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Der Stern von Betlehem

Ein 14-zackiger Stern markiert den Ort auf dem Boden der Geburtskirche, der als Geburtsstelle Jesu verehrt wird. Fotos: Fotos: Andreas H. Fritsch
Schwester M. Gabriela Zinkl war Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes. Heute lebt sie als Ordensfrau in Jerusalem.

In der Grotte unter der Geburtskirche von Betlehem verweist ein silberner Stern auf den Platz, an dem Jesu Krippe gestanden haben soll. Schwester M. Gabriela Zinkl beschreibt die Bedeutung dieses Ortes.

Betlehem – für uns Christen ein klingender Name: der Geburtsort Jesu, der übersetzt „Haus des Brotes“ bedeutet, liegt nur wenige Kilometer von Jerusalem entfernt. Zur Zeit des Alten Testaments wie zur Zeit Jesu war Betlehem ein unbedeutendes Städtchen. Und wir wissen, dass es dort in einer kühlen Winternacht vor mehr als 2000 Jahren keinen erschwinglichen Schlafplatz gab für ein ungleiches Paar, einen älteren Mann mit einer hochschwangeren Frau. Das alles hört sich nicht gerade verheißungsvoll an.

Doch ausgerechnet dort, in der Geburtsstadt König Davids, sollte eine Hoffnung wahr werden, die unseren Glauben bis heute prägt: Aus Liebe machte Gott uns das größte Geschenk aller Zeiten – seinen Sohn Jesus Christus, damit er uns Bruder, Beistand und Hoffnungsträger in auswegloser Zeit wird. Durch eine einfache Frau geboren, wurde Jesus einer von uns. Er ist mitten in unsere Welt gekommen, ausgerechnet in einer als Viehstall genutzten Höhle.

Der Moment, in dem die Weihnachtsbotschaft bei uns ankommen kann

Deshalb ist Betlehem heute so bekannt wie nie zuvor, übersät mit Hotels, Olivenholzgeschäften und Weihnachtsdekoration. Das kleine Städtchen wird jeden Tag heimgesucht von Menschenmassen, die nach stundenlangem Anstehen endlich den silbernen Stern in der Grotte berühren können, der die Stelle der Geburt Jesu markiert. Dort in diesem Trubel, genauso wie vor unserer eigenen Haustür, muss man lange suchen nach dem richtigen Moment, in dem die Weihnachtsbotschaft heute bei uns ankommen kann. Und doch, es gibt sie, die seltenen Augenblicke, in denen uns ein Licht aufleuchtet, dass Jesus für uns Mensch geworden ist. Manchmal passiert das sogar im lauten Betlehem: zwischen den Klängen von „Stille Nacht“ in allen möglichen Sprachen der Welt in der Geburtskirche, zwischen den harschen Worten eines Aufpassers beim Geburtsstern, sich dort nur ja nicht zu lange aufzuhalten oder zwischen all unseren eigenen Habseligkeiten und Sehnsüchten mitten in unserer so schön eingerichteten Lebenswelt.

Wir sollten gut aufpassen, denn jeden Tag, genau dort, am Rande, im Kleinen, im Unbedeutenden, im Unbeachteten, im Verschmähten, dort kommt Jesus in unsere Welt und wird unser Brot zum Leben.

 

aus: KDFB engagiert 12/2019