KDFB

Ein guter Platz für Schulkinder

Hausaufgaben werden häufig schon in der Mittagsbetreuung erledigt. Foto: Angelika Bardehle

Spielen, basteln, Hausaufgaben erledigen: Grundschulkinder, die eine Mittagsbetreuung besuchen, haben viel Abwechslung. Der Frauenbund Bayern macht Betreuer*innen seit zwanzig Jahren fit für ihre anspruchsvolle Aufgaben. Kultusminister Michael Piazolo dankt dem Frauenbund für diesen Einsatz.
Zwei KDFB-Frauen erzählen, wie ihr Alltag in der Mittagsbetreuung ausschaut.

 

Es gibt Augenblicke, da weiß Elke Hegele genau, dass sie als Mittagsbetreuerin am richtigen Platz ist: „Wenn sich die Kinder freuen und dich umarmen, wenn sie dich nach den Ferien wiedersehen. Das ist einfach toll.“ Hegele, Mutter einer erwachsenen Tochter, hat sich vor acht Jahren auf die Stelle an der Grundschule in Bächingen an der Brenz nahe Dillingen beworben. „Ich habe gleich gedacht, das ist was für mich, als ich die Ausschreibung gesehen habe. Es macht mir Spaß, mit Kindern zusammen zu sein.“ Heute betreut sie mit zwei Kolleginnen insgesamt 47 Schülerinnen und Schüler der ersten bis vierten Klasse. Um 10.30 Uhr ist Dienstbeginn. Elke Hegele trifft Vorbereitungen für einen reibungslosen Ablauf, denn um 11.05 Uhr kommen die ersten Kinder. Manche sind müde, andere unruhig vom langen Stillsitzen im Unterricht. Erholung, spielen, Bewegung – das alles bieten die Mittagsbetreuerinnen bis 15.30 Uhr. Wann immer möglich, geht es in den Schulgarten, wo Spielgeräte stehen. Bei schlechtem Wetter bietet die Turnhalle Platz zum Austoben. „Hundehütte“ heißt ein Fangspiel, bei dem alle begeistert mitmachen. Atemlos sausen die Kinder umher.

 

Hausaufgaben schon vor dem Heimgehen erledigt

 

Auch ein Mittagessen wird in der Mittagsbetreuung gereicht. Das Essen wird von der Küche eines Altenheimes geliefert, die Betreuerinnen bringen es auf die richtige Temperatur und verteilen es in der Schülerrunde. Später geht es an die Hausaufgaben, die unter Aufsicht der Mittagsbetreuerinnen erledigt werden. „Ich finde, es ist wichtig, dass die Schüler die Aufgaben bei uns erledigen“, meint Hegele. Am späteren Nachmittag seien die Sechs- bis Zehnjährigen einfach zu müde, um sich zu Hause noch einmal an den Schreibtisch zu setzen.

 

Rüstzeug für die Arbeit als Mittagsbetreuerin beim Frauenbund geholt

 

Elke Hegele hat sich das Rüstzeug für ihren vielseitigen Job beim Frauenbund geholt. Er bietet seit 20 Jahren Basisschulungen und Fortbildungen an. Und sie rät jeder Mittagsbetreuerin dazu, die Kurse des KDFB zu besuchen. „Es gibt heute immer mehr auffällige Kinder“, sagt die 51-Jährige, „da ist es gut zu wissen, wie man mit ihnen umgeht.“ Konflikte schlichten, Grenzen setzen – auch das gehört zu ihrem Alltag. „Du lernst, wie du dich durchsetzen kannst, sonst hast du keine Sonne“, sagt sie verschmitzt. Herausforderungen nimmt sie gerne an. Vor allem, weil sie sich als Mittagsbetreuerin von ihrer Grundschule umfassend unterstützt fühlt. „Wir dürfen alle Spielmittel verwenden, die in der Schule vorhanden sind“, sagt sie. Tauchen Fragen auf, welche Hausaufgaben zu erledigen sind, kann sie schnell Rücksprache mit den Lehrer*innen halten. Auch die Schulleiterin steht ihr als Ansprechpartnerin zur Verfügung. „Wir sind gut aufgestellt“, betont sie.

 

Mehr Wertschätzung gefordert

 

Das ist nicht überall so. Viele Mittagsbetreuer*innen wünschen sich mehr Wertschätzung von Trägern und Schulen. Auch wenn sie nur als „pädagogisch geeignete Kräfte“ gelten und keine Ausbildung als Erzieherin oder gar ein Studium nachweisen müssen. „Wir Mittagsbetreuerinnen sind meist selbst Mütter und haben viel Erfahrung im Umgang mit Kindern. Wir stemmen alle anfallenden Aufgaben in der Mittagsbetreuung seit Jahren und besuchen ständig Fortbildungen – lange Zeit habe ich die Kurse aus eigener Tasche bezahlt“, wirft Ulrike Stowasser ein. Die KDFB-Vizepräsidentin ist seit zehn Jahren an einer Grundschule in Nördlingen beschäftigt. Und sie betont, wie anspruchsvoll die Tätigkeit ist. „Wir haben immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund, die uns vor neue Aufgaben stellen.“ Da ist der syrische Junge, der nur in Schule und Mittagsbetreuung Deutsch hört, weil zu Hause die Muttersprache gesprochen wird. Wie kann man sein Sprachverständnis fördern? Wie kann man schlichten, wenn Kinder aus ihren Elternhäusern Vorurteile und Abwertung gegenüber Menschen anderer Herkunftsländer mitbringen? Wie kann man Mädchen und Jungen, die sich zu wenig bewegen, zielgerichtet fördern? Mittagsbetreuer*innen stehen heutzutage vor ähnlichen Schwierigkeiten, wie sie Erzieher*innen und Lehrer*innen bewältigen müssen. Stowasser wünscht sich vertiefende Fortbildungen, um den Alltag zu meistern. „Wir müssen jeden Tag neu schauen, dass wir ein Miteinander hinbringen“, sagt die 53-Jährige. „Wir haben eine kleine gemütliche Mittagsbetreuung, und wir legen Wert darauf, dass wir mittags alle gemeinsam beim Essen am Tisch sitzen – da passen 14 Leute hin.“

 

Mittagsbetreuung unterstützt Familien

 

Manche Kinder erlebten diese Gemeinschaft nur in der Mittagsbetreuung. Der Einsatz lohnt sich. „Ich bin froh, dass ich vielen Kindern helfen kann – in einer Phase, in der die Eltern gerade keine Zeit haben oder überfordert sind“, sagt Stowasser. Immer wieder gibt es kleine Erfolgserlebnisse: Wenn sie Kinder mit Bastelarbeiten anleiten kann, ihre Fingerfertigkeit zu verbessern. Oder wenn sie einen kleinen Burschen überzeugen kann, dass es doch keine entwürdigende Frauenarbeit ist, einen Putzlappen in die Hand zu nehmen und den Esstisch abzuwischen. „Da kann ich ganz schön hartnäckig sein“, lacht Ulrike Stowasser.

 

aus: KDFB Engagiert 4/2020
Autorin: Eva-Maria Gras

 

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