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Die vergessenen Familien

Für Eltern mit einem behinderten Kind ist Vereinbarkeit oft unmöglichMütter sind oft Co-Therapeuten.Und die Familien haben höhere Kosten durch ihr krankes oder behindertes Kind.

Perfekte Organisation ist für Familien, in denen beide Eltern arbeiten (müssen), unabdingbar. Doch dazu gehören Kinder, die sich auf diese Weise organisieren lassen, gesunde, sich normal entwickelnde, leicht zu handhabende Kinder. Doch nicht jedes Kind ist so. Familiensoziologin Johanna Possinger vom Deutschen Jugendinstitut in München:?„Wenn Kinder aber nicht gesund sind, wenn sie besondere Bedürfnisse haben, Entwicklungsverzögerungen oder gar Behinderungen, dann wird es ganz schwierig: Kinder mit gesundheitlichen Einschränkungen haben besonderen und oft höheren Betreuungsbedarf, ihre Mütter sind oft ihre Co-Therapeuten, und für diese Familien gilt in besonderem Maß: Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht nicht. Meistens geben die Mütter dann ihre Berufstätigkeit ganz auf, weil es nicht anders zu managen ist. Dabei haben diese Familien gleichzeitig oft höhere Kosten durch ihr krankes oder behindertes Kind, und dann fehlt das Geld an allen Ecken und Enden. Die Eltern dieser Kinder fallen also ganz raus aus der Vereinbarkeitsdebatte, sie stehen am Rand und werden meistens vergessen. Und für sie ist es Zynismus pur, wenn gesagt, wird: Ist doch alles nur eine Frage der Organisation!“

Autorin: Susanne Zehetbauer

aus: Engagiert 5/2015

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