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Diakonat der Frau – endlich verwirklichen!

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Fünf engagierte Katholikinnen plädieren dafür, das Weiheamt endlich einzuführen – jetzt

Der Diakonat der Frau ist längst überfällig. Der Frauenbund fordert ihn seit mehr als zwanzig Jahren. Auch Bischof Gebhard Fürst sieht das Weiheamt als Zeichen der Zeit. Fünf engagierte Katholikinnen plädieren dafür, es endlich einzuführen – jetzt.

Dorothea Reininger: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts”

Die promovierte Theologin Dorothea Reininger aus Lingen war beteiligt, als die Idee zum Tag der Diakonin entstand, und engagierte sich zehn Jahre lang als Vorsitzende des Netzwerks Diakonat der Frau. Sie schrieb ihre Doktorarbeit über den Diakonat der Frau in der einen Kirche:

„Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“, hat es einmal Bischof Jacques Galliot auf den Punkt gebracht. Das ist genau das, was der Papst heute immer wieder betont: „Geht an die Ränder!“ – auch wenn Ihr Euch dann „die Finger schmutzig macht“. Meine Überzeugung ist: Die Kirche braucht dringend die Frauen im Diakonat, weil diese längst an den Rändern tätig sind, oft unerkannt und unauffällig. Aber in den pastoralen Umbrüchen, die die Kirche im Moment erlebt, gerade auch hier in Deutschland – nicht nur Priester-, sondern inzwischen auch Hauptamtlichenmangel unter LaientheologInnen, Zusammenlegung von Pfarreien zu großen pastoralen Räumen... – da brauchen wir unbedingt alle Charismen, die der Geist der Kirche schenkt! Man kann sich natürlich auch die Kirchengeschichte anschauen und prüfen, welche Aufgaben Diakoninnen in alten Zeiten hatten, ob sie ein Weihesakrament empfingen oder nicht – so wie es eine päpstliche Kommission derzeit tut. Aber wenn man zuerst danach fragt, wie die Kirche ihre Aufgabe, das Evangelium vom menschenfreundlichen Gott zu verkünden, heute am besten erfüllen kann, dann wird man automatisch drauf kommen, dass Frauen im Diakonat nicht nur möglich sind, sondern dringend gebraucht werden. Wenn man die Frage von dieser pastoralen Seite her betrachtet, dann muss man aus historischer Sicht ganz deutlich sagen, dass ein „Unmöglich“ zum Diakonat der Frau etwas völlig Neues in der Geschichte der Kirche wäre. Das hat es bisher nie gegeben. Wäre die aktuelle Situation heute wirklich der richtige Zeitpunkt für ein „Unmöglich“? Wohl kaum, eher ein „Unaufschiebbar“! 

Stefanie Patt: „Der Kirche geht viel verloren“

Die Religionspädagogin Stefanie Patt aus Ortenberg/Hessen ist seit ihrem vierzehnten Lebensjahr ehrenamtlich in der Kirche aktiv. Sie nahm am ersten Ausbildungskurs zur Diakonin teil. Für den zweiten Kurs übernahm sie die Organisation:

Während der Ausbildung habe ich gesehen, wie notwendig die diakonalen Aktivitäten sind. In den Kursen waren sehr unterschiedliche Frauen, alle in ganz verschiedenen Bereichen engagiert. Das ging von Seniorenbegleitung über Hospiz bis zu Jugendarbeit und Krankenbesuchen. Der Kirche geht viel verloren, wenn die Charismen der Frauen nicht gewürdigt werden. Bei den vielen Aufgaben in meiner Pfarrei wurde mir bald klar, dass das nur Frauen und Männer gemeinsam leisten können. Und wenn ich in der Bibel lese, dass Gott den Menschen als Mann und Frau erschuf, wird es überdeutlich, dass es eine Frage der Glaubwürdigkeit von Kirche ist, dass Frauen und Männer gemeinsam die Aufgaben bewältigen. Wenn Männer für die Aufgaben die Weihe brauchen, dann brauchen Frauen, die diese Aufgaben schon längst ebenso erfüllen, sie auch. Wie notwendig die Arbeit ist, wird besonders in den großen Seelsorgeeinheiten deutlich. Dort werden sonst die Nöte des Einzelnen aus den Augen verloren, auch die der Pfarrer.

Claudia Lücking-Michel: „Frauen geben der Kirche ein Gesicht“

Die promovierte Theologin und CDU-Bundestagsabgeordnete Claudia Lücking-Michel aus Bonn ist seit Studienzeiten mit dem Thema Diakonat der Frau befasst, setzte sich im Rahmen des KDFB und der Theologischen Kommission für den Diakonat ein. Als Vizepräsidentin trug sie das An­liegen ins Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). So ist es auch ihr zu verdanken, dass die Vollversammlung des ZdK beschlossen hat, den Diakonat der Frau aktiv zu unterstützen und sich am Tag der Diakonin zu beteiligen:

Frauen sind diejenigen, die der Kirche ein Gesicht geben, nicht nur, aber ganz bestimmt im diakonischen Bereich. Sie halten da die Kirche lebendig und vertreten sie nach außen. Und ich finde, es ist dogmatisch und pastoraltheologisch sehr gut zu begründen, dass man heute einen Ständigen Diakonat für Frauen einführt, der – und das ist mir sehr wichtig – mit einer Weihe verbunden ist. Zudem gibt es historische Indizien erster Güte, dass es ein Amt für Frauen in der Kirche gegeben hat. Angefangen von Belegen im Neuen Testament über Belege in der frühen Kirche bis hin zu Spuren, die bis ins 17. Jahrhundert führen. Fast noch wichtiger ist mir, dass die Kirche, wie wir sie heute erleben, in ihren Ämtern, Strukturen ja nun wahrlich nicht eins zu eins das Abbild der Kirche ist, die wir am Tag nach Ostern hatten. Über die Jahrhunderte hat sich viel entwickelt. Wer sagt denn, dass die Entwicklung nicht weitergehen kann?

Irmentraud Kobusch: „Es geht um die Glaubwürdigkeit der Kirche“ 

Die Historikerin und Theologin Irmentraud Kobusch aus Bochum ist seit zehn Jahren Vorsitzende des Netzwerkes Diakonat der Frau. Derzeit wirbt sie intensiv um Unterstützung, damit ein dritter Diakonatskreis verwirklicht werden kann:

Mich fasziniert die argumentative Verknüpfung einer geschlechtergerechten Kirche mit einer diakonischen Kirche. Diese Verknüpfung geschieht beim Einsatz des Netzwerks Diakonat der Frau für das Weiheamt für Frauen. Dabei geht es um die Glaubwürdigkeit der Kirche gegenüber Frauen, aber auch gegenüber den Armen. Ich bin überzeugt, dass Dinge in der Kirche lange dauern, von daher erfüllt mich eine ungeduldige Geduld. Denn ich glaube, dass die Zeit reif ist, Frauen zu Diakoninnen zu weihen. Es ist aus theologischer Sicht möglich, und es ist dran, dass die Sendung der Kirche zu den Armen deutlicher gelebt wird. Das würde geschehen mit Frauen in diesem Amt, das leider noch immer nicht in seiner ganzen Bedeutung gesehen wird. Und solange Frauen nicht in diesem Amt in ihrer Berufung bestätigt und durch die Weihe gestärkt werden, atmet der Diakonat nur auf einem Lungenflügel. 

Sr. Benedikta Hintersberger: „Der diakonale Dienst ist eine Verheißung Jesu“

Als Geistliche Beirätin des KDFB-Bundesverbandes förderte die Dominikanerin Sr. Benedikta Hintersberger aus Augsburg den Internationalen Kongress für das Netzwerk Diakonat der Frau vor zwanzig Jahren. Mit Sr. Aurelia, damals noch Stefanie Spendel, KDFB-Vizepräsidentin, schlug sie den Tag der Diakonin am Gedenktag der Hl. Katharina von Siena vor. Sie wählte die Teilnehmerinnen für die dreijährigen Diakonatskurse für Frauen im Jahr 1999 und 2006 mit aus:  

Ich bin zutiefst überzeugt, dass die Frauen um Jesus und in der Urkirche die Aufgabe des Diakonates erfüllten und dass es eine jesuanische Verheißung ist, dass Männer und Frauen im diakonalen Dienst stehen. Zugleich können die Zeichen der Zeit für den diakonalen Dienst in unserer Kirche nicht dringlicher sein. Ich denke an die Flüchtlingsarbeit, die Obdachlosen, die psychisch Kranken, die zunehmende Armut. Und gleichzeitig sehe ich den großen Mangel an Priestern. Schon auf der Würzburger Synode 1975 wurde intensiv angesprochen, wie notwendig der Frauendiakonat in der Kirche ist und dass theologisch nichts dagegen spricht. Die Resignation beziehungsweise Gleichgültigkeit der Frauen nimmt zu, weil die Verantwortlichen nicht handeln. Noch eine Kommission und noch mal eine Kommission! Auf welche neuen Erkenntnisse warten wir denn? Es braucht schon ein gerüttelt Maß an Treue und Hoffnung, wenn sich gläubige Frauen trotzdem weiter in der Kirche engagieren. „Wartet nicht auf die Zeit, denn die Zeit wartet nicht auf Euch!“ Diese Mahnung der Hl. Katharina ist aktueller denn je. 

Zusammenfassung der Statements: Anne Granda
aus: KDFB Engagiert – Die Christliche Frau 5/2017