KDFB

Europäischer Sozialfonds fördert Frauen

Was hat die Familienpflege-Einsatzleiterin aus dem Allgäu mit einer polnischen Juristin und einer litauischen Schneiderin gemeinsam? Sie alle profitieren vom Europäischen Sozialfonds, um sich beruflich zu qualifizieren. Ein Beispiel, wie EU-Politik bei Bürgerinnen ankommt.

In ihrer täglichen Arbeit denkt Roswitha Hupfer-Müller nicht an Europa. Seit vielen Jahren leitet sie in Türkheim im Unterallgäu die Station des Familienpflegewerks im KDFB. Das heißt: In ihrem Wohnhaus laufen die Drähte heiß. Es rufen Familien an, die händeringend nach Hilfe suchen. Die Mutter krank, der Vater beruflich stark belastet. Die Oma pflegebedürftig und die bange Frage: Wer kümmert sich um Kinder und Haushalt?
Roswitha Hupfer-Müller weiß meist Rat. Sie koordiniert die Einsätze der Familienpflegerinnen im Landkreis. Sie schickt die ausgebildeten Fachkräfte an ihre Einsatzorte, sie verhandelt mit Krankenkassen, erstellt Abrechnungen und hat viele weitere Aufgaben. Um diese zu bewältigen, sind Einfühlungsvermögen, starke Nerven, solide Fachkenntnisse und die Bereitschaft gefragt, sich ständig fortzubilden. Gerade hat Roswitha Hupfer-Müller eine solche Fortbildung abgeschlossen. Wie zwölf andere Einsatzleiterinnen aus dem Familienpflegewerk kann sie sich jetzt ein Zertifikat ins Arbeitszimmer hängen, das besagt: Sie hat am Projekt „Frauen führen Familienpflegestationen von morgen“ teilgenommen. Vier Fortbildungsmodule hat Roswitha Hupfer-Müller dazu innerhalb von zwei Jahren besucht. Ziel des Qualifizierungsprogramms war es, die Führungskompetenz von Einsatzleiterinnen zu stärken.

Ob in Deutschland oder Polen: Der Sozialfonds soll helfen, Qualifikationen zu verbessern

Ein Ziel, das sich mit den übergeordneten Förderrichtlinien des Europäischen Sozialfonds deckt. Der Sozialfonds hilft Menschen in Europa, indem er unter anderem Ausbildung und Umschulung bereitstellt, indem er ihre Qualifikationen verbessert, die Entwicklung ihrer Karriere und die unternehmerische Initiative fördert.
Tausende von Europäern und Europäerinnen haben bereits davon profitiert: Die Juristin Anna aus dem polnischen Lublin beispielsweise wollte nicht als Rechtsanwältin arbeiten. Es gelang ihr, sich mit einer Kinderbetreuungseinrichtung selbstständig zu machen. Dafür besuchte sie Kurse in Marketing, Werbung und Finanzmanagement – gefördert vom Europäischen Sozialfonds. Und die taubstumme Schneiderin Jolanta fand eine Stelle bei einer renommierten Designerin im litauischen Vilnius.

Die Mitgliedsstaaten entscheiden wie das Geld verteilt wird

Damit das Geld aus Brüssel bei den Frauen ankommt, müssen viele Räder ineinandergreifen. Die EU stellt Mittel aus dem Fonds zunächst seinen 27 Mitgliedsstaaten zur Verfügung, die über die Verteilung entscheiden. Bis das Familienpflegewerk zum Zuge kam, waren nach dem Bund noch zwei weitere Stellen eingeschaltet: zunächst der Paritätische Wohlfahrtsverband und dann das Projekt „Rückenwind“, das sich zum Ziel gesetzt hat, Beschäftigte in der Sozialwirtschaft zu fördern. So weit kann der Weg von Brüssel ins Allgäu sein.

Eva-Maria Gras
KDFB Engagiert-Die Christliche Frau, Ausgabe 4/2014

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