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Gründerin der Münchner Bahnhofsmission: Ellen Ammann

Sie sah, wenn Menschen in Not waren und handelte: Frauenbund-Gründerin Ellen Ammann richtete auch die Bahnhofsmission am Münchner Hauptbahnhof ein. Foto: KDFB

Ein Stuhl und ein kleiner Tisch mit abschließbarer Schublade – so bescheiden waren 1897 die Anfänge der ersten Katholischen Bahnhofsmission in einer Ecke des Wartesaals am Gleis 11 auf dem Münchner Hauptbahnhof. Gründerin der Einrichtung war die Frauenrechtlerin Ellen Ammann.

Ihr Vorbild: die 1894 gestartete Evangelische Berliner Bahnhofsmission. Ammann hatte erkannt, dass vorbeugende Sozialarbeit am Bahnhof ansetzen muss: Mit Mitstreiterinnen des Marianischen Mädchenschutzvereins wartete sie die Ankunft der Züge ab, sprach stadtunkundige Landmädchen an, bevor diese in die Fänge von Schleppern fallen konnten, und informierte über Arbeitsstellen und Unterkünfte. So bewahrte sie junge Frauen davor, als rechtlose Arbeitskraft in Fabriken zu landen oder als Prostituierte verkauft zu werden.

1895 war Ellen Ammann wesentlich an der Gründung des Marianischen Mädchenschutzvereins (heute IN VIA) beteiligt. Dieser Verband kümmerte sich mit Zufluchtsheimen und Lehrkursen um junge Mädchen vom Land. Ziel des Mädchenschutzvereins war es, ein länderübergreifendes Hilfsnetz für junge, an fremden Orten alleinstehende und Arbeit suchende Mädchen aufzubauen.

Von den derzeit bestehenden 104 deutschen Bahnhofsmissionen haben 72katholische Träger, davon wird rund ein Drittel von IN VIA geführt. 2019 feiert die Bahnhofsmission ihr 125-jähriges Bestehen.

 

Autorin: Karin Schott
aus: KDFB engagiert 10/2019

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