KDFB

Die Bibel wird weiblicher

An der neuen Einheitsübersetzung der Bibel wurde sprachlich viel gefeilt. Auch an den Texten, in denen es um Frauen geht.

Zehn Jahre lang haben TheologInnen, Bibel- und SprachwissenschaftlerInnen sowie HistorikerInnen an der Neufassung der 1980 erschienenen Einheitsübersetzung gearbeitet. Die Basis für die Überarbeitung waren nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz neue Erkenntnisse der Textforschung, eine engere Orientierung am Urtext und die Berücksichtigung des aktuellen Sprachgebrauchs. So gibt es in nahezu jedem Abschnitt des Textes Änderungen.

Unter diesen Vorgaben wurden auch die Bibelstellen bearbeitet, die Frauen betreffen. „Das heißt“, so die Direktorin des Katholischen Bibelwerks, Katrin Brockmöller, „die Überarbeitung der Einheitsübersetzung fand nicht unter einem frauenspezifischen Blickwinkel statt. Dennoch gibt es einige markante Änderungen“. Zwei davon sind nach ihrer Meinung für Frauen besonders bedeutungsvoll. 

Die erste hängt mit den Erkenntnissen der textkritischen Forschung zusammen. Sie belegen, dass Paulus im Brief an die Römer von einer Apostolin mit Namen Junia spricht. Dort heißt es jetzt: „Grüßt Andronikus und Junia (...); sie ragen heraus unter den Aposteln und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt (Röm 16,7).“ Die männliche Namensform Junias war falsch. 

Frauen werden sichtbarer 

Als zweite wichtige Änderung für Frauen sieht Katrin Brockmöller die Korrektur der bisher engführenden Übersetzung des griechischen Wortes „adelphoi“ mit „Brüder“. Wenn eine Gemeinde mit dem Wort „adel­phoi“ angesprochen wird, sind im Griechischen sowohl Männer als auch Frauen gemeint. „Diese Berichtigung macht Frauen in den frühchristlichen Gemeinden sichtbarer“, sagt die promovierte Bibelwissenschaftlerin. Sichtbarer werden Frauen für sie auch durch einige neue Überschriften. So stand bisher vor den Texten über die Auferstehung bei Mk 16 „Die Botschaft der Engel im leeren Grab“. Jetzt heißt es: „Die Frauen am leeren Grab“. Und im Alten Testament taucht in der Überschrift zur Ge­schichte des kleinen Mo­ses (Ex 4,24–26) der Name einer Frau auf: „Moses Rettung durch Zippora.“

Die Frage nach der Diakonin 

Manche Übersetzungen konnten schwierige Stellen klären. So sagte Jesus bei seinem Besuch von Maria und Martha (Lk 10,42) nicht: „Maria hat den besseren Teil gewählt“, sondern „Maria hat den guten Teil gewählt“. Und in der Erzählung über das erste Menschenpaar (Gen 2,18) erschafft Gott für den einsamen Mann eine Hilfe, „die ihm ebenbürtig ist“, nicht wie zuvor eine Hilfe, „die ihm entspricht“. Für die Nutzung des Wortes Diakon oder Diakonin gibt es keine Neuerungen. „Viele haben wohl gehofft, dass Phöbe in Röm 16,1 als Diakonin bezeichnet wird“, vermutet Katrin Brockmöller. Doch sowohl im Blick auf Männer wie auch auf Frauen wird in der Briefliteratur das griechische Wortfeld „diakonein“ mit „dienen“ oder als „Diener“ übersetzt. Von dieser Regel gibt es nur eine Ausnahme. In 1 Tim 3,8–12 geht es um eine Aufzählung von Ämtern in der Kirche und welche Voraussetzungen Bischöfe und Diakone dafür mitbringen sollen. Mittendrin steht ein Satz über Frauen (1 Tim 3,11). „Vermutlich geht es hier um Diakoninnen. Nicht um Frauen allgemein oder die Frauen der Diakone“, ist Katrin Brockmöller überzeugt. Kritisch sieht sie, dass einige für Frauen wichtige Fußnoten fehlen, weil man sich generell bei den Erläuterungen beschränken wollte. So ist nicht mehr erklärt, wie es möglich sein soll, dass Frauen im Gottesdienst beten und prophezeien (1 Kor 11,2–16) und gleichzeitig in der Gemeinde schweigen sollen (1 Kor 14,34). „Hier hätte man deutlicher sein können, weil Frauen in der Gemeinde bisweilen eben diesen Satz vorgehalten bekommen“, so Brockmöller. 

Wunderbar findet sie dagegen die neue Fassung von Ps 131,2. Dort heißt es jetzt: „wie ein gestilltes Kind bei seiner Mutter, ... so ist mein Seele in mir.“

Autorin: Anne Granda
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 12/2016