnachtsgottesdiensten all die jungen Leute und die Brüder der Gemeinschaft, die das weiterhin – in diesem Jahr in Prag – tun werden.“

Gerne alle Jahre wieder: Familienrituale von Würstchen bis zum Glöckchen
von Clara Slawik, Schülerin, Augsburg:

„Weihnachten besteht für mich aus Ritualen, die immer gleich ablaufen. Dazu gehört zum Beispiel, dass es im Advent immer stressig ist. Ausnahmslos! Das Weihnachtsgefühl kommt erstmals meist am letzten Schultag vor den Ferien. Denn dann ziehen meine beste Freundin und ich los, besorgen eventuell noch fehlende Geschenke und schauen uns einen Film im Kino an. Doch das richtige Weihnachtsgefühl stellt sich erst an Heiligabend ein, wenn vormittags der Baum geschmückt wird, während im Fernseher Kinderfilmklassiker wie Michel aus Lönneberg oder Pippi Langstrumpf laufen. Um 18 Uhr gibt es dann Abendessen – jedes Jahr Würstle mit Kartoffelsalat. Anschließend gehen wir Kinder in eines unserer Zimmer, während unsere Eltern die Geschenke unter den Baum legen. Und wenn dann ein Glöckchen erklingt, wir ins Wohnzimmer kommen und die Kerzen am Christbaum brennen – dann ist für mich Weihnachten. Die Geschenke gibt es natürlich erst, wenn das Weihnachtsevangelium verlesen und mindestens zwei Lieder gesungen wurden. Anschließend folgt noch der Besuch der Christmette. Mir ist klar, dass sich das irgendwann ändern wird, wenn wir alle eine eigene Familie haben – aber noch freue ich mich darüber, dass an Heiligabend alles so ist, wie es schon immer war.“

An Weihnachten liegt etwas Besonderes in der Luft 
von Annett Arnstadt, Vertreterin der Einzelmitglieder im KDFB-Bundesverband, Zschopau/Sachsen:

„Weihnachten fängt für mich in der Kirche an, und zwar an Heiligabend. Ich mag dieses ursprüngliche Weihnachten. Es ist jedes Jahr wieder ein besonderer Moment, wenn es in die Kirche geht. Da steht dann dieser riesige Weihnachtsbaum, die herrlich geschmückte Krippe mit dem Christkind. Die Kirche platzt wie jedes Jahr aus allen Nähten, und ich muss um einen Stehplatz bangen für mich und meine Kinder. Egal, ob in Chemnitz oder Dresden: An Weihnachten liegt etwas in der Luft, was man nicht anfassen kann, nicht kaufen kann. Es ist etwas Besonderes, mit den Menschen Weihnachtslieder zu singen, Gott zu spüren und zu erfahren. In die strahlenden Gesichter der Kinder in der Kirche zu schauen. Den Kindern zuzuhören, die liebevoll das Krippenspiel eingeübt haben. Die Kapellknaben singend zu erleben. Dem Mysterienspiel zu lauschen, zu dessen Spielerinnen ich selbst einmal gehörte. Das ist für mich Weihnachten. Dazu gehört auch, mit Menschen zusammen zu sein und zu essen, die man sonst weniger sieht. In der Weihnachtszeit die Sternsinger zu begleiten, von Haus zu Haus bis zum sterbenden alten Menschen. Das alles ist für mich Weihnachten. Ein Fest der Liebe, des Glaubens und der Geburt Jesu Christi.“

Lebhaftes Treiben im Haus
von Hiltrud Lennert, Diözesanvorsitzende des KDFB in Mainz:

„Kaum noch Termine, der Schwerpunkt liegt auf der Festvorbereitung. Die Kinder sind angereist, und lebhaftes Treiben herrscht im Haus. Die selbstgebackenen Plätzchen und liebevoll verpackten Geschenkpäckchen liegen unter dem schön geschmückten Weihnachtsbaum neben der Krippe. Gemeinsam sind alle Vorbereitungen getroffen. Der Duft des Essens zieht durchs Haus, es wird dunkel. 

Wir kleiden uns festlich, stellen uns bei Kerzenlicht mit Familie und weiteren Gästen um das Klavier. Einer von uns greift in die Tasten und wir singen Weihnachtslieder. Wir essen gemütlich, geben Geschenke und nehmen welche entgegen. Wir haben viel Spaß und Freude beim Auspacken. Wenn wir dann in der Mitternachtsmette sind und die Stimmung in unserem Dom auf mich einwirkt, dann kann ich sagen: „Jetzt ist für mich Weihnachten.“

Ruhig werden bei Kerzenschein 
von Gaby Ahorner, KDFB-Einzelmitglied, Köln:

„Am ersten Weihnachtstag trifft sich seit einigen Jahren die gesamte Familie zum Weihnachtsessen bei mir, von der Urgroßmutter bis zu den Urenkeln. Wenn an Heiligabend das Essen vorbereitet, der Weihnachtsbaum geschmückt und die lange Tafel festlich gedeckt ist, wenn es dämmrig draußen wird und ganz still im Dorf – dann zünde ich im Wohnzimmer viele Kerzen an, setze mich mit einer Tasse Tee hin und höre klassische Weihnachtsmusik. All die Hektik fällt ab und weicht dem Gefühl des inneren Friedens. Das ist für mich der Moment, in dem ich spüre: Jetzt ist Weihnachten!“

Texte zusammengestellt von Gabriele Klöckner

KDFB Engagiert – Die Christliche Frau Ausgabe 12/2014