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Starkes Netzwerk für Familien

Ein Netzwerk, das Familien effektiv hilft: die Familienpaten Bayern. Foto: mauritius images/Image Source/Stephen Lux

Familien durch ehrenamtliche Kräfte entlasten, damit aus kleinen Sorgen keine Probleme werden. Mit diesem Ziel ist vor zehn Jahren das Netzwerk Familienpaten Bayern entstanden. Der Frauenbund ist Gründungsmitglied und bis heute aktiv dabei.


Gabi Habermann ist für ihren ehrenamtlichen Einsatz gerüstet: bequeme Jeans, T-Shirt, feste Schuhe und eine Regenjacke. Nach vielen Wochen Corona-Pause besucht die Familienpatin wieder eine Familie, die ihr vom Kinderschutzbund Bayreuth vermittelt wurde. Und sie weiß genau: Die drei Kinder erwarten sie sehnsüchtig. Raus auf den Spielplatz, toben, lachen, Spaß haben. Endlich ist das wieder möglich. Die Familie hatte um Entlastung gebeten, da die Mutter unter einer schweren Krankheit leidet. Gabi Habermann spendet als Familienpatin gerne ihre Zeit. „Ich wollte etwas Sinnvolles tun, und ich bin einfach gerne mit Kindern zusammen“, sagt sie. „Kinder sind das Ehrlichste, das Wunderbarste von der Welt.“ Zweimal in der Woche ist sie ehrenamtlich unterwegs. Dafür hat die 56-Jährige ihre Teilzeitarbeit als Gemeindesekretärin der evangelisch-reformierten Kirche in Bayreuth auf drei Wochentage zusammengedrängt. „Mir ist es wichtig, anderen helfen zu können. Dabei denke ich mir, ich mache doch nur Selbstverständliches, das könnten viele andere auch tun.“
Familien unterstützen, damit aus kleinen Sorgen keine Probleme werden. Mit diesem Ziel ist das Netzwerk Familienpaten vor zehn Jahren entstanden. Damals taten sich vier Organisationen zusammen, um das Modellprojekt auf den Weg zu bringen. Heute sind noch zwei Träger aktiv: das Bildungswerk des KDFB Bayern und der Kinderschutzbund Bayern. Diese beschäftigen je eine der beiden Projektleiterinnen, bei denen die Fäden des Netzwerks zusammenlaufen. Sie betreuen und unterstützen die mittlerweile 58 Standorte.

An 58 Standorten in Bayern ist das Netzwerk zu finden

Außerdem schulen sie die Koordinator*innen. Deren Aufgabe ist es wiederum, vor Ort ehrenamtliche Kräfte zu schulen, an Familien vermitteln und zu begleiten. Sie nehmen auch die Anfragen von Familien entgegen und bringen Familien und Pat*innen zusammen. Die Koordinator*innen sind angesiedelt beim Kinderschutzbund, in Mehrgenerationenhäusern, städtischen und sozialen Einrichtungen. „Im Netzwerk arbeiten wir Hand in Hand und ergänzen uns wirkungsvoll“, erklärt Waltraud Schreyer, die Projektreferentin des KDFB Bayern. Alle zwei Jahre findet ein Fachtag für Koordinator*innen und Interessierte statt. In diesem Jahr widmeten sich die Vorträge und Diskussionen dem Thema „Familienbilder und Migration“.
Gabi Habermann fand über den Kinderschutzbund zum Projekt. Gerne erinnert sie sich an die Schulungen: „Besonders gut fand ich dabei die Rollenspiele,  die wir geübt haben. Wir hatten die Aufgabe, uns in eine bestimmte Person hineinzuversetzen. Am Anfang dachte ich, diese Person kann ich nicht darstellen, das ist nicht mein Naturell. Aber ich habe gemerkt, dass es mir sehr viel bringt, ich mache das auch heute noch im Alltag. Ich denke mich in eine Person hinein und verstehe, warum sie so ist, wie sie ist.“

Der Einsatz ist auf ein Jahr begrenzt

In den vergangenen zwei Jahren war Gabi Habermann insgesamt bei fünf Familien im Einsatz, meist einmal in der Woche für jeweils drei Stunden. „Man merkt schon bei der ersten Begegnung, ob da ein Funke überspringt und man diese Aufgabe übernehmen kann.“ Allen Beteiligten ist von vorneherein klar, dass der Einsatz nach einem Jahr beendet ist. „Danach kommt die Familie wieder selbst klar oder wir zeigen ihr anderweitige Unterstützung auf“, sagt Habermann. Da die Familien über den Landkreis Bayreuth verstreut leben, fährt sie mit dem eigenen Auto hin. Die Fahrtkosten werden ihr vom Kinderschutzbund erstattet.
Meist entwickelt sich eine recht enge Beziehung zur Familie, ist Gabi Habermanns Erfahrung. „Die Familien bringen uns Paten ein enormes Vertrauen entgegen“, erklärt sie. „Oft lernen wir die gesamte Verwandtschaft kennen und sind zu Geburtstagen eingeladen. Da ist es nicht so einfach, sich nach einem Jahr wieder zu verabschieden. Aber man hält meist noch telefonisch Kontakt.“

Die Schulungen vermitteln Selbstvertrauen, um den Aufgaben gewachsen zu sein

Ganz wichtig ist ihr der Austausch mit Kollegen und Kolleginnen. „Wir treffen uns regelmäßig unter Anleitung unserer Koordinatorin. Wir sind Männer und Frauen unterschiedlichsten Alters, auch Studenten sind dabei und über Sechzigjährige.“ Bei den Treffen erhält Habermann nützliche Tipps: Welchen Film kann man mit Kindern eines bestimmten Alters anschauen? Welches Schwimmbad eignet sich? Was tun, wenn Schwierigkeiten in der Familie auftauchen? „Unsere Koordinatorin ist für uns als Ansprechpartnerin immer erreichbar. Sie fragt auch bei den Familien nach, wie der Einsatz läuft.“ Manche Einsätze können die Paten an ihre Grenzen bringen, gerade wenn ein Mitglied der betreuten Familie schwer krank wird oder stirbt. „Ich weiß, ich kann damit umgehen“, sagt Gabi Habermann. „Aber es ist gut zu wissen, dass man bei der Koordinatorin gut aufgehoben ist.“ Und den Familien ist schon sehr geholfen, wenn sich die Patin um die Kinder kümmert und den Eltern zuhört.
Familienpat*innen werden immer gesucht. Berührungsängste mit den Familien muss niemand haben, versichert Habermann. „Am besten ist es, einfach so zu sein, wie man ist. Natürlich, offen, authentisch.“
Die Ausbildung habe viel gebracht, betont sie. „Dort verliert man jeden Zweifel, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein.“
    
Autorin: Eva-Maria Gras
aus: KDFB engagiert 7/2020

 

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